Cyril Ramaphosa | Bildquelle: AFP

Cyril Ramaphosa Kronprinz mit befleckter weißer Weste

Stand: 17.12.2017 15:44 Uhr

Vize-Präsident Cyril Ramaphosa gilt als Kämpfer. Wegen seines Verhandlungsgeschicks wollte Mandela ihn zu seinem Nachfolger machen. Heute ist er Vizepräsident und verspricht, gegen Korruption zu kämpfen - aber er ist Teil des Systems.

Von Jan-Philippe Schlüter, ARD-Studio Johannesburg

"Sollten wir angesichts von Korruption und Vetternwirtschaft stillhalten?", fragte Vize-Präsident Cyril Ramaphosa sein Publikum rhetorisch bei einem seiner Wahlkampfauftritte. "Nein! Das dürfen wir nicht. Und ich werde nie schweigen. Unser Haus brennt!"

Schluss mit der Korruption im ANC und im Staat: Das ist Ramaphosas zentrale Botschaft.

Der 65-Jährige war seit seiner Studentenzeit ein engagierter Kämpfer gegen die Apartheid. Deshalb musste er mehrmals Gefängnisstrafen verbüßen. Er war ein hochrangiger Gewerkschafter und begründete den mächtigen südafrikanischen Gewerkschaftsbund COSATU mit.

Architekt der Verfassung

Nach dem Ende der Apartheid war er der Chef-Unterhändler des ANC. Bei den Verhandlungen zur neuen Verfassung Südafrikas habe er sein Meisterstück abgeliefert, sagt der Journalist Ray Hartley, der gerade ein Buch über Ramaphosa veröffentlicht hat.

"Er ist der Architekt wesentlicher Teile dieser wunderbar fortschrittlichen Verfassung. Die Tatsache, dass wir diesen umfassenden Katalog an Grundrechten haben, haben wir größtenteils seiner Kunstfertigkeit zu verdanken", erläutert er.

Ramaphosa gilt als versierter Verhandlungsführer und Stratege. Das fiel in den 1990er-Jahren auch Nelson Mandela auf, der ihn daraufhin zu seinem Nachfolger machen wollte. Aber der ANC widersetzte sich Mandelas Wunsch und kürte stattdessen Thabo Mbeki zum neuen Parteivorsitzenden.

Cyril Ramaphosa | Bildquelle: AP
galerie

Vize-Präsident Cyril Ramaphosa hat sich mittlerweile deutlich von Präsident Jacob Zuma distanziert.

"Als Aufsichtsrat beging er schweren Fehler"

Tief gekränkt verließ Ramaphosa die Politik und wurde Unternehmer. Mit einem geschätzten Vermögen von einer halben Milliarde Euro ist er heute einer der reichsten Männer Südafrikas. Als Aufsichtsrat des Platinkonzerns Lonmin beging Ramaphosa den wohl schwersten Fehler seiner Laufbahn, sagt sein Biograph Ray Hartley.

Als ehemaliger Chef der Bergarbeiter-Gewerkschaft und Aufsichtsrat von Lonmin sei er in der einmaligen Position gewesen, die Geschehnisse nach dem Streik in der Platinmine Marikana zu beeinflussen. Jedoch, so Hartley, habe er zu lange gezögert, bis er eingriff. "Er hat nicht die Ärmel hochgekrempelt und sich an Verhandlungen beteiligt, die die Krise friedlich hätten lösen können. Das wird ihn noch lange verfolgen."

Proteste von Lonmin-Arbeitern arteten in das "Massaker von Marikana" aus, bei dem 34 Bergleute im Kugelhagel der Polizei starben.

Seit Jahren Teil der Zuma-Regierung

Vor fünf Jahren erfolgte das politische Comeback Ramaphosas: Als Teil des Teams von Präsident Jacob Zuma wurde er zum stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt. Wenig später wurde er Vize-Präsident Südafrikas.

In seiner Kampagne präsentiert er sich jetzt als der Retter der Seele des ANC, der mit Korruption und Vetternwirtschaft aufräumen will. Allerdings ist er seit mehr als drei Jahren Teil der Zuma-Regierung - und damit Teil des Problems, sagt Ray Hartley.

"Als Ramaphosa 2012 in die Politik zurückgekehrt ist, um Vize-Präsident des ANC zu werden, hatte er wohl schon den Plan, der nächste Präsident Südafrikas werden zu wollen. Er wollte alles dafür tun, um den nötigen Rückhalt in der Partei zu bekommen. Dafür musste er viele Schultern im ANC klopfen, denn aus der Reihe tanzen kommt in der Partei gar nicht gut an. Leider ist seine Nähe zu Zuma in der breiten Öffentlichkeit nicht gut aufgenommen worden."

Zumas Anhänger versuchen, Ramaphosa zu verhindern

Mittlerweile hat sich Ramaphosa deutlich von Zuma distanziert. Dessen Camp revanchiert sich mit einem schmutzigen Wahlkampf und versucht mit allen Mitteln, Ramaphosa als Präsidenten zu verhindern.

Dabei ist Ray Hartley überzeugt, dass Cyril Ramaphosa der Präsident sein könnte, den Südafrika jetzt dringend benötigt.

"Vor allem wenn er sich auf seine Vergangenheit besinnt, auf sein Können als Stratege und Vermittler", meint Hartley. "Die Politik in Südafrika ist total entzweit. Ich denke, er würde Koordination, Organisation und Disziplin in die Sache bringen. Und das brauchen wir unbedingt!"

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Dezember 2017 um 17:00 Uhr.

Darstellung: