Remdisivir | Bildquelle: YONHAP/EPA-EFE/Shutterstock

Studie zu Corona-Medikamenten WHO: Remdesivir kaum wirksam

Stand: 16.10.2020 17:07 Uhr

Eigentlich sollte Remdesivir im Kampf gegen Ebola helfen - doch dann wurde das Medikament ausrangiert. Gleiches droht nun beim Einsatz gegen Covid-19. Die WHO stellt einem der wenigen Corona-Medikamente ein schlechtes Zeugnis aus.

Das als Corona-Medikament eingesetzte Mittel Remdesivir hat nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wenig Nutzen. Das geht aus Daten der von der WHO koordinierten Solidaritätsstudie hervor, die bislang aber nicht in einem begutachteten Fachjournal erschienen ist.

Auch andere in weltweiten Testreihen überprüfte, potenzielle Corona-Medikamente haben demnach wenig oder gar keinen Nutzen gezeigt.

Hersteller betont weiterhin Wirksamkeit von Remdesivir

Remdesivir erhielt im Juli als erstes Mittel überhaupt in Europa eine Zulassung unter Auflagen zur spezifischen Behandlung von bestimmten Covid-19-Patienten. Der Hersteller von Remdesivir, Gilead, betonte als Reaktion auf die WHO-Ergebnisse jedoch erneut die Wirksamkeit seines Medikaments. Man sei besorgt darüber, dass die Daten der Studie nicht die übliche strenge Überprüfung erfahren hätten.

Die Zulassung von Remdesivir in Europa erfolgte auf Basis von Studien, denen zufolge die Genesungszeit von Corona-Patienten durch Remdesivir um einige Tage verkürzt wird. Die europäische Arzneimittelagentur Ema teilte auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit, dass sie unter anderem die Daten der WHO-Solidaritätsstudie anschauen werde. Dann werde man sehen, ob die Art, wie das Arzneimittel eingesetzt werde, geändert werden müsse.

Zwischenergebnisse müssen noch geprüft werden

Zwischenergebnisse legten nahe, dass die getesteten Medikamente wenig oder gar keinen Effekt hatten, hatte die WHO zuvor mitgeteilt. Geprüft wurde unter anderem, welchen Einfluss sie auf die Sterblichkeit, den Zeitpunkt für den Einsatz von Beatmungsgeräten und die Länge des Krankenhausaufenthalts hatten.

Im Rahmen der von der WHO koordinierten Solidaritätsstudie mit Tausenden Patienten in fast 500 Kliniken in mehr als 30 Ländern waren Remdesivir, Chloroquin/Hydroxychloroquin, Lopinavir/Ritonavir und Interferon-Regime geprüft worden. Alle Medikamente waren ursprünglich für andere Krankheiten entwickelt worden.

Die Ergebnisse seien bislang nicht veröffentlicht, betonte auch die WHO, sondern müssten noch von Experten geprüft werden. Ein Manuskript wurde auf dem Server medRxiv der amerikanischen Yale-Universität hochgeladen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Oktober 2020 um 14:00 Uhr.

Darstellung: