Maria Ressa | REUTERS

Friedensnobelpreis für Ressa Duterte-Regierung gratuliert und kritisiert

Stand: 11.10.2021 10:41 Uhr

Mehr Kritik als Anerkennung: Die philippinische Regierung hat der Journalistin und Regierungskritikerin Ressa zum Friedensnobelpreis gratuliert. Allerdings sei Ressa "eine verurteilte Verbrecherin", die sich "reinwaschen" müsse.

Erst drei Tage nach der Vergabe des Friedensnobelpreises an die philippinische Journalistin Maria Ressa hat die Regierung in Manila der Preisträgerin gratuliert. Jedoch folgte den Glückwünschen sogleich heftige Kritik.

"Wir gratulieren Maria Ressa dazu, dass sie als erste Philippinerin den Friedensnobelpreis gewonnen hat", sagte Präsidentensprecher Harry Roque. Darüber sei die Freude groß. "Aber es ist auch wahr, dass es Personen gibt, die das Gefühl haben, dass Maria Ressa ihren Namen noch vor unseren Gerichten reinwaschen muss", fügte er hinzu. Ressa sei "eine verurteilte Verbrecherin", sagte Roque.

Ressa zu sechs Jahren Haft verurteilt

Hintergrund: Die Investigativ-Reporterin und Chefredakteurin des Online-Nachrichtenportals Rappler gilt als scharfe Kritikerin von Präsident Rodrigo Duterte und dessen umstrittenen und brutalen "Krieges gegen Drogen". Immer wieder wurde die 58-Jährige im Rahmen ihrer Arbeit bedroht, verhaftet und angeklagt.

In einem Verleumdungsprozess war sie im vergangenen Jahr zu einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Jahren verurteilt worden. Sie ging in Berufung und ist auf Kaution auf freiem Fuß. Zudem gibt es Versuche, Rappler die Lizenz zu entziehen. Beobachter sagen, die Regierung versuche, Ressa und Rappler mundtot zu machen.

Regierung: Nobelpreis ist Beweis für Pressefreiheit

Das norwegische Nobelkomitee hatte den Friedensnobelpreis am Freitag an Ressa und den russischen Journalisten Dmitri Muratow, Chefredakteur der kremlkritischen Zeitung "Nowaja Gaseta", vergeben. Mit der Auszeichnung der beiden Medienvertreter solle die Bedeutung des Schutzes der Meinungs- und Pressefreiheit für Demokratie und Frieden unterstrichen werden, hieß es zur Begründung. Philippinische Journalistenverbände und Menschenrechtsorganisationen bezeichneten die Auszeichnung für Ressa als "Triumph".

Duterte hatte Ressa hingegen immer wieder die Verbreitung von Falschnachrichten vorgeworfen. Auf die Frage, ob die Preisvergabe an Ressa als Rüffel für den Präsidenten zu verstehen sei, sagte sein Sprecher Roque: "Sicher nicht. Dies ist kein Rüffel für die Regierung, denn wie jeder weiß, wird auf den Philippinen niemand zensiert. Die Pressefreiheit ist lebendig, und der Nobelpreis für Maria Ressa ist der Beweis."

Die Philippinen gelten als eines der gefährlichsten Länder für Journalisten. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen nimmt das Land Platz 138 von 180 ein. 

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 08. Oktober 2021 um 21:45 Uhr.