Der Inter-Spieler Romelu Lukaku | Bildquelle: AFP

Italienischer Fußball Rassismus-Vorwürfe gegen Sportzeitung

Stand: 05.12.2019 21:47 Uhr

Mit einer Titelseite hat eine Sportzeitung die Rassismus-Debatte im italienischen Fußball neu entfacht: Inter-Stürmer Lukaku und Roma-Verteidiger Smalling wurden unter der Überschrift "Black Friday" gezeigt.

Die beiden dunkelhäutigen Fußballer Romelu Lukaku und Chris Smalling links und rechts, zwischen ihnen in Versalien die Schlagzeile "Black Friday": Mit dieser Titelseite hat die italienische Tageszeitung "Corriere dello Sport" vor dem Spitzenspiel der Serie A zwischen Tabellenführer Inter Mailand und dem AS Rom heftige Rassismusvorwürfe hervorgerufen.

Beide Spieler kritisierten die Titelseite scharf. Inter-Stürmer Lukaku schrieb bei Instagram von der "dümmsten Überschrift, die ich in meiner Karriere je gesehen habe. Ihr Typen befeuert das Negative und das Thema Rassismus." Roma-Verteidiger Smalling twitterte, das Titelblatt der Zeitung sei "falsch und höchst taktlos".

Der "Corriere dello Sport" hob zwar hervor, dass die beiden Spieler vor ihren Wechseln nach Italien in dieser Saison bei Manchester United zusammengespielt haben: Sie schätzten sich sehr und hätten sich immer entschieden gegen Rassismus im Fußball engagiert. Dennoch war die Empörung groß, nicht nur bei den betroffenen Vereinen.

Chefredakteur verteidigt Überschrift

Inters Stadtrivale AC Mailand schrieb bei Twitter: "Diese Oberflächlichkeit und Ignoranz gegenüber Rassismus sind absolut nicht mehr hinnehmbar." Milan und Roma teilten in einer gemeinsamen Erklärung darüber hinaus mit, Reportern des "Corriere dello Sport" bis zum Ende des Kalenderjahres den Zutritt zu ihren Vereingelände zu verwehren. "Als Italiener schäme ich mich, so eine Überschrift zu lesen", sagte Lukakus Manager Federico Pastorello bei "Sky Sports". Die Antirassismus-Organisation Fare schrieb auf Twitter: "Die Medien nähren den Rassismus jeden Tag."

Als Reaktion auf die Kritik veröffentlichte der Chefredakteur des "Corriere dello Sport" ein Statement. Der Ausdruck "Black Friday" sei "eine Lobpreisung auf das Anderssein, der Stolz des Andersseins, der großartige Reichtum des Andersseins", schrieb Ivan Zazzaroni. Eine "unschuldige Überschrift" werde "von jenen vergiftet, die Gift in sich haben".

Rassismus-Problem im italienischen Fußball

Der Begriff "Black Friday" ("Schwarzer Freitag") stammt aus den USA und kennzeichnet den Startschuss für die Weihnachtseinkäufe. In dem ursprünglichen Artikel, dem selbst Kritiker zugute halten, dass er eigentlich antirassistische Botschaften enthalte, schrieb der "Corriere": "Angesichts der Idioten, die 'buu' rufen, müssen wir morgen alle 'oooh' rufen (wie die Kinder). Es wird ein großer 'Black Friday' gespielt, aber es sind keine Saisonschlussrabatte - wenn, dann eher Stücke eines Meistertitels, die die ganze Saison halten."

Der italienische Fußball hat seit Jahren ein Rassismus-Problem, immer wieder kommt es zu Vorfällen und Sprechchören auf den Tribünen. Neben dem Belgier Lukaku ist der frühere italienische Nationalspieler Mario Balotelli (Brescia Calcio) häufige Zielscheibe der Attacken. Erst in dieser Woche hatte die Zeitung "La Repubblica" einen Audio-Mitschnitt veröffentlicht, auf dem Serie-A-Direktor Luigi De Siervo während einer Besprechung zu hören war. Er schlug vor, die Mikrofone im Stadion abzuschalten, damit die Affenlaute nicht im Fernsehen zu hören wären.

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