Überquellende Müllcontainer in Rom | Bildquelle: picture alliance / dpa

Abfallproblem in Rom Vom ewigen Müll in der ewigen Stadt

Stand: 11.08.2016 02:13 Uhr

Abfälle stapeln sich an der Straße, Mülltonnen quellen über: Roms neue Bürgermeisterin Raggi hat versprochen, dass sich dies bis Ende August ändert. Bislang mit mäßigem Erfolg. Einer der Gründe: Jahrelang waren die Abfallbetriebe in Händen der Mafia.

Von Markus Epping, ARD-Studio Rom

Rom spricht über sein Müllproblem. Vielleicht ist das ja der erste Schritt, damit sich etwas bessert. Die neue Bürgermeisterin Virginia Raggi versprach schon im Wahlkampf, das Müllproblem zu lösen. Und verspricht es immer noch: "Das gesamte System der Müllverwaltung in Rom ist völlig verfilzt, es ist eine Sackgasse."

Raggi gibt sich gern als eine aus dem Volk. Sie will Schluss machen mit alten Strukturen - konkrete Lösungen sollen her. Das entspricht der Linie ihrer Partei, der Protestbewegung Fünf Sterne. Folglich ist es unangenehm für Raggi, dass gleich in ihren ersten Amtswochen das Problem mit dem Müll hochkocht. Vor allem geht es um Außenbezirke Roms. Abfälle stapeln sich an der Straße, Mülltonnen quellen über, es stinkt.

"Die Leute haben keine Manieren"

Aber längst nicht alle Bewohner geben der Müllabfuhr die Schuld. "Die kommt hier schon vorbei", sagt eine Frau, die gerade Müll rausbringt. Sie fügt hinzu: "Es sind die Leute, die keine Manieren haben." Eine andere Bewohnerin zeigt auf einen Haufen aufgerissener Säcke.

Eine Nachbarin kommt dazu - auch sie nimmt die Müllabfuhr in Schutz. Oft seien die Container geleert, aber die Leute stellten ihren Abfall trotzdem auf die Erde. Auch den Geruch rieche man, sobald man vor das Haus trete.

Virginia Raggi nach ihrer ersten Ratssitzung als neue Bürgermeisterin von Rom (7. Juli 2016)
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Kampf dem Müll: Roms neue Bürgermeisterin Raggi will die Stadt sauberer machen.

Raggi verspricht Soforthilfen

Bürgermeisterin Raggi muss sich wegen der Zustände in manchen Vierteln oft Vorwürfe anhören. Als erste Reaktion kündigte sie Soforthilfen an. "Wir haben für einige Viertel zusätzliche Reinigungstrupps angefragt. Außerdem haben wir dafür gesorgt, dass der Müll öfter als bislang abgeholt wird."

Raggi hat sich selbst unter Druck gesetzt. Bis Ende August, versprach sie, soll Rom sauberer sein. Manche Römer finden auch, dass sich schon etwas getan hat: "Von einigen Stadtteilen hört man, dass es sogar viel besser geworden ist. Hier vielleicht nur ein bisschen, aber das ist ja auch schon etwas", sagt eine Passantin.

Fest steht: Wer durch Rom fährt, sieht dreckige Ecken. Aber das Bild mancher Medien, die so tun, als versinke die ganze Stadt im Abfall, ist übertrieben.

Eine Frau wirft in der Innenstadt von Rom Müll in einen Abfalleimer.
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Anders als in den Außenbezirken ist in der Innenstadt das Müllproblem für die Touristen kaum erkennbar.

Rom exportiert Müll nach Deutschland

Das eigentliche Problem der Stadt mit ihrem Müll ist ein anderes. Seit Jahren fehlen ausreichend große Entsorgungsanlagen wie zum Beispiel zur Müllverbrennung. Und die größte Deponie der Stadt ist dicht. Was tut Rom? Es exportiert seinen Abfall ins Ausland, auch nach Deutschland.

Dazu kommt, dass die römischen Abfallbetriebe AMA zum Teil in Mafiahänden waren. Gewinnbringende Aufträge gingen an Privatunternehmen, zum Beispiel der Recyclingbereich. Die AMA, die wohlgemerkt von Steuergeldern lebt, durfte sich um den teuren Abtransport des Mülls kümmern.

Da sei es kein Wunder, dass Rom so dastehe, sagt die Bürgermeisterin: "Die AMA hat ihre Rechte gegenüber den Privatfirmen nicht wahrgenommen. Und das sind unsere Rechte. Daher finden wir die Stadt heute so vor, wie sie ist."

Müllbeauftragte mit zweifelhafter Vergangenheit

Natürlich geht es Raggi auch darum, selbst mit weißer Weste dazustehen. Aber sie hat ein Problem. Denn die Müllbeauftragte der Stadt, die sie neu berufen hat, war selbst jahrelang Beraterin bei der AMA. Die Opposition im römischen Stadtrat spricht von einem Skandal und Raggi hat ihre erste politische Bewährungsprobe - nach nur zwei Monaten im Amt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. August 2016 um 5:50 Uhr

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