Remdesivir | via REUTERS

Coronavirus-Medikament US-Ausnahmegenehmigung für Remdesivir

Stand: 02.05.2020 04:31 Uhr

Die USA haben eine Sondergenehmigung für das Medikament Remdesivir erteilt, das in einer Studie die Zeit bis zur Genesung von Corona-Patienten verkürzt hat. Der Hersteller kündigte an, 1,5 Millionen Dosen zu spenden.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat das Medikament nicht regulär zugelassen, sondern eine Ausnahmegenehmigung erteilt. Damit können Krankenhäuser in den USA den anti-viralen Wirkstoff Remdesivir bei einzelnen Patienten gegen die Lungenkrankheit Covid-19 einsetzen; also auch außerhalb klinischer Versuche.

Torsten Teichmann ARD-Studio Washington

US-Präsident Trump hatte die Entscheidung gestern zusammen mit dem Chef des biopharmazeutischen Unternehmens Gilead, Daniel O’Day, im Weißen Haus verkündet:

Das ist eine vielversprechende Situation. Wir haben mit der Arzneimittelbehörde, dem Institut für Infektionskrankheiten und Gilead zusammengearbeitet, als Speerspitze dieser Kooperation von Behörden und privatem Sektor; damit alles sehr schnell geht.
US-Vizepräsident Pence, Gilead-Chef O'Day und Präsident Trump im Oval Office des Weißen Hauses. | Erin Schaff/POOL/EPA-EFE/Shutter

US-Vizepräsident Pence, Gilead-Chef O'Day und Präsident Trump im Oval Office des Weißen Hauses. Bild: Erin Schaff/POOL/EPA-EFE/Shutter

Pharmaunternehmen spendet 1,5 Millionen Dosen

Gilead hatte 2009 begonnen, Remdesivir zu entwickeln. Es wurde später versuchsweise unter anderem im Kampf gegen das Ebola-Virus eingesetzt. Jetzt will das Pharmaunternehmen 1,5 Millionen Dosen des Medikaments spenden, erklärte Firmenchef O‘Day.

Wir wollen sicher gehen, dass die Patienten das Medikament ohne Probleme erhalten. Wir werden deshalb etwa 1.5 Millionen Dosen Remdesivir spenden.

Im Februar hatten klinische Studien mit Remdesivir bei Covid-Patienten begonnen. Eine Untersuchung wurde vom Nationalen Institut für Allergien und Infektionskrankheiten geleitet. Deren Chef, der Immunologe Anthony Fauci, ist Mitglied des Corona-Krisenstabs im Weißen Haus.

Die Daten zeigen, dass Remdesivir die Zeit bis zu einer Genesung verkürzt. Das ist ziemlich wichtig.

Experten sind skeptisch

Das war am Mittwoch, als Fauci vorläufige Ergebnisse der Studie im Weißen Haus vorlegte. Der Wirkstoff hatte bei Covid-Patienten die Zeit bis zur Genesung verkürzt, im Schnitt um vier Tage. Eine vollständige Therapie gegen die Lungenkrankheit ist das Medikament aber nicht.

Und Experten sind skeptisch: Im Fernsehsender NBC warnte der Mediziner Steven Nissen von der Cleveland Clinic in Ohio vor voreiligen Schlüssen:

Man muss ausreichend Menschen untersuchen, lange genug und nach einem strikten Protokoll, um umfassend zu verstehen, welche Auswirkungen der Wirkstoff hat.

In den USA ist nach Angaben der Johns Hopkins Universität bei fast 1,1 Millionen Menschen das neuartige Coronavirus nachgewiesen worden. Fast 65.000 Menschen in den USA sind in Folge der Infektion gestorben.

Trump denkt über Strafzölle gegen China nach

US-Präsident Trump macht China für den Ausbruch der Corona-Pandemie verantwortlich. Als Reaktion darauf hatte die Administration auch zusätzliche Zölle auf Importe aus China in Aussicht gestellt.

Wir werden sehen, was passiert. Vieles geht vor sich in Bezug auf China. Wir sind natürlich nicht glücklich, über das was geschehen ist. Das ist eine schlimme Lage, auf der ganzen Welt, in 182 Ländern. Aber wir werden dazu viel zu sagen haben und das ist sicher eine Möglichkeit.

Vielleicht aber auch nicht. Denn bei medizinischer Schutzkleidung und später bei der Massenproduktion eines Impfstoffs sind die USA darauf angewiesen, dass China seinerseits keine neuen Handelsschranken errichtet.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. Mai 2020 um 09:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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schabernack 02.05.2020 • 10:45 Uhr

09:57 von Nachfragerin

«Er hat den Gouverneuren die Verantwortung überlassen (und sich dann darüber aufgeregt, dass einige eigene Wege gehen wollen).» Trump hat in seiner unnachahmlichen Art der Verblendung schwadroniert: "Since I am US-President, I have the Absolute Power." Was er in diesem Zusammenhang darauf bezog, er könne allen 50 Gouverneuren aus dem White House heraus diktieren, wie sie in allen 50 Bundesstaaten mit Regelungen zu Corona umzugehen hätten. Bis ihm dann wohl irgendwer erklärte, dass er in diesem Aspekt von der US-Verfassung genau so viel Plan hat, wie er als Dr. med. Trump Infizierten Desinfektionsmittel gegen Corona injizieren will. Jetzt tut er so als gäbe er den Gouverneuren "freie Hand" bei Kompetenzen, die sie nach der Verfassung sowieso haben. Nachdem er allen 50 über Wochen gezieltes Agieren vermieste, indem er als Präsident Corona grotesk verharmloste. Grenzen zu … dann bleibt Corona weg … as easy. Remsdivir-Gabe mag ein Mittel sein, dessen Einsatz ich nicht kritisiere …