Konflikte in Ägpyten

Reaktionen auf Gewalt in Kairo Besorgnis und Empörung

Stand: 14.08.2013 20:29 Uhr

International ist die Eskalation der Gewalt in Ägypten scharf verurteilt worden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte Anhänger und Gegner des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi auf, die Gewalt zu beenden und eine friedlichen Lösung zu finden.

"Wir appellieren an alle politischen Kräfte, umgehend zurückzukehren zum Dialog und zu Verhandlungen", sagte Westerwelle. "Jedes weitere Blutvergießen in Ägypten muss verhindert werden." Deutschland erwarte von der Übergangsregierung und den ägyptischen Behörden, "dass sie friedliche Proteste zulassen", betonte er. Ebenso müsse die andere Seite sich klar von Gewalt distanzieren.

"Sicherheitshinweise beachten"

Die jüngsten Nachrichten aus Kairo seien extrem besorgniserregend, sagte Westerwelle. Die deutschen Staatsangehörigen, die sich in Ägypten befinden oder dorthin reisen wollen, forderte er nachdrücklich auf, die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts zu befolgen.

Auch die EU warnte vor weiterer Gewalt. "Berichte über Tote und Verletzte sind äußerst beunruhigend", sagte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in Brüssel. "Konfrontation und Gewalt sind kein Weg, um die wichtigen politischen Fragen zu lösen und die derzeitigen Herausforderungen zu bestehen", sagte er.

Der britische Außenminister William Hague verurteilte den Einsatz von Gewalt in Ägypten ebenfalls. Er sei enttäuscht, dass kein Kompromiss gefunden worden sei. Die ägyptischen Sicherheitskräfte rief er zur Zurückhaltung auf.

USA kritisieren Ausnahmezustand

Auch die USA wenden sich mit deutlichen Worten gegen die Gewalt gegen Demonstranten. Auch den verhängten Notstand kritisierte die US-Regierung scharf. "Wir lehnen die Rückkehr zu Notstandsgesetzen strikt ab und fordern die Regierung auf, grundlegende Menschenrechte wie die Versammlungsfreiheit sowie die Rechtsstaatlichkeit zu achten", sagte der stellvertretende Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest.

Partei ergreifen wollen die USA in dem Konflikt aber nicht. "Wir sind nicht in der Position, einer bestimmten Seite unsere Unterstützung zu geben." Außenminister John Kerry hatte allerdings den Umsturz in Ägypten vergangene Woche als "Wiederherstellung der Demokratie" gewertet - und war dafür heftig kritisiert worden. Jetzt appellierte Kerry eindringlich an alle Konfliktparteien, eine politische Lösung zu finden. Die ägyptische Regierung müsse den Ausnahmezustand so schnell wie möglich wieder aufheben.

US-Außenminister John Kerry bei der Pressekonferenz in Amman

Auch US-Außenminister Kerry verurteilte die Gewalt in Ägypten.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die gewaltsame Räumung der beiden Protestlager der Muslimbrüder in Kairo "aufs Schärfste" und forderte alle Konfliktparteien auf, auf Versöhnung statt Gewalt zu setzen.

"Offener Mord"

Regierung und Opposition in der Türkei verurteilten das Vorgehen der ägyptischen Sicherheitskräfte scharf. Kulturminister Ömer Celik schrieb auf Twitter von "offenem Mord". Die internationale Gemeinschaft dürfe nicht weiter zusehen. Insbesondere die westlichen Demokratien beließen es aber dabei, lediglich ihre Sorge über die Entwicklung auszudrücken.

Auch die iranische Regierung meldete sich zu Wort. Das Außenministerium warnte vor einem "Blutbad" und einem "Bürgerkrieg". "Wir rufen die Sicherheitskräfte zur Mäßigung auf, denn diese Entwicklung könnte gefährliche Konsequenzen haben und sogar zu einem Bürgerkrieg führen."

Die ägyptischen Sicherheitskräfte hatten Protestlager der Anhänger Mursis in Kairo geräumt. Dabei gab es zahlreiche Tote und Verletzte.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
suomalainen 14.08.2013 • 21:12 Uhr

erlaubt sei

ein vergleich mit der damaligen situation in syrien. und das, was heute in kairo begann, sich mittlerweile auf grosse teile des landes ausweitet, lässt die damaligen geschehnisse in syrien geradezu klein und unbedeutend erscheinen. aber, und da komme ich zum sinn des vergleichs, lässt sich gut erkennen, welche doppelzüngigkeit sich die westlichen staaten hier leisten, wenn es um syrien oder ägypten geht. in ägypten versuchte mursi durch die hintertür einen islamistischen staat einzurichten. mission gescheitert und kerry applaudiert (wie im bericht zu lesen). das das zu den jetzigen zuständen geführt hat,lässt ihn nun aber zurückrudern. in syrien ging es um demokratie an sich. natürlich hat assad fehler gemacht. bis sich das alles verselbständigte zum jetzigen bürgerkrieg, auf seiten der rebellen al kaida-nahe islamisten, die eben diesen islamistischen staat nach dem sturz assads wollen. und hier unterstützt der westen via saudi arabien/katar mächtig. schon komisch...