Verwüstungen nach den Bränden in Griechenland | Bildquelle: AFP

Waldbrände in Griechenland Die Suche nach den Schuldigen

Stand: 27.08.0018 10:40 Uhr

Nach den verheerenden Feuern mit zahlreichen Toten läuft in Griechenland die Ursachenforschung. Viele machen Brandstifter verantwortlich - bewiesen ist das allerdings nicht.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

"Wir haben ernstzunehmende Indizien, die für Brandstiftung sprechen" , sagte der griechische Minister für Bürgerschutz, Nikos Toskas, am Donnerstagabend - und er sagte auch, dass es signifikante Hinweise gebe, die kriminelle Handlungen - also Brandstiftung - vermuten lassen. Damit sprach der Minister das aus, was auch im Hafenort Mati gerüchteweise schon länger die Runde macht.

Wilde Spekulationen

"Hinter solch schweren Bränden können doch eigentlich nur Brandstifter stecken", meint ein Renter in Mati. "Das war offensichtlich. Man konnte es an der Geschwindigkeit erkennen, und es war, als ob jemand gleichzeitig den Wind ausnutzen wollte, mit anderen Worten, sie nutzten die Wetterbedingungen und die Stunde aus und es gab ein weiteres Feuer auf der anderen Seite Attikas im Westen und das hier bei uns im Ort." Noch wilder spekuliert ein anderer Bewohner in Mati, obwohl auch er keine Beweise hat. "Im Sommer legen sie immer Feuer. An verschiedenen Stellen. Es ist nicht nur eine Person, die das tut. Es war ein Tag, an dem wir Windstärke 10 hatten, was bedeutet, dass der Wind mit 100 Kilometern pro Stunde weht. Und es war heiß und der Wind kam rasend schnell runter zu uns."

Solche und ähnliche Sätze sind immer wieder zu hören am Ende dieser Schreckenswoche in Mati und den anderen Orten, in denen das Feuer Häuser und vor allem auch viele Leben zerstört hat. Doch es gibt auch nachdenkliche Stimmen, die vor zu schnellen Urteilen warnen - weil man jetzt doch noch gar nichts wissen könne. Giorgos Zissi etwa, ein 65-jähriger Bewohner von Mati: "Das war nur Pech, Zufall. Aber Brandstiftung? Nein."

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras | Bildquelle: SIMELA PANTZARTZI/EPA-EFE/REX/Sh
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Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras übernahm die politische Verantwortung für die verheerenden Waldbrände.

Tsipras übernimmt Verantwortung - und bleibt im Amt

Am späten Nachmittag übernahm der griechische Regierungschef Alexis Tsipras die politische Verantwortung für die Brandkatastrophe und rief auch andere Regierungsmitglieder dazu auf, sich dieser Verantwortung zu stellen. Grund zum Rücktritt allerdings sieht Tsipras nicht - denn das gewaltige Ausmaß der Brandkatastrophe mit so vielen Toten sei vor allem durch jahrelange illegale Bauten in den Ferienhaus-Gebieten rund um die kleine Hafenstadt Rafina verursacht worden. Und dafür seien frühere Regierungen verantwortlich gewesen. Tsipras versprach aber, alle nötigen Maßnahmen zu treffen, um diesen Zustand zu beheben und den Menschen zu helfen.

Auch zum Verdacht auf Brandstiftung nahm Tsipras Stellung. Es gebe Anzeichen dafür, dass Brandstifter am Werk waren. "Wir müssen den ganzen Sommer hinweg auf der Hut sein", warnte Tsipras. Denn Brandstifter könnten ein weiteres mal zuschlagen.

Nach den Bränden in Athen - war es Brandstiftung?
Michael Lehmann, ARD Istanbul, zzt. Athen
27.07.2018 18:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. Juli 2018 um 07:01 Uhr.

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