Ein Roboter-Hund in Singapur | REUTERS

Corona in Singapur Die Stunde der Roboter

Stand: 11.05.2020 07:59 Uhr

Ein Roboter-Hund, der Parkbesucher auf die Abstandsregeln hinweist, ein Krankenhaus-Roboter, der Zimmer desinfiziert. In Singapur boomt wegen der Corona-Krise der Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Holger Senzel ARD-Studio Singapur

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Mit ratternden Gelenken schreitet Spot durch den Park. Er ist etwa so groß wie ein Schäferhund, läuft auf vier Beinen wie ein Hund und scheint direkt einem Science-Fiction Film entsprungen. Ein gelbes Stahlskelett mit viereckigem Kopf, die Augen sind Kameras. Erspäht der Roboterhund Parkbesucher, die zu eng zusammenstehen, läuft er auf sie zu und erinnert an die Regeln:

Sorgen wir gemeinsam dafür, dass Singapur gesund bleibt. Für ihre eigene und die Sicherheit anderer wahren Sie mindestens einen Meter Distanz. Danke sehr.

Künftig eigenständige Patrouillen

Im Kontrollzentrum sitzt Spots Herrchen hinter einem Bildschirm und lenkt den Robot Dog per Joystick - kein Mensch  muss also den Parkbesuchern nahe kommen und sie ermahnen. Spot ist ein Test: Wenn der Roboterhund gut bei den Bürgern ankommt, werden demnächst mehr seiner Artgenossen durch Singapur patrouillieren.

Er soll dann auch ohne menschlichen Hundeführer auskommen, erklärt eine Journalistin auf Channel News Asia:  "Der Roboter hat ja jetzt schon Sensoren, damit er nicht gegen Menschen oder Gegenstände läuft. Aber er wird  eben noch von einem Officer gesteuert. Künftig soll er aber völlig eigenständig patrouillieren an diesem Ort und anderen."

Roboter weit verbreitet

Künstliche Intelligenz ist in Singapur weit verbreitet: In einem Krankenhaus bringt ein Roboter einem Beatmungspatienten Medikamente und fragt nach dem Wohlbefinden. Roboter transportieren Einkäufe aus Supermärkten zum Kunden nach Hause - und  Roboter, die aussehen wie eine Waschmaschine mit einem Schuhkarton als Kopf darauf, rollen über Bürgersteige und fordern zum Daheimbleiben auf.

Ein Roboter in Singapur | AFP

Diese Maschine kann eigenständig Flächen, etwa in Krankenhäusern, desinfizieren. Bild: AFP

Roboter übernehmen immer mehr Aufgaben

Die Corona-Pandemie ist die Stunde der Roboter in Singapur. Neue Techniken, die in normalen Zeiten kaum akzeptiert würden, bekämen nun ihre große Chance, sagt Martin Ford, Autor des Buches "Rise of the Robots", das die Bedrohung einer Zukunft ohne beschreibt.

"Kunden wollen normalerweise nicht in ein Restaurant gehen und von einer Maschine bedient werden. Sie wollen mit einem Menschen sprechen. Aber diese Pandemie hat alles auf den Kopf gestellt. Und hinsichtlich Hygiene und Ansteckungsgefahr - im Krankenhaus etwa oder bei der Zubereitung von Essen ist ein Roboter natürlich unschlagbar. Menschen aus Interaktion rauszuhalten ist momentan kein Nachteil - im Gegenteil." Corona habe den Vormarsch der Roboter nur beschleunigt, glaubt Ford. Aufzuhalten sei er auch durch ein Ende der Pandemie nicht mehr.

Ein Roboter in Singapur | REUTERS

Roboter achten darauf, dass Parkbesucher den Hygieneabstand einhalten. Bild: REUTERS

Strikte Ausgangsbeschränkungen

Und während Deutschland die Corona-Beschränkungen immer weiter lockert, bleibt Singapur bis Ende im Mai im Lockdown. Soziale Kontakte sind verboten, Bewohner dürfen nur allein auf die Straße, es gibt Ausweiskontrollen und Temperaturmessungen im Supermarkt. Aber auch nach dem 1. Juni - warnte die Regierung schon jetzt - werde es sicher keine schnelle Rückkehr zur Normalität geben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Mai 2020 um 05:45 Uhr.