Kalidou Koulibaly | Bildquelle: AP

Italienischer Fußball Rassismus, Gewalt, ein Toter

Stand: 27.12.2018 17:12 Uhr

Gewalt und Rassismus im italienischen Fußball. Neapel-Profi Koulibaly wurde aufgrund seiner Hautfarbe beleidigt. Es folgten Ausschreitungen, ein Fan starb später im Krankenhaus.

Ein 35 Jahre alter Fan von Inter Mailand ist nach Ausschreitungen im Umfeld des Spiels seines Clubs und des SSC Neapel im Krankenhaus gestorben. Nach Angaben des Mailänder Polizeichefs Marcello Cardona glauben die Ermittler, der Fan könnte im Zuge der Auseinandersetzungen von einem Auto überfahren worden sein.

Der verstorbene Mailand-Fan gehörte nach Polizeiangaben zu einer Gruppe, die einen Wagen mit Neapel-Anhängern mit Schlägern und Stangen angegriffen hatte. Vier Napoli-Fans wurden dabei verletzt. Die Polizei nahm drei Personen fest.

Freude statt Gewalt

"Man kann nicht sterben, wenn man ins Stadion geht, um ein Fußballspiel zu sehen", sagte Innenminister Matteo Salvini. Er wolle nun Vertreter und Fans aller Clubs der beiden höchsten Spielklassen zusammenrufen, um sicherzustellen, dass "der Fußball dazu zurückkehrt, ein Moment der Freude und nicht der Gewalt zu sein."

Polizeichef Cardona will vorschlagen, dass Inter-Fans für den Rest der Saison keine Auswärtsspiele mehr besuchen dürfen und ihr Sektor im heimischen Meazza-Stadion bis zum 31. März gesperrt wird.

Beleidigung durch Affengebrüll

Bei dem Match am Mittwochabend hatten Fans von Inter Mailand mehrmals das Brüllen von Affen nachgeahmt, um den Neapel-Profi Kalidou Koulibaly zu verhöhnen. Der dunkelhäutige Verteidiger wurde rund zehn Minuten vor Spielende nach zwei Gelben Karten hintereinander vom Platz verwiesen.

Die zweite Karte hatte er erhalten, weil er dem Schiedsrichter nach der ersten sarkastisch applaudierte. Zu dem Zeitpunkt stand es Unentschieden, das Match endete mit einer Niederlage für Neapel.

Profi Koulibaly beklagte nach seinem Platzverweis die anhaltenden rassistischen Beleidigungen durch das Publikum. "Ich entschuldige mich für die Niederlage und vor allem dafür, dass ich meine Brüder im Stich gelassen habe", twitterte er. "Aber ich bin stolz auf meine Hautfarbe, darauf, dass ich ein Senegalese bin, ein Franzose, Neapolitaner: ein Mensch."

Reaktionen von Fußballstars

Superstar Cristiano Ronaldo von Juventus Turin postete daraufhin bei Instagram: "Nein zu Rassismus und zu jeder Straftat und Diskriminierung."

Der frühere Bundesliga-Profi Kevin-Prince Boateng schrieb in den sozialen Medien unter dem Hashtag #NoAlRazzismo: "Ich bin, Sie sind, wir sind alle Koulibaly."

"Einfach gereizt!"

Neapels Trainer Carlo Ancelotti zeigte sich ebenfalls höchst verärgert. Aus seiner Sicht hätten die Beleidigungen schließlich dazu geführt, dass Koulibaly in der 81. Minute vom Platz gestellt wurde. Er hatte nach einer Gelben Karte dem Schiedsrichter applaudiert. "Koulibaly war einfach gereizt", sagte Ancelotti.

Der frühere Bayern-Coach erklärte, er habe die Unparteiischen während des Spiels mehrmals aufgefordert, die Partie wegen der Beleidigungen zu unterbrechen. "Es gab zwar einige Durchsagen, aber das war nicht genug. Sie (die Fans) haben einfach weitergemacht", sagte Ancelotti nach dem Spiel.

Carlo Ancelotti | Bildquelle: AP
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Ex-Bayern-Trainer Ancelotti: "Das nächste Mal hören wir einfach auf zu spielen, auch wenn wir dadurch verlieren."

Verband reagiert

Mittlerweile verurteilte die Spruchkammer des italienischen Verbandes Inter Mailand zu zwei Heimspielen vor leeren Rängen. In einer weiteren Partie muss die Fankurve im Giuseppe-Meazza-Stadion leer bleiben, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtete.

Verbandspräsident Gabriele Gravina sagte, dass die Ereignisse innerhalb und außerhalb des Stadions "nicht länger zu tolerieren" seien und dass er die Regeln vereinfachen wolle. Das neue Regelwerk solle erlauben, ein Spiel abzubrechen.

Stadt Mailand entschuldigt sich

Inzwischen entschuldigte sich Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala im Namen seiner Stadt für die rassistischen Beleidigungen. Das Affengebrüll, mit dem einige Inter-Fans den Verteidiger der gegnerischen Mannschaft bedacht hätten, sei eine "Schande", erklärte der Bürgermeister auf Facebook. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 27. Dezember 2018 um 20:00 Uhr.

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