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Kabul unter den Taliban "Frauen erwarten nur Schlechtes"

Stand: 06.09.2021 00:33 Uhr

Mehr Burkas im Straßenbild, Übergriffe der neuen Machthaber: In Afghanistan hat sich seit dem Abzug der Amerikaner viel verändert. Gleichzeitig bemühen sich die Taliban, ihr Image zu verbessern.

Nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan versuchen die Taliban, Vorbehalte aus dem Ausland abzubauen. Wie ARD-Korrespondent Markus Spieker aus Kabul berichtet, haben die Islamisten etwa angekündigt, diejenigen Taliban zu bestrafen, die am Wochenende mit Gewalt gegen Proteste von Frauen gegen das neue Regime vorgegangen waren. Auch seien weiterhin Moderatorinnen im Fernsehen zu sehen, wenngleich mit Kopfbedeckung. Wie glaubwürdig diese "Charmeoffensive" indes sei, ist eine andere Frage. "Mein Eindruck ist, dass man weniger Frauen in der Stadt sieht als vorher. Und mehr Frauen mit Burka", so Spieker. "Alle gebildeten Frauen, mit denen ich mich unterhalten habe, sagen, sie erwarten nur Schlechtes von dem neuen Regime."

Der Grund für die derzeitige relative Zurückhaltung der Taliban sei die Hoffnung auf Unterstützung. "Ohne internationale Anerkennung gibt es kein Geld", so Spieker. Doch das sei derzeit dringend benötigt. Es drohe eine Hungersnot, eventuell ein Bürgerkrieg. Die Aussicht auf finanzielle Unterstützung sei "ein Hauptgrund" für das derzeit noch gemäßigte Auftreten, das auch Medienschaffenden das Arbeiten in Afghanistan ermögliche.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 05. September 2021 um 22:45 Uhr.