Vladimir Putin | Bildquelle: AP

Putin-Pressekonferenz Bloß keine kritischen Nachfragen

Stand: 20.12.2018 01:29 Uhr

Die jährliche Pressekonferenz Wladimir Putins gleicht eher einem Hofhalten als einer echten Pressekonferenz. Trotzdem ist sie ein Seismograph dafür, welche Themen das Land gerade bewegen.

Von Christine Auerbach, ARD-Studio Moskau

Die große Pressekonferenz Wladimir Putins hat ihre eigenen Rituale und ihre eigenen Superlative. Im vergangenen Jahr waren 35 Tonnen Ausrüstung zusammengeschraubt worden - daran hatten über 400 Personen gearbeitet. Zwölf Kameras und 14 Mikrofone sorgten für eine reibungslose Live-Übertragung.

Die Pressekonferenz ist eine Mammutveranstaltung, die gerne mal bis zu vier Stunden dauert. Das Staatsfernsehen überträgt live, im Internet wird die Pressekonferenz in verschiedene Sprachen simultan gedolmetscht.

1702 Journalisten sind akkreditiert

Dieses Jahr haben sich 1702 Journalisten akkreditiert - das sind noch einmal mehr als im vergangenen Jahr. Meist kommen weniger als 100 von ihnen dran, um ihre Frage zu stellen. Es ist ein Kampf ums Mikrofon.

Um in der Masse aufzufallen, recken die Journalisten während der Pressekonferenz Schilder in die Höhe mit ihrer Fragen oder dem Namen ihres Mediums. Putin oder sein Sprecher Dimitri Peskow rufen auf, wen sie wollen.

In diesem Jahr geht es um die russische Wirtschaft

Gefragt wird von Außen- bis Innenpolitik. Dieses Jahr gehe es in vielen der bereits eingereichten Fragen um Putins Visionen für die russische Wirtschaft, sagte Putins Sprecher im Vorfeld und benannte dabei auch klar das Ziel dieser Jahrespressefonferenz: "Wir wollen die große Zahl der Medienvertreter nutzen, um die Meinung des Präsidenten, seine Einschätzung zu Problemen und bewegenden Themen zu vermitteln."

Kritische Nachfragen oder einen echten Austausch zwischen Präsident und Journalisten gibt es bei der Pressekonferenz nicht. Die Journalisten sitzen und lauschen, Putin sitzt vorne an einem Schreibtisch und doziert. Gerne minutenlang und auch mal mit einem Witz.

Popularität des Präsidenten sinkt

Im vergangenen Jahr, kurz vor Putins Wiederwahl - die nie in Gefahr stand - kam zum Beispiel die Frage, ob Putin Angst vor Konkurrenz hat. Seine Antwort:

"Konkurrenz muss es natürlich geben und die wird es geben. Doch die Macht darf nicht wie ein Holzfäller aussehen, der lässig und faul in der Nase bohrt und tatenlos zusieht, wie sich der Staat in eine undurchsichtige Dreckpfütze verwandelt, aus der die Oligarchen sich einen Goldfisch angeln."

Seit der Reform der Renten, die Putin diesen Herbst verkündet hat, sinkt die Popularität des Präsidenten allerdings. Nach neuesten Umfragen sehen mehr als 60 Prozent der Russen ihn als Ursache für die Probleme des Landes. Nach Jahren, in denen eigentlich nichts Putins Popularität schaden konnte, deutet dieser Wert darauf hin, dass sein Image zumindest angekratzt ist. Die Pressekonferenz dieses Jahr hat auf jeden Fall schon mal das inoffizielle Motto: "Sozialer Optimismus".

Putins jährliche Pressekonferenz
Christine Auerbach, ARD Moskau
20.12.2018 08:00 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 20. Dezember 2018 Inforadio um 10:05 Uhr, tagesschau24 um 10:15 Uhr in den "Hundert Sekunden" sowie um 11:00 Uhr und NDR Info um 12:08 Uhr.

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