Abgesperrter Kongress in Richmond | Bildquelle: AP

USA Richmond rüstet sich für Waffendemo

Stand: 20.01.2020 10:08 Uhr

Im Zentrum der Stadt Richmond herrscht Ausnahmezustand: Am Mittag will die Waffenlobby im US-Bundesstaat Virgina gegen geplante schärfere Gesetze demonstrieren. Die Behörden befürchten Ausschreitungen.

Im US-Bundesstaat Virginia stellen sich Behörden und Bürger der Stadt Richmond auf eine schwere Konfrontation zwischen Gegnern und Befürwortern neuer Waffengesetze ein. Für den Mittag (Ortszeit) haben regionale Gruppen wie die "Virginia Citizens Defense" zu einer Kundgebung gegen die Absicht des neuen Kongresses von Virginia aufgerufen, die staatlichen Regelungen deutlich zu verschärfen.

So soll der Verkauf von Sturmgewehren und Schalldämpfern ebenso untersagt werden wie das Mitführen von Waffen im örtlichen Kapitol. Zudem soll der Erwerb von Waffen auf ein Exemplar pro Monat beschränkt werden.

Der Plan ist Folge der neuen Mehrheitsverhältnisse im Kongress von Virginia. Hier hatten die Demokraten bei den Wahlen im November die Mehrheit errungen - unter anderem mit dem Versprechen schärferer Gesetze.

Trump unterstützt Demonstranten

Dagegen macht nun die Waffenlobby mobil und ruft zur Verteidigung der bisherigen Waffenrechte auf - unterstützt von US-Präsident Donald Trump. Dieser schrieb am Freitag auf Twitter, das Recht auf Waffenbesitz der Menschen in Virginia sei ernsthaft in Gefahr. "Das passiert, wenn ihr die Demokraten wählt, die euch eure Waffen wegnehmen wollen", erklärte Trump.

Sicherheitsbehörden und die Regierung des Bundesstaats fürchten dagegen, dass sich gewaltbereite Rechtsextreme unter die Demonstranten mischen könnten. Gouverneur Ralph Northam sagte, es gebe Informationen, wonach gewaltbereite, bewaffnete private Milizen und hasserfüllte Gruppen "böswillige Handlungen" bei der Demonstration planten.

Northam erklärte vorsorglich den Ausnahmezustand für Richmond und verhängte ein Waffenverbot für den Platz der geplanten Kundgebung vor dem Sitz der Regierung Virginias. Bürger der Stadt wurden aufgerufen, sich nicht in der Innenstadt aufzuhalten, wenn dies nicht zwingend notwendig sei.

Straßensperre in Richmond wegen der geplanten Demo der Waffenlobby | Bildquelle: REUTERS
galerie

Teile der Innenstadt Richmonds wurden wegen der geplanten Demo vorsorglich abgesperrt.

Mehrere Extremisten verhaftet

Die Sorge der Behörden wird auch dadurch genährt, dass das FBI im benachbarten Bundesstaat Maryland sowie in Delaware und Georgia in der vergangenen Woche mehrere mutmaßliche Rechtsextremisten einer Gruppierung namens "The Base" verhaftet hatten. Einige sollen unterwegs nach Richmond gewesen sein.

Zudem ist in Virginia die Erinnerung an einen Vorfall aus dem Jahr 2017 in dem Bundesstaat noch sehr gegenwärtig. Im August des Jahres kam es in der Stadt Charlottesville bei einer Demonstration von weißen Nationalisten und Neonazis zu Ausschreitungen. Ein Rechtsextremist steuerte sein Auto in eine Gegendemonstration, eine Frau starb, mehrere Menschen wurden verletzt.

Der Fall sorgte weltweit für Schlagzeilen, auch weil sich Trump anschließend nicht eindeutig von den Rechtsextremen distanzierte. Trump sprach von "einigen sehr feinen Menschen auf beiden Seiten".

Auto rast in Charlottesville in eine Menschenmenge. | Bildquelle: AP
galerie

Mit diesem Auto raste der US-Neonazi Fields in Charlottesville in eine Menschenmenge - dafür wurde er zu 419 Jahren Haft verurteilt.

Ein Streit, der seit Jahrzehnten läuft

In den USA, wo Waffen meist sehr leicht zu kaufen sind, kommt es immer wieder vor, dass Bewaffnete in Schulen, Einkaufszentren oder an anderen öffentlichen Orten um sich feuern. Tausende Menschen sterben jedes Jahr infolge von Schusswaffengebrauch, was immer wieder Debatten über eine Verschärfung des Waffenrechts nach sich zieht. In vielen US-Staaten ist sogar das offene Tragen von Waffen erlaubt.

In Virginia kamen allein 2018 mehr als 1000 Menschen durch Waffengewalt ums Leben. Diese hohe Zahl war ein Thema im Wahlkampf des vergangenen Jahres, den die Demokraten erstmals seit 26 Jahren für sich entscheiden konnten.

Mit Informationen von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Sorge vor Gewalt bei Waffenbesitzer-Demo in Richmond, Virginia
Arthur Landwehr (SWR, Washington)
20.01.2020 10:18 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Januar 2020 um 10:30 Uhr.

Darstellung: