Trump-Anhänger mit einer US-Flagge

US-Reaktionen "Jetzt stehen wir an der Schwelle zum Krieg"

Stand: 21.06.2019 18:49 Uhr

In der Iran-Politik folgt Trump den Hardlinern, hat einen Angriff aber dennoch knapp vermieden. In den USA herrscht Unsicherheit über die Strategie der Regierung - und darüber, wie es nun weitergeht.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Unterstützung bekommt US-Präsident Donald Trump für seinen Rückzieher vor allem von den eigenen Anhängern. Kein böses Wort über den gestoppten Militärschlag gibt es im Fernsehsender Fox News. Moderator Geraldo Rivera sagt, er gratuliere dem Präsidenten zu dessen Besonnenheit und Zurückhaltung. "Die USA sollten tief Luft holen", sagt er. "Jetzt stehen wir an der Schwelle zum Krieg. Aber jede Krise enthält auch eine Chance."

Trump hatte erklärt, er selbst habe den Angriff auf Radaranlagen und Raketenstellungen im Iran abgeblasen. Das Militär habe mit bis zu 150 Toten im Fall eines Angriffs gerechnet, schrieb Trump auf Twitter. Das sei unverhältnismäßig im Vergleich zum Abschuss eines US-Spionagefliegers durch den Iran.

Hardliner geben Kurs vor

Der US-Präsident steckt in einem Dilemma: Er hat seinen Wählern versprochen, US-Soldaten aus dem Nahen und Mittleren Osten abzuziehen und Kriege zu beenden. In der Iran-Politik ist er allerdings den Hardlinern in seinem Kabinett gefolgt: Sicherheitsberater John Bolton, Außenminister Mike Pompeo und der CIA-Chefin Gina Haspel. 

Sie hätten sich für einen Angriff auf den Iran ausgesprochen, schreibt die "New York Times". Der frühere CIA-Agent Norman Roule erklärt im Radiosender NPR, warum: "Das Ziel eines verhältnismäßigen Militärschlags ist es, eine Debatte innerhalb der iranischen Führung auszulösen, ob deren gegenwärtige Politik jeden Preis wert ist", sagt er. Die USA hätten in der Region enorme militärische Kapazitäten. "Ich betrachte es mit Sorge, dass wir in der Diskussion über den Konflikt mit Iran immer über etwas Druck oder gleich einen kompletten Krieg reden." Wenn US-Besitz oder Truppen von Iran angegriffen werden, sollten die USA umgehend reagieren.

"Unklar, wie die Schlussphase aussehen soll"

Der demokratische Senator Gary Peters kritisiert bei CNN, die Trump-Administration habe keine Strategie im Konflikt mit dem Iran. Und der frühere Verteidigungsminister Leon Panetta sagt im Programm von NBC, die Angriffe des Iran seien eine Botschaft an die internationale Gemeinschaft. "Ich denke, sie versuchen die Weltgemeinschaft zu zwingen, Druck auf die USA auszuüben, damit die Vereinigten Staaten nachlassen." Gleichzeitig versuchten die USA, den Iran zu neuen Verhandlungen zu zwingen. "Aber auf beiden Seiten ist unklar, wie die Schlussphase aussehen soll. Und das macht es noch gefährlicher."

Beinahe alle Experten, Politiker und ehemaligen Minister wie Panetta verlangen neue Gespräche. "Wir brauchen eine diplomatische Strategie, um zumindest mit dem Prozess für Verhandlungen zu beginnen", so Panetta.

Dabei ist die Trump-Administration auf Verbündete in Europa angewiesen. Es sind Verbündete, die sie mit nachgelagerten Wirtschaftssanktionen belegt hat - im Zuge der Konfrontation mit dem Iran. Und noch ist ja auch nicht klar, wer sich letztendlich im Weißen Haus in der Iran-Politik durchsetzen wird.

Reaktionen auf Trumps Rückzieher im Iran-Konflikt
Torsten Teichmann, ARD Washington
21.06.2019 17:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Juni 2019 um 20:00 Uhr.

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