Carola Rackete, Kapitänin der Sea-Watch 3, beim anlegen in Lampedusa. | Bildquelle: REUTERS

Sea-Watch-Kapitänin Rackete kommt wieder frei

Stand: 03.07.2019 09:02 Uhr

Die Kapitänin der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch, Rackete, kommt wieder frei. Ein italienischer Ermittlungsrichter hob den Hausarrest gegen die 31-Jährige auf. Innenminister Salvini will sie ausweisen.

Ein Gericht in Sizilien hat den gegen die deutsche Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete verhängten Hausarrest aufgehoben. Das berichtet unter anderem die Nachrichtenagentur Ansa. Es seien keine weiteren freiheitsentziehenden Maßnahmen angeordnet worden.

Italienische Justizbehörden hatten den Arrest gegen Rackete angeordnet, weil sie mit dem Schiff "Sea-Watch 3" und 41 Flüchtlingen an Bord ohne Genehmigung im Hafen von Lampedusa angelegt hatte.

Die Staatsanwaltschaft Sizilien leitete daraufhin Ermittlungen wegen des Verdachts der Unterstützung von Menschenhändlern ein. Italien lässt nur Schiffe mit Flüchtlingen anlegen, wenn es Länder gibt, die diese aufnehmen.

Italiens Innenminister Matteo Salvini erklärte nach der jetzigen Gerichtsentscheidung, Rackete solle wegen Gefährdung der nationalen Sicherheit des Landes verwiesen werden.

Die Situation der "Sea-Watch" Kapitänin Rackete
tagesschau 20:00 Uhr, 02.07.2019, Katja Rieth, ARD Rom

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Vergeblich auf Erlaubnis zum Anlegen gewartet

Die deutsche Organisation Sea-Watch hatte nach der Rettung von insgesamt 53 Geflüchteten vor der libyschen Küste am 12. Juni mehr als zwei Wochen auf dem Meer vergeblich auf eine Erlaubnis für Racketes Schiff gewartet, in Italien anlegen zu dürfen.

Rackete rechtfertigte ihre Entscheidung, das Anlegen zu erzwingen, mit der verzweifelten Lage an Bord und der Sorge, dass Migranten über Bord in den Tod springen könnten. Die Staatsanwaltschaft sah eine solche Notlage nicht, auch weil 13 Migranten das Schiff unter anderem aus gesundheitlichen Gründen schon früher verlassen konnten.

Kommentar: Isabel Schayani, WDR, zur Seenotrettung vor Lampedusa
02.07.2019

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EGMR lehnte Eilantrag von Kapitänin ab

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte wenige Tage vor dem unerlaubten Einlaufen der "Sea-Watch 3" in den Hafen von Lampedusa einen Eilantrag unter anderem von Rackete abgelehnt, mit dem Schiff in Italien anlegen zu dürfen.

Nach ihrer Festnahme wurden in Deutschland und Italien jede Menge Spenden für Sea-Watch gesammelt - mehr als eine Million Euro kamen unter anderem durch den Aufruf von den Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf zusammen. Damit sollen die Gerichtskosten für Rackete und eventuell ein neues Schiff finanziert werden, erklärte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer.

Die Bundesregierung hatte sich generell gegen eine "Kriminalisierung von Seenotrettern" ausgesprochen, aber von den Helfern auch die Einhaltung geltenden Rechts gefordert.

Über dieses Thema berichteten am 02. Juli 2019 die tagesschau um 20:00 Uhr und die tagesthemen um 22:24 Uhr.

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