Bewaffnete vor einem brennenden Haus in Myanmar | Bildquelle: AFP

"Ärzte ohne Grenzen"-Umfrage Mindestens 6700 Rohingya getötet

Stand: 14.12.2017 15:56 Uhr

Offizielle Opferzahlen zu den Rohingya gibt es nicht, doch "Ärzte ohne Grenzen" kommt nach einer Umfrage zu "unvorstellbaren" Ergebnissen: Mindestens 6700 Menschen seien innerhalb eines Monats getötet worden. Mehr als zwei Drittel der Opfer wurden erschossen.

In Myanmar sind laut "Ärzte ohne Grenzen" im ersten Monat der derzeitigen Gewaltwelle mindestens 6700 Rohingya getötet worden. Mindestens 730 davon seien Kinder unter fünf Jahren, erklärte das Hilfswerk. Um die Opferzahlen vom 25. August bis zum 24. September zu ermitteln, befragte "Ärzte ohne Grenzen" nach eigenen Angaben Tausende Rohingya in Flüchtlingslagern in Bangladesch.

"Diese Bezifferung der Todeszahl fällt wahrscheinlich zu gering aus, da wir nicht in allen Flüchtlingsansiedlungen Daten erhoben haben und die Studien zudem Familien gar nicht berücksichtigen, die es nicht aus Myanmar hinaus geschafft haben", sagte der medizinische Leiter der Organisation, Sidney Wong. "Was wir herausgefunden haben, ist unvorstellbar", erklärte Wong.

Zwei Drittel der Opfer erschossen

Insgesamt seien in dem Monat etwa 9000 Rohingya im westlichen Rakhine-Staat gestorben, mindestens 72 Prozent davon durch Gewalt. Die Untersuchungsergebnisse zeigten, dass die Menschen gezielt angegriffen worden seien, "und sind der bislang deutlichste Hinweis auf das Ausmaß der Gewalt", erklärte "Ärzte ohne Grenzen".

In mehr als zwei Drittel der Fälle wurden die Rohingya den Angaben zufolge erschossen, fast jeder Zehnte wurde bei lebendigem Leib in seinem Zuhause verbrannt, fünf Prozent wurden zu Tode geprügelt. Von den unter Fünfjährigen wurden nach Angaben der Hilfsorganisation knapp 60 Prozent erschossen.

Die Regierung in Myanmar kommentierte die Zahlen der Hilfsorganisation auf Anfrage nicht. Gräueltaten in Rakhine hat die Regierung aber wiederholt bestritten.

Europaparlament fordert Konsequenzen

Die jüngste Gewalt gegen die muslimische Minderheit begann am 25. August, nachdem Rohingya-Extremisten Polizei- und Militärposten angegriffen hatten. Darauf reagierte die Armee mit Brutalität. Die Rohingya werden in Myanmar seit Jahren diskriminiert und verfolgt. Mehr als 647.000 Angehörige der muslimischen Minderheit sind seit August vor der Verfolgung in Myanmar ins Nachbarland Bangladesch geflohen.

Das Europaparlament forderte wegen der systematischen Unterdrückung und Verfolgung der Rohingya Sanktionen gegen Myanmar. Die EU und ihre Mitgliedstaaten sollten "gezielte Strafen" gegen jene Mitglieder der myanmarischen Armee verhängen, die für die schweren Menschenrechtsverletzungen verantwortlich seien, verlangte das Straßburger Parlament. Außerdem müssten sie das bestehende Waffenembargo gegen Myanmar ausweiten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Dezember 2017 um 12:00 Uhr.

Darstellung: