Ein Polizist läuft hinter einem Mann mit einem Karren hinterher | Bildquelle: ARD-Studio Nairobi

Rohstoff Sand Wie Senegal Sanddiebe jagt

Stand: 28.08.2018 00:10 Uhr

Im Senegal stehen auf den Diebstahl von Sand am Strand hohe Strafen - aus gutem Grund, denn Schutzbarrieren gehen verloren. Doch Sand wird immer begehrter, weil der Häuserbau boomt.

Von Caroline Hoffmann, ARD-Studio Nairobi

"Schneller, schneller, da vorne ist er", ruft Adja Aissatou Diagne und schlägt auf das Armaturenbrett des Polizeiautos. Die 30-jährige Polizistin der nationalen Umweltpolizei sieht einen jungen Mann, der schnell die Straße hinunter rennt. Zurück lässt er ein Pferd mit einem Karren und einer Schaufel drauf - beladen mit einer großen Menge Sand.

Diagne und ihr Kollege springen aus dem Auto und beschlagnahmen erst einmal das Gefährt. "Viele Menschen hier verdienen ihren Lebensunterhalt damit, Sand vom Strand zu stehlen", sagt sie. "Damit zerstören sie die Umwelt. Sie machen sich darüber keine Gedanken. Es ist unsere Aufgabe, sie zu sensibilisieren. Wenn sie nicht wollen, dann nehmen wir sie fest - zum Schutz der Umwelt."

Adja Aissatou Diagne | Bildquelle: ARD-Studio Nairobi
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Diagne zählt zu jenen, die die Sanddiebe verfolgen.

Im Senegal ist der Abbau von noch so kleinen Mengen Sand am Meer oder in den Dünen eine Straftat. Hier in Guèdiawaye, einer Stadt an der Küste kurz vor Dakar, verdienen viele Menschen damit trotzdem ihren Lebensunterhalt.

Im Senegal wird viel gebaut. Für den Bau braucht man Sand, denn der Beton für den Hausbau besteht aus Zement und großen Mengen Sand, je nach Festigkeit. In einem Land, in dem mehr als 30 Prozent der Bevölkerung von weniger als 1,90 Dollar am Tag leben, ist der illegale Abbau eine Einnahmequelle für viele.

Unverzichtbar und begrenzt verfügbar

Sand ist ein unverzichtbarer Rohstoff auf der ganzen Welt. Jedes Jahr werden nach einer Schätzung etwa 50 Milliarden Tonnen Sand verbraucht. Und der Verbrauch steigt: Sand steckt in Gebäuden, in Straßen, in Glas und Elektronik. "Sand wird ein immer wichtigeres Thema", sagt Wissenschaftlerin Aurora Torres, vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv). "Der Abbau ist einfach, Alternativen zu teuer und zu energieaufwändig. Der globale Handel hat zugenommen."

Immer mehr Hochhäuser schießen aus dem Boden in Singapur, in Dubai oder Dakar. Mit Sand lässt sich Geld verdienen. Der natürliche Rohstoff entsteht nicht in dem Maß neu, wie er derzeit abgebaut wird. Denn es muss der Sand aus Flüssen, Dünen oder dem Meer sein. Der Sand der Wüste ist durch den Wind zu klein gerieben, zu abgerundet und eignet sich nicht.

Sandraub im Senegal
tagesthemen 22:15 Uhr, 27.08.2018, Caroline Hoffmann, ARD Nairobi

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Natürliche Schutzbarrieren gehen verloren

"Doch der Abbau hat Folgen - für die Umwelt, aber auch für die Wirtschaft und die Menschen im Land", sagt Torres. Wenn Sand abgebaut wird, dann gehen natürliche Schutzbarrieren verloren.

Im Mekong-Delta in Vietnam beispielsweise, einer der wichtigsten Regionen für Landwirtschaft in Südostasien, führt das zur Versalzung von Böden und Trinkwasser. Im Senegal ist der Abbau von Sand einer der Gründe für die Küstenerosion.

Ein Polizist sitzt auf einem beschlagnahmten Karren | Bildquelle: ARD-Studio Nairobi
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Der Dieb bekommt seinen Karren von der Polizei nur gegen eine Strafzahlung zurück.

Das Meer kommt immer näher und zerstört Häuser an der stark besiedelten Küste: Allein die Stadt Saint-Louis im Norden des Senegal muss aufgrund der Erosion an ihrer Küste in den nächsten Jahren 10.000 Menschen umsiedeln und für viel Geld neue Schutzmauern errichten. Gelingen kann das nur, weil Frankreich und die Weltbank finanzielle Unterstützung leisten.

Steigt der Meeresspiegel durch den Klimawandel an, wird das Problem noch größer werden, für Saint-Louis - und für viele weitere Städte im Senegal.

Menschen forderten Küstenschutz

Im Senegal geschah der Abbau lange Zeit einfach per Lkw am Strand. Doch dann wurden die Konsequenzen klar. "Es ist wichtig, jetzt den Sand an der Küste zu schützen", sagt Kapitän Ndongo Dieye. Er leitet die Umweltpolizei. "Wenn wir das nicht machen, kommt das Meer noch näher und verschlimmert die Küstenerosion weiter."

Captain Ndongo Dieye | Bildquelle: ARD-Studio Nairobi
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Mit 27 Mitarbeitern versucht Captain Ndongo Dieye die Umwelt zu schützen.

Im Jahr 2003 erkannte die Bevölkerung das und forderte, dass die Küste geschützt werden muss. Seitdem gibt es dafür ein Gesetz - und wurde die Umweltpolizei gegründet. Wer trotzdem Sand abbauen will, braucht die Erlaubnis vom Staat. Der vergibt in den Dünen hinter der Küste noch Lizenzen, zum Beispiel an große ausländische Unternehmen, um den Rohstoff weiter abbauen zu können.

Hohe Strafen

In Guèdiawaye bringen Adja Aissatou Diagne und ihre Kollegen Pferd und Karren schnell fort. Sonst könnte sie sich der Besitzer mit seinen Freunden zurückholen. Es ist schließlich seine Lebensgrundlage. Und die Strafe ist hoch für ihn: Für 50.000 CFA (etwa 75 Euro) bekommt er seinen Besitz zurück.

"Die Menschen sind hier Zuhause und zögern nicht, uns auch anzugreifen, wenn wir ihren Pferdekarren mitnehmen. Das kann richtig gefährlich werden. Mein Kollege hier hat einen kaputten Finger, der sich nicht mehr richten lässt", sagt Diagne. Deshalb sind sie wieder zu sechst im Einsatz. 27 Leute hat die Einheit insgesamt.

Sand liegt auf einer Schaufel | Bildquelle: ARD-Studio Nairobi
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Der Spruch - wie Sand am Meer - gilt so nicht mehr.

Jeden Tag kann die Umweltpolizei aber nicht an den Stränden patrouillieren. Sie kämpfen auch gegen illegalen Kahlschlag, Umweltverschmutzung an Land und Wasser, und sogar gegen illegale Migration und Fischerei.

Auch wenn es kleine Erfolge sind, sei der Aufwand wichtig, sagt die Polizistin: "Die Menschen werden aufmerksamer, viele rufen uns dann auch an. Es ist der richtige Weg." Ein Einsatz für die Umwelt, der Abschrecken und Bewusstsein schaffen soll. Ein mühsamer Weg in kleinen Schritten, aber ihre Einheit soll bald aufgestockt werden.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 27. August 2018 um 22:15 Uhr.

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