US-Präsident Donald Trump. | Bildquelle: REUTERS

Nach Mueller-Aussage Trump erklärt sich zum Sieger

Stand: 25.07.2019 05:09 Uhr

Fast zwei Jahre lang hat Sonderermittler Mueller Trumps Wahlkampf untersucht. Demokraten setzten viel auf seine Befragung im Kongress. Nun feiert sich der US-Präsident als Sieger.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Eigentlich wollte Donald Trump nur "ein kleines bisschen" von der Anhörung Robert Muellers verfolgen. Doch parallel zur siebenstündigen Anhörung verschickte Trump regelmäßig Twitterbotschaften, die immer zuversichtlicher klangen. Am Abend trat dann ein erleichterter Präsident vor das Weiße Haus:

"Dies war ein sehr großer Tag für unser Land, ein sehr großer Tag für die Republikanische Partei. Und man könnte auch sagen, es war ein großer Tag für mich, aber das sage ich nicht gern." 

Für die Demokraten sei es ein "verheerender Tag" gewesen, freute sich Trump. Statt der erhofften Schützenhilfe durch den Sonderermittler habe dieser bei der Befragung im Repräsentantenhaus einen "schrecklichen Job" gemacht:

"Sowohl heute als auch während der Ermittlungen. Wenn man ins Internet schaut, dann war dies einer der schlechtesten Auftritte in der Geschichte unseres Landes."

Mueller spröde und nervös, fahrig und lustlos

Was war den ganzen Tag über im Kongress passiert? Der hochangesehene ehemalige FBI-Chef, der in zwei Wochen 75 Jahre alt wird, wirkte über weite Strecken der Anhörung nicht nur spröde und nervös, sondern zum Teil auch fahrig und lustlos. Nach Angaben des Senders CNN lehnte er es mehr als 200 Mal ab, die Fragen der Abgeordneten zu beantworten und verwies stattdessen immer wieder auf den knapp 450-seitigen Abschlussbericht.

Hatten die Demokraten gehofft, der von mehreren Sendern live übertragene Auftritt Muellers sei wie ein Film, den deutlich mehr Amerikaner verfolgen als den trockenen Abschlussbericht, wurde schnell deutlich: das Buch war besser als seine Verfilmung. Eine neue Offenbarung Muellers oder gar ein Paukenschlag, der einen Meinungsumschwung hätten auslösen können? Fehlanzeige! Immerhin brachte der demokratische Abgeordnete Jerry Nadler den Sonderermittler dazu, Trump deutlich zu widersprechen:

"Ihr Bericht enthält nicht, dass er die Justiz nicht behindert hat, richtig?" - "Das ist korrekt!" - Und haben Sie den Präsidenten total entlastet? - "Nein!"

Doch dass Trumps häufig wiederholte Behauptung "keine Justizbehinderung und totale Entlastung" falsch ist, das war vorher schon bekannt. Ähnlich vorhersehbar wie Muellers Widerspruch zu Trumps Behauptung, die Russland-Ermittlungen seien eine "Hexenjagd" und ein "Schwindel". Die republikanischen Abgeordneten zeigten sich unbeeindruckt und stellten sich voll hinter ihren Präsidenten. So forderte Devin Nunes: "Es ist Zeit, dass sich endlich der Vorhang vor dem Russland-Schwindel schließt. Die Verschwörungstheorie ist tot!"

Die Demokraten Adam Schiff, Nancy Pelosi, Elijah Cummings und Jerold Nadler (v.l.) bei einer Pressekonferenz nach der Mueller-Aussage. | Bildquelle: AFP
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Bei den Demokraten um die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, klang nach der Befragung Muellers Ernüchterung durch.

Amtsenthebungsverfahren zum jetzigen Zeitpunkt kein Thema

Während US-Präsident Trump am Abend bester Stimmung zu einem Wahlkampfauftritt reiste, bemühte sich die Fraktionsspitze der Demokraten um Zweckoptimismus. Die Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi betonte, ein Amtsenthebungsverfahren sei zum jetzigen Zeitpunkt kein Thema:

"Auf die Fakten und die Gesetze kommt es an. Nicht auf Politik und Parteilichkeit."

Rückenwind klingt anders. Die meisten Kommentatoren waren sich einig, dass ein Impeachment-Verfahren nach Muellers Auftritt im Kongress eher unwahrscheinlicher geworden ist.

Trump feiert Sieg - Reaktionen auf Mueller-Anhörung
Martin Ganslmeier, NDR Washington
25.07.2019 05:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das morgenmagazin am 25. Juli 2019 um 05:38 Uhr.

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