Die Preisträger des Alternativen Nobelpreises 2020: Stevenson, Sotudeh, Bjaljazki, Cunningham Wren | Rightlivelihoodaward.org

"Alternativer Nobelpreis" Ehrung für vier Menschenrechtler

Stand: 01.10.2020 23:18 Uhr

Menschenrechte in Belarus, Nicaragua und im Iran, Kampf gegen Rassismus in den USA: Die Right Livelihood Stiftung stellt in diesem Jahr den Einsatz für die Demokratie in den Mittelpunkt der "Alternativen Nobelpreise".

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Der Preis der Right Livelihood Stiftung ist für Menschen gedacht, die nach Meinung einer Jury das "Richtige" tun in ihrem Leben. Wie im vergangenen Jahr wird er auch diesmal an vier Menschenrechtler und Naturschützer vergeben.

Carsten Schmiester ARD-Studio Stockholm

Etwa an die iranische Anwältin Nasrin Sotudeh für ihr, so die Begründung, "furchtloses Engagement unter hohem persönlichem Risiko zur Förderung politischer Freiheiten und der Menschenrechte im Iran".

Nasrin Soutadeh im Film "Teheran Taxi" | rightlivelihoodaward.org

Nasrin Sotudeh in dem Film "Teheran Taxi" Bild: rightlivelihoodaward.org

Sie wurde laut Stiftung im März vergangenen Jahres in ihrer Heimat zu insgesamt 38 Jahren Haft und 148 Peitschenhieben verurteilt und sitzt im Gefängnis.

Einsatz für Indigene

Eine weitere Preisträgerin ist Lottie Cunningham Wren, die sich für indigene Menschen und Umweltschutz in Nicaragua engagiert.

Lottie Cunningham Wren

Lottie Cunningham Wren

Menschenrechtsaktivisten in Belarus

Ebenfalls ausgezeichnet wurden der belarusische Aktivist Ales Bjaljazki und das von ihm gegründete Menschenrechtszentrum Viasna für ihren "entschlossenen Kampf für die Verwirklichung von Demokratie und Menschenrechten in Belarus".

Ales Bialiatski,  Viasna-Aktivisten und Aisha Jung von Amnesty International bringen hier Unterschriften gegen die Todesstrafe zum Präsidentenpalast in Minsk

Ales Bjaljazki (Mitte), Viasna-Aktivisten und Aisha Jung von Amnesty International bringen hier Unterschriften gegen die Todesstrafe zum Präsidentenpalast in Minsk

Videobotschaft von Bryan Stevenson

Der US-Bürgerrechtsanwalt Bryan Stevenson erhält den "Alternativen Nobelpeis" für seinen Kampf gegen Rassismus in der amerikanischen Strafjustiz.

Stevenson bedankte sich in einer Videobotschaft für die Auszeichnung. "Es bedeutet mir viel, dass dies ein internationaler Preis ist. Das verbindet uns mit all den anderen Menschen überall auf der Welt, die gegen Ungleichheit, Unterdrückung und Machtmissbrauch kämpfen", so Stevenson. "Unsere Anstrengungen werden anerkannt und man lädt uns ein in die globale Gemeinschaft von Aktivisten, die sich für Menschenrechte einsetzen."

Bryan Stevenson in seinem Büro | Rightlivelihood.org

Bryan Stevenson in seinem Büro Bild: Rightlivelihood.org

"Langfristige Verändungsprozesse"

Den Preis gibt es seit 1980. Die Stiftung nennt ihn auf ihrer Website selbst und selbstbewusst den "Alternativen Nobelpreis", als der er auch bekannt ist. Mit den eigentlichen Nobelpreisen hat er allerdings nichts zu tun.

Mit dem "Alternativen Nobelpreis" unterstütze die Stiftung Menschen, die sich für eine friedliche, gerechte und nachhaltige Welt einsetzten. Er solle dringliche und langfristige gesellschaftliche Veränderungsprozesse fördern. Oder, wie in diesem Jahr, gegen drohende Veränderungsprozesse wirken, so Stiftungschef Ole von Uexküll: "Die Preisträger kommen aus unterschiedlichen Ländern, aber sie sind vereint in ihrer Arbeit für Gleichberechtigung und Demokratie. Sie stellen sich gegen Ungerechtigkeit und autoritäre Herrschaft und zwar sehr positiv, indem sie die Zivilgesellschaft in ihren Ländern stärken."

"Demokratie ist weltweit gefährdet"

Die Preisverleihung im vergangenen Jahr stand wegen der weltbekannten Preisträgerin Greta Thunberg mehr im Zeichen der drohenden Klimakatastrophe. In diesem Jahr geht es der Stiftung um etwas anderes, so von Uexküll: "Mit der Auswahl der Preisträger wollen wir zeigen, dass die Demokratie weltweit gefährdet ist. Wir fordern alle, die sich für Demokratie einsetzen, auf, sich zu vereinen und gegenseitig zu unterstützen, um diese gefährlichen Entwicklung umzukehren."

Bilderstrecke

"Alternativer Nobelpreis"

Der Preis ist mit je einer Million Kronen - umgerechnet sind das etwa 95.000 Euro - dotiert. Es ist Tradition und wird erwartet, dass die Preisträger das Geld nicht für sich, sondern für ihre Arbeit und ihre Projekte verwenden. Aufgrund der Corona-Pandemie gibt es in diesem Jahr keine große Gala in Stockholm, sondern am 3. Dezember lediglich eine virtuelle Preisverleihung im kleineren Rahmen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Oktober 2020 um 11:00 Uhr.