Fußball-WM der Roboter in Mexiko Bis 2050 sollen Ronaldo und Co. alt aussehen

Stand: 23.06.2012 13:03 Uhr

Während die Fußball-Fans in Europa gebannt Richtung Polen und Ukraine blicken, werden in Mexiko die Weltmeister der kickenden Roboter ermittelt. Einiges ist wie beim richtigen Fußball, nur Emotionen spielen nicht mit. Bis zum Jahr 2050 sollen die Roboter besser als Ronaldo und Co. sein.

Von Martin Polansky, ARD-Hörfunkstudio Mexiko

Anpfiff zum WM-Spiel: Vier Roboter, die aussehen wie kleine, blinkende Tonnen, rollen über ein grünes Feld und kämpfen um den Ball. Zwei der Roboter kommen aus dem Iran, zwei gehören zum Team "Rocky" von der Gesamtschule Rockenhausen in der Pfalz - immerhin die deutschen Junioren-Meister in ihrer Spielklasse.

Robocup in Mexiko: Das Team "Rocky" und seine Roboter.
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Robocup in Mexiko: Das Team "Rocky" aus der Pfalz in Aktion.

Jörn Müller hat an den Fußball-Robotern mitgebaut. Sein Team hat allerdings Schwierigkeiten, ins Turnier zu finden. "Das Ballhalten ist ein Riesen-Problem. Hier haben wir einen anderen Rasen mit wenig Eigenreibung. Da ist es schwierig, den Ball zu kontrollieren", erläutert der 19-Jährige, der mit den "Rockys" eigentlich Weltmeister werden will. "Aber wir kämpfen weiter und hoffen, dass es klappt." Immerhin: Am Ende gewinnen die "Rockys" mit 25:5 gegen die iranische Mannschaft.

Roboter sprechen sich über WLAN ab

Robocup, die Roboter-WM in Mexiko. Teams aus aller Welt sind da. China, Singapur, Israel und viele deutsche Mannschaften. Etwa die "Fumanoids" von der FU Berlin, zweimalige Vizeweltmeister in ihrer Klasse. Informatik-Student Stefan Otte sitzt während des Trainings am Spielfeldrand, den Blick auf einen Computer gerichtet.

Die drei Roboter der "Fumanoids" sind 60 Zentimeter groß und Menschen schon ziemlich ähnlich. "Die haben zwei Beine, da sind Motoren drin und so kann man die Beine bewegen und dann kann man schießen. Das Schwierige dabei ist, nicht umzufallen", sagt Otte. Die Roboter sprächen über WLAN miteinander und sagten sich, wo sie sind und wo sie den Ball sehen. "Ich bin Kapitän, ich bin vorne, ich gehe zum Tor und solche Sachen", beschreibt Otte das Miteinander der Roboter.

Robocup 2012
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Auf einem Robocup-Feld herrscht ziemliches Gedränge.

Fast wie beim richtigen Fußball. Und auch beim Robocup sind Trainer und Betreuer während des Spiels zum Zuschauen verdammt. Kicken und den Tennisball ins Tor schießen müssen die Roboter schon selbst. Wenn etwas nicht läuft, wird anschließend neu programmiert und geschraubt - nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

Bis 2050 sollen Roboter besser sein als Ronaldo und Co.

Der Portugiese Cristiano Ronaldo
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Bis zum Jahr 2050 sollen die Roboter besser sein als Weltstars wie Cristiano Ronaldo.

Seit 1997 gibt es den Robocup. Das große Ziel: Bis zum Jahr 2050 sollen Roboter besser spielen als die menschlichen Top-Mannschaften um Ronaldo, Gomez und Co. Tobias Knobloch von den "Rockys" ist sich sicher, dass dies geht: "Wenn man beim Roboter einmal so einen Ronaldo gebaut hat, dann kann ich den zwanzig Mal nachbauen. Und dann fahre ich mit zwanzig Ronaldos." Und denen sei es auch egal, ob sie 0:3 hinten oder 3:0 vorne liegen würden. "Die spielen ihr Programm ab. Es spielen keine Emotionen mit. Und das wird der Grund sein, warum wir gewinnen - also die Roboter."

Fußball-EM ein Turnier von gestern

"Wir" und die Roboter - bei so viel künstlicher Intelligenz schaut beim Robocup in Mexiko kaum jemand Richtung Polen und Ukraine. Die Fußball-Europameisterschaft der Kicker aus Fleisch und Blut - irgendwie ein Turnier von gestern: "Ich sag' immer: Was will man mit einer EM, wenn man auf eine WM fährt. Mich interessiert das hier mehr. Ich bin nicht so der Sportler, ich programmiere lieber und lass spielen", sagt Knobloch.

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