Akin Öztürk wird von türkischen Spezialkräften zum Auftakt des Prozesses gebracht (Archivbild von 2017) | Bildquelle: AP

Putschversuch in der Türkei 141 Mal lebenslang für 17 Ex-Militärs

Stand: 20.06.2019 14:13 Uhr

Für die türkische Regierung ist Prediger Gülen Hauptverantwortlicher für den Putschversuch 2016. Auf Platz 2 folgt Ex-Luftwaffenchef Öztürk. Der wurde nun - mit 16 weiteren Militärs - verurteilt: zu 141 Mal lebenslänglich.

Knapp drei Jahre nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei hat ein Gericht 17 frühere Spitzenmilitärs zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Unter ihnen sei auch der Ex-Kommandeur der türkischen Luftwaffe, Akin Öztürk, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Jeder der Angeklagten bekam demnach 141 Mal lebenslänglich.

Die Justiz warf ihnen Anadolu zufolge unter anderem vor, sie hätten versucht, die Regierung zu stürzen. Ferner sei ihnen der Tod von 251 Menschen im Zuge des Putschversuches zur Last gelegt worden.

Der Prozess ist eines von fast 300 Verfahren im Zusammenhang mit dem gescheiterten Umsturzversuch. Justizminister Abdülhamit Gül begrüßte die Urteile und lobte die "Beispielhaftigkeit" der türkischen Justiz. "Der Gerechtigkeit wurde genüge getan", sagte er Journalisten in Ankara. 

Akin Öztürk wird von türkischen Spezialkräften zum Auftakt des Prozesses gebracht (Archivbild von 2017) | Bildquelle: AP
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Dieses Bild vom Sommer 2017 zeigt, wie Spezialkräfte Öztürk zum Prozess bringen. Der Ex-Luftwaffenkommandeur gilt aus Sicht der Erdogan-Regierung als einer der Hauptverantwortlichen für den Putschversuch.

Öztürk soll Soldaten koordiniert haben

Die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan macht für den Putsch vom 15. Juli 2016 den islamischen Prediger Fethullah Gülen verantwortlich. Öztürk war nach ihm der zweite Hauptverdächtige. Er soll einem Gremium vorgestanden haben, das die beteiligten Soldaten in jener Nacht koordiniert haben soll.

Gülen lebt seit 1999 im US-Exil. Er bestreitet die Vorwürfe. Der Fall Gülens und zwölf weiterer abwesender Angeklagter wurde vom Richter vom restlichen Prozess abgekoppelt.

Viele Verhaftungen

Außer 251 Toten gab es damals offiziellen Zahlen zufolge mehr als 2000 Verletzte. Der Prozess hatte 2017 im Sincan-Gefängnis von Ankara begonnen, und er war mit 224 Angeklagten einer der größten im Zusammenhang mit dem Putschversuch.

Seitdem wurden fast 290 Gerichtsverfahren in Gang gesetzt, von denen laut Justizministerium bisher 261 zu 3239 Verurteilungen führten. Zehntausende Menschen wurden aus dem Staatsdienst entlassen - darunter Tausende Richter und Staatsanwälte. Viele von ihnen haben dagegen beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) geklagt. Nach Erdogans Angaben sitzen zurzeit mehr als 30.000 mutmaßliche Gülen-Anhänger in türkischen Gefängnissen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Juni 2019 um 20:00 Uhr.

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