Wahlhelfer zählen Stimmen in Schottland aus

Regionalwahlen in Großbritannien Labour-Verluste geringer als erwartet

Stand: 06.05.2016 07:39 Uhr

Die Labour-Party hat bei den Regionalwahlen in Großbritannien offenbar weniger stark verloren als vorhergesagt. In England und Wales deuten erste Teilergebnisse darauf hin. Erst im Laufe des Tages werden die Stimmen der Bürgermeisterwahl in London ausgezählt.

Stephanie Pieper ARD-Studio London

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Keine Prognosen, keine Hochrechnungen, keine Politikerrunden am Stehtisch: Wahlen in Großbritannien sind anders als in Deutschland. Politiker und Wähler müssen sich gedulden, bis die Stimmen ausgezählt sind.

In Schottland dürfte dabei keine Überraschung herauskommen: Nach ersten Ergebnissen aus den Wahlkreisen zeichnet sich ab, dass die regierende Schottische Nationalpartei SNP stärkste politische Kraft im Parlament von Edinburgh bleibt. Bereits in der Nacht sprach SNP-Chefin und Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon von einem Vertrauensbeweis in die Arbeit ihrer Regierung.

In Schottland könnte Labour hinter die Tories zurückfallen

Die SNP ist in Edinburgh seit 2007 an der Macht. Ihr Kampf für die Unabhängigkeit Schottlands vom Vereinigten Königreich hat ihr neue Mitglieder und neue Wähler zugetrieben - trotz des verlorenen Referendums 2014.

Die Labour Party auf der anderen Seite muss - so der erste Trend - erneut eine Schlappe im Norden hinnehmen. Die Partei sei in Schottland in einer furchtbaren Verfassung, sagt der frühere Labour-Ministerpräsident Jack McConnell. Es werde Zeit brauchen, die Wähler zurückzugewinnen und an die Macht zurückzukehren, sagte er. Nicht auszuschließen ist, dass Labour in Schottland sogar hinter den Konservativen auf dem dritten Platz landet; das wäre für die Partei besonders bitter.

Etwas besser sieht es in Wales für Labour aus, die in Cardiff regiert. Und bei den Kommunalwahlen in England verliert die Arbeiterpartei - in den bisher ausgezählten Wahlkreisen - nicht so stark wie die Umfragen vorhergesagt hatten. Für den neuen, linken Parteichef Jeremy Corbyn werde es womöglich am Ende weniger schlimm als befürchtet, sagt Politik-Professor John Curtice von der University of Strathclyde.

UKIP-Ergebnisse mit Spannung erwartet

Spannend wird auch die Frage, wie die Anti-EU-Partei UKIP abschneidet. Lange wilderten die Rechtspopulisten vor allem in den Gefilden der Konservativen. Doch nun frohlockt Parteichef Nigel Farage bereits, UKIP sei zunehmend erfolgreich bei traditionellen Labour-Wählern.

Die große Frage ist auch, ob diese Kommunal- und Regionalwahlen zugleich als Stimmungstest für das EU-Referendum am 23. Juni zu werten sind. Schwierig. Am ehesten könnte noch das Ergebnis für UKIP darauf hindeuten, wie euroskeptisch die Wähler - insbesondere in England und Wales - gestimmt sind.

Sadiq Khan mit seiner Frau

Ob Labour-Kandidat Sadiq Khan erster muslimischer Bürgermeister Londons wird ...

Zac Goldsmith mit seiner Frau

... oder ob sich Zac Goldsmith von den Tories durchsetzt, wird erst am Abend klar sein.

Auszählung in London beginnt erst am Morgen

In London beginnt die Auszählung der Stimmen der Bürgermeisterwahl erst heute Morgen, mit einem Ergebnis wird am Abend gerechnet. Der Labour-Kandidat Sadiq Khan spricht sich dafür aus, dass Großbritannien in der EU bleibt. Sein Gegenkandidat Zac Goldsmith von den Konservativen dagegen kämpft - wie der scheidende Bürgermeister Boris Johnson - für einen Brexit. Der Kampf der beiden war also ein Stellvertreter-Krieg für das Referendum, sagt Tony Travers von der London School of Economics.

Allerdings spielte der am 23. Juni bevorstehende Volksentscheid im Wahlkampf kaum eine Rolle. Es ging vor allem um die Wohnungsnot, den überfüllten Nahverkehr und die schmutzige Luft. Der pro-EU-Kandidat Khan von der Labour Party lag in den Umfragen vorn. Er wäre der erste muslimische Bürgermeister der Stadt.

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Moderation 06.05.2016 • 13:19 Uhr

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