Ein Polizist macht Fotos von einer Garage, in der Motorräder stehen | Bildquelle: SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/REX/Shu

Internationale Polizeiaktion 90 Festnahmen bei Razzia gegen Mafia

Stand: 05.12.2018 17:25 Uhr

Die Ermittler schlugen in mehreren Ländern zu: Etwa 90 mutmaßliche Mafia-Mitglieder wurden festgenommen, Geld und Drogen beschlagnahmt. Auch in Deutschland klickten die Handschellen.

Bei einer internationalen Großrazzia haben Ermittler Dutzende mutmaßliche Mitglieder der italienischen Mafiaorganisation 'Ndrangheta festgenommen. Allein in Deutschland wurden nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) 14 Verdächtige gefasst. Gegen sechs von ihnen lagen demnach Haftbefehle aus Italien, Belgien und den Niederlanden vor.

Internationale Razzien gegen Mafia-Organisation 'Ndrangheta
tagesthemen 22:15 Uhr, 05.12.2018, Jan-Peter Bartels, HR

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Bei den Durchsuchungen wurden laut BKA auch größere Mengen Bargeld und mehrere Fahrzeuge sichergestellt, die möglicherweise für den Drogenschmuggel genutzt wurden. Hunderte Beamte des BKA und der Bundespolizei waren im Einsatz, durchsucht wurden den Angaben zufolge 65 Wohnungen, Restaurants und Büros. Schwerpunkte waren Nordrhein-Westfalen und Bayern, Polizeiaktionen gab es aber auch in Berlin und Thüringen.

Drogenhandel, Geldwäsche, Gewalt

Polizisten verlassen ein Wohnhaus in Pulheim. | Bildquelle: dpa
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Ermittler haben in Deutschland 65 Wohnungen, Restaurants und Büros durchsucht.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln in Deutschland gegen 47 mutmaßliche 'Ndrangheta-Mitglieder. Bei den Verdächtigen handelt es sich laut BKA um italienische und deutsche Staatsangehörige im Alter zwischen 33 und 68 Jahren. Hauptverdächtiger in Nordrhein-Westfalen ist ein 45-Jähriger aus Pulheim bei Köln. Die Ermittler werfen dem Gastwirt und den anderen Verdächtigen vor, mit Kokain gehandelt und Geldwäsche betrieben zu haben. Auch die Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation wird ihnen zur Last gelegt.

Auf die Spur der mutmaßlichen Mafia-Mitglieder kamen die deutschen Ermittler demnach durch den Fund von Kokain in einem präparierten Pferdetransporter. Das Gefährt sei vor zwei Jahren im britischen Fährhafen Harwich sichergestellt worden. Den mutmaßlichen Mafiosi würden bisher mindestens 23 solcher Transporte von jeweils 80 Kilogramm Kokain aus den Niederlanden nach England zur Last gelegt, teilte die Kölner Polizei mit.

90 mutmaßliche Mafiosi gefasst

Die Durchsuchungen waren Teil einer großangelegten Polizeiaktion in mehreren europäischen Staaten, darunter Italien, Belgien und die Niederlande, und im südamerikanischen Surinam. Insgesamt etwa 90 Verdächtige wurden festgenommen. Koordiniert wurde die internationale Operation "Pollino" von der europäischen Justizbehörde Eurojust in Den Haag. Sie wirft den Verdächtigen Kokainhandel, Geldwäsche, Bestechung und Gewalt vor.

"Heute haben wir eine klare Botschaft an kriminelle Vereinigungen in ganz Europa gesendet", sagte Eurojust-Vizechef Filippo Spiezia. "Sie sind nicht die einzigen, die grenzüberschreitend arbeiten können." Die europäische Polizeibehörde Europol sprach nach dem Einsatz von einem "bedeutenden Schlag gegen eines der mächtigsten kriminellen Netzwerke weltweit". Insgesamt wurden bei den Durchsuchungen laut italienischer Polizei rund vier Tonnen Kokain, 120 Kilogramm Ecstasy und zwei Millionen Euro Bargeld beschlagnahmt.

Weitverzweigte Verbindungen der 'Ndrangheta

Federico Cafiero De Raho | Bildquelle: AP
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Die Großrazzia sei nur ein erster Schritt gewesen, sagte Italiens Anti-Mafia-Staatsanwalt Cafiero De Raho.

Die Verdächtigen in Italien waren demnach vor allem in der Gegend um die Stadt Reggio Calabria aktiv. "Die Einsätze werden das Drogenhändler-Netzwerk auf der ganzen Welt beeinträchtigen", sagte Italiens Anti-Mafia-Staatsanwalt Federico Cafiero De Raho. Er sprach von einem ersten Schritt: "Es müssen Tausende Menschen festgenommen und Milliarden Euro beschlagnahmt werden." In Belgien fanden die Einsätze vor allem in der Gegend um Limburg statt, einer Hochburg italienischer Einwanderer.

In den Niederlanden begannen die Ermittlungen nach Angaben von Staatsanwalt Fred Westerbeke, nachdem bei zwei italienischen Restaurants im Süden des Landes der Verdacht der Geldwäsche aufgekommen war. Dabei seien kriminelle Verbindungen nach Deutschland und Italien entdeckt worden. Durch die weitverzweigten Verbindungen der 'Ndrangheta seien Drogen in die Häfen von Rotterdam (Niederlande) und Antwerpen (Belgien) geschmuggelt und von dort in ganz Europa weiterverkauft worden.

'Ndrangheta - mächtiger Mafia-Clan aus Kalabrien

Die 'Ndrangheta gehört zu den mächtigsten Mafia-Organisationen der Welt und ist längst international über die Grenzen Italiens hinaus aktiv. Beheimatet ist sie in der süditalienischen Region Kalabrien gegenüber der Insel Sizilien.

Die 'Ndrangheta dominiert den internationalen Drogenhandel, verdient ihr Geld aber auch mit Waffenhandel, Geldwäsche und durch Korruption. Experten schätzen, dass die 'Ndrangheta jährlich einen weltweiten Umsatz zwischen 50 und 100 Milliarden Euro macht. Nach Angaben der US-Bundespolizei FBI hat sie etwa 6000 Mitglieder in 160 sogenannten Clans. Diese hängen über Familienbande zusammen.

Die Wurzeln der 'Ndrangheta reichen weit zurück bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Clan soll sich in den 1860er-Jahren gegründet haben, als eine Gruppe Sizilianer von der italienischen Regierung von der Insel verbannt wurde. Die 'Ndrangheta hat auch in Deutschland ein festes Standbein. Clans der Organisation waren etwa für die Mafia-Morde von Duisburg verantwortlich, bei denen 2007 sechs Menschen vor einer Pizzeria erschossen wurden.

Quelle: dpa

Wichtiges Standbein in Deutschland

Italienische Behörden halten die 'Ndrangheta für die einzige Mafiaorganisation, die auf allen Kontinenten präsent ist. Nach Zahlen des BKA vom April dieses Jahres gehörten in Deutschland von insgesamt 585 bekannten Mafiamitgliedern 344 der kalabrischen Organisation an. Auch die Mafia-Morde von Duisburg im Jahr 2007 gehen auf ihr Konto. Dort waren vor einer Pizzeria sechs Menschen erschossen worden. Aktuell geht das BKA von rund 600 Mafia-Mitgliedern in Deutschland aus.

Ermittler in Italien warnen seit langem davor, dass die 'Ndrangheta ein außerordentlich wichtiges Standbein in Deutschland hat. Im Sommer erklärte die nationale Anti-Mafia-Behörde, dass die kalabrische Mafia hier ähnliche Strukturen aufgebaut habe wie in Italien. Der Hamburger Hafen sei für den Drogenhandel von "besonderem Interesse" für die Clans.

Über dieses Thema berichtete am 05. Dezember 2018 Deutschlandfunk um 16:00 Uhr in den Nachrichten und die tagesschau um 17:00 Uhr.

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