Behandlung von Covid-19 Schäden durch Remdesivir?

Stand: 03.10.2020 12:50 Uhr

Nach Angaben der EU-Arzneimittelbehörde erlitten einige mit Remdesivir behandelte Corona-Patienten akute Nierenschäden. Jetzt wird untersucht, ob Remdesivir die Schäden verursacht hat oder sie eine Folge von Covid-19 sind.

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA prüft nach eigenen Angaben Berichte über mögliche Nierenschäden durch die Einnahme des Corona-Medikaments Remdesivir. Es lägen Berichte vor, wonach einige Patienten mit der durch das Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 nach der Einnahme des Medikaments akute Nierenschäden erlitten hätten, erklärte die Behörde. Nun werde untersucht, ob es einen ursächlichen Zusammenhang gebe. Es sei ebenso möglich, dass Covid-19 selbst Nierenschäden verursachen könnte.

EU-Zulassung im Schnellverfahren

Die EU-Kommission hatte Remdesivir auf Empfehlung der EMA Anfang Juli im Schnellverfahren für die Behandlung von Corona-Patienten zugelassen: Ausschließlich für Erwachsene sowie für Jugendliche ab zwölf Jahren, die in Folge von Covid-19 an einer Lungenentzündung leiden und mit Sauerstoff versorgt werden müssen.

Um die Sicherheit des Medikaments besser belegen zu können, muss der US-Hersteller Gilead Sciences bis Dezember dieses Jahres die Abschlussberichte der Remdesivir-Studien bei der Europäische Arzneimittelagentur einreichen: Das war die Bedingung der EMA für die Schnellzulassung in der EU.

Entwickelt als Ebola-Medikament

Das Medikament wurde unter anderem an der Universitätsklinik Köln getestet. Ursprünglich wurde es zur Behandlung von Ebola entwickelt.

Remdesivir kann Studien zufolge aber auch bei besonders schweren Fällen von Covid-19 die Überlebenschancen verbessern und die Zeit bis zu einer Genesung verkürzen. Die USA und Japan erteilten daher bereits Ausnahmegenehmigungen für die Behandlung von Covid-19-Patienten mit Remdesivir.

Wer hat Zugriff auf die Produktion?

Im Sommer sicherte sich die US-Regierung fast die gesamte Produktion des in den USA hergestellten Medikamentes für Monate. Die EU-Kommission wiederum stellte im Rahmen der Corona-Soforthilfe 2,7 Milliarden Euro bereit, um Corona-Medikamente für die EU vorzuhalten.

Der gesundheitspolitische Sprecher der EVP-Fraktion Peter Liese hatte mehrfach gefordert, die EU-Kommission müsse alles tun, damit Remdesivir auch europäischen Patienten zur Verfügung steht. Der US-Hersteller Gilead könne kein Interesse daran haben, in der EU verbrannte Erde zu hinterlassen, indem er das auch in der EU getestete Medikament den Europäern vorenthalte, betonte der Mediziner Liese im Juli gegenüber dem ARD-Studio Brüssel.

Mit Informationen von Ralph Sina, ARD-Studio Brüssel

Remdesivir: EU-Arzneimittelbehörde prüft Nierenschäden
Ralph Sina, WDR Brüssel
03.10.2020 12:14 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. Oktober 2020 um 09:44 Uhr.

Darstellung: