Ein Mann posiert mit Hasenohren neben Jeff Koons "Rabbit"-Skulptur fürs Foto. | Bildquelle: AFP

Kunstauktion 90 Millionen für Koons Stahlhasen

Stand: 16.05.2019 18:13 Uhr

Die teuerste Skulptur eines lebenden Künstlers ist eine Mischung aus Playboy-Bunny und Comicfigur: In New York wurde Jeff Koons "Rabbit" zum Rekordpreis versteigert. Der neue Besitzer ist kein Unbekannter.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Kitschige Kunst oder künstlerischer Kitsch? Darüber dürfte die Kunstwelt wohl weiter streiten. "Rabbit", der stählerne Hase von Jeff Koons, ist seit 30 Jahren eher umstritten. Unumstritten aber ist seit neuestem der Titel "teuerstes Kunstwerk eines lebenden Künstlers".

Für 91,1 Millionen Dollar ist das knapp ein Meter große Objekt jetzt vom New Yorker Auktionshaus Christie's versteigert worden. Nie zuvor zahlte ein Käufer mehr für zeitgenössische Kunst. Der neue Besitzer ist übrigens der Vater des amtierenden amerikanischen Finanzministers, der Kunsthändler Robert Mnuchin.

"Rabbit", der luftballonartige Stahlhase, ist die teuerste Skulptur eines lebenden Künstlers. | Bildquelle: AP
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"Rabbit", der luftballonartige Stahlhase, ist die teuerste Skulptur eines lebenden Künstlers.

Urteile von "grauenhaft" bis "fantastisch"

Der Hase: Eine glänzende Stahlskulptur, die aussieht wie ein aufgeblasener Luftballon - wie häufig bei Koons. Eine gesichtslose Mischung aus Playboy-Bunny und Comicfigur. "Guck Dir den Hasen an", sagte der heute 64-jährige Koons einst über das 1986 geschaffene Werk. "Er hat eine Möhre vor dem Maul. Ist es ein Masturbator, ein Politiker, der eine Ankündigung macht, ein Playboy-Hase?" Es sei wohl alles zusammen, so Koons.

Der Kurator des Auktionshaus jedenfalls sagt, "Rabbit" sei eine der prägnantesten Skulpturen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts:

"Es gab große Aufregung um das Werk. Die Urteile reichten von 'grauenhaft' bis 'fantastisch'. Er ist die Antithese zu Michelangelos David. Es ist gewissermaßen der Anti-David."

Koons erobert Preisrekord zurück

Koons hat sich mit dem Verkauf bei Christie's übrigens den Titel als teuerster lebender Künstler wieder zurückgeholt. Im November hatte der Kitschkünstler ihn vorübergehend an den britischen Maler David Hockney verloren, dessen Bild eines Swimmingpools - ebenfalls bei Christie's - für 90,3 Millionen versteigert worden war und Koons' Skulptur "Ballon Dog" vom ersten Platz verdrängte.

Der Kunstmarkt ist also wieder um einen neuen denkwürdigen Rekord reicher. Erst einen Tag zuvor war in New York übrigens ein Gemälde von Claude Monet für 110 Millionen Dollar versteigert worden. Der teuerste Monet aller Zeiten und der höchste Preis, der bisher für das Werk eines Impressionisten gezahlt wurde.

Der Kunstmarkt dieser Tage - er ist ein Geldmarkt.

Geldrekord für Werk des Kitschkünstlers Jeff Koons
Georg Schwarte, ARD New York
16.05.2019 17:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Mai 2019 um 15:00 Uhr.

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