Ein Kind der Rohingya klettert in einem Flüchtlingslager in Bangladesch über Holzboden. | AFP

Flüchtlinge in Bangladesch Rohingya sollen umgesiedelt werden

Stand: 21.10.2019 17:56 Uhr

Bangladesch plant, ab dem kommenden Monat 100.000 Rohingya-Flüchtlinge aus Myanmar auf eine Insel im Golf von Bengalen umzusiedeln. Grund seien die überfüllten Lager. Menschenrechtler sind entsetzt.

Die Situation der Rohingya in Bangladesch ist verheerend, darin sind sich alle einig. Die inzwischen knapp eine Million Menschen leben unter unzumutbaren Bedingungen in überfüllten Lagern. Bangladesch will nun Abhilfe schaffen: mit einer Insel. Bereits im kommenden Monat sollen 100.000 Rohingya aus den Lagern auf die Insel Bhasan Char umziehen, etwa eine Bootsstunde vor der Festlandsküste. Dort werden bereits Unterkünfte gebaut.

Das Flüchtlingslager in Cox's Bazar in Bangladesch | REUTERS

Die Flüchtlingslager in Bangladesch - hier in Cox's Bazar - sind völlig überfüllt. Bild: REUTERS

Bangladeschs Flüchtlingsbeauftragter Mahbub Alam sagte der Nachrichtenagentur AFP, "rund 6000 bis 7000 Menschen hätten sich bereiterklärt, nach Bhashan Char zu gehen". Die Zahl "steige weiter", fügte Alam hinzu.

Werbevideos für die Flüchtlinge

Anführer der Rohingya würden demnächst nach Bhashan Char gebracht werden, um die Unterkünfte und Lebensbedingungen zu inspizieren, sagte der Flüchtlingsbeauftragte Alam. Nur Hossain, Vater von vier Kindern, sagte, seine Familie habe sich für die Umsiedlung gemeldet, nachdem sie Videos von den neuen Unterkünften auf Bhashan Char gesehen hätte. "Das Lager hier ist total überfüllt. Es gibt Nahrungs- und Unterkunftsengpässe", sagte der 50-Jährige AFP.

Karte: Bhasan Char

In der Trockenzeit mal 40, bei Regen und Zyklonen nur 7,7 Quadratkilometer groß: Die Insel Bhasan Char.

Viele Menschen, kleine Insel

Menschenrechtler warnten dagegen, die Insel sei nicht sicher. Sie sei erst vor 20 Jahren aus dem Meer aufgetaucht, sie werde immer wieder von Zyklonen hart getroffen. Ihre Größe werde zwar offiziell mit 40 Quadratkilometer angegeben, doch sei der sichere, eingedeichte Bereich nur etwa 7,7 Quadratkilometer groß. Der Rest sei regelmäßig überspült. Die Behörden sagen dagegen, sie hätten Schutzvorkehrungen gegen die Naturgewalten getroffen. Und: Niemand werde gegen seinen Willen auf die Insel gebracht.

Rohingya-Flüchtlinge in Myanmar | REUTERS

Vor zwei Jahren wurden 700.000 Rohingya aus Myanmar vertrieben. Bild: REUTERS

Aus Myanmar vertrieben

Die Rohingya gelten als eine der am meisten verfolgten Minderheiten der Welt. Weite Teile der buddhistischen Mehrheit in Myanmar betrachten sie als illegale Einwanderer aus Bangladesch, obwohl die Rohingya schon seit Generationen in Myanmar leben. 1983 war ihnen die Staatsbürgerschaft per Gesetz entzogen worden, seitdem leiden sie unter extremer Verfolgung. Vor zwei Jahren waren nach gewalttätigen Übergriffen durch das Militär rund 700.000 Rohingya in das benachbarte Bangladesch geflohen. Dort lebten zu diesem Zeitpunkt bereits rund 250.000 Flüchtlinge aus Myanmar.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Oktober 2019 um 14:00 Uhr.