Russlands Präsident Putin wird von ORF-Moderator Wolf interviewt. | Bildquelle: MICHAEL KLIMENTYEV/SPUTNIK/KREML

Putin zu Nordkorea "Wir werden alles für Entspannung tun"

Stand: 04.06.2018 21:57 Uhr

Russlands Präsident Putin fordert von den USA deutliche Schritte des Entgegenkommens, wenn Nordkorea auf weitere Atomtests verzichtet. Im ORF-Interview betonte er, Russland werde alles für eine Entspannung tun.

Im Atomstreit zwischen den USA und Nordkorea pocht Russlands Präsident Wladimir Putin auf ein Entgegenkommen beider Seiten. "Meiner Auffassung nach darf die Aufgabe der Atomwaffen durch Nordkorea keine Einbahnstraße sein", sagte Putin in einem Interview mit dem Österreichischen Rundfunk (ORF).

"Fortsetzung von Manövern kontraproduktiv"

US-Präsident Donald Trump hat eine Lockerung von Wirtschaftssanktionen in Aussicht gestellt, wenn Nordkorea sein Atomwaffenprogramm aufgibt. Nach den Worten des russischen Präsidenten müssten sich beide Seiten bewegen. Wenn der nordkoreanische Machthaber auf weitere Raketen- oder Atomtests verzichte, müsse auch die Gegenseite verständliche, deutliche Schritte des Entgegenkommens setzen. Die Fortsetzung von militärischen Aktivitäten und Manövern sei in diesem Zusammenhang kontraproduktiv, so Putin. Er hoffe sehr, "dass sich die Sache in eine positive Richtung entwickelt".

US-Präsident Donald Trump (r.) und der nordkoreanische Unterhändler Kim Yong Chol. | Bildquelle: AP
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Nach dem Gespräch mit einem nordkoreanischen Unterhändler kündigte Trump an, sich doch mit Kim treffen zu wollen.

Große Hoffnungen setzt der russische Präsident in diesem Zusammenhang auf das persönliche Treffen zwischen Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Denn mit gegenseitigen Vorwürfen sei man schon zu weit gegangen, sagte Putin. Das Treffen zwischen Trump und Kim ist für den 12. Juni in Singapur geplant.

An einer Eskalation der Situation habe vor allem Russland als Nachbar Nordkoreas kein Interesse, sagte das russische Staatsoberhaupt. Die Vorstellung eines atomaren Krieges zwischen den USA und Nordkorea jage ihm Angst ein. "Das Militär-Testgelände, das Nordkorea gerade zerstört, liegt - wenn ich mich richtig erinnere - nur 190 Kilometer von der russischen Grenze entfernt", sagte Putin. Russland werde daher alles für eine Entspannung auf der koreanischen Halbinsel tun. In der vergangenen Woche hatte Russlands Außenminister Nordkorea besucht.

Engere Zusammenarbeit mit der EU

Vorwürfe, wonach die russische Führung mit ihren Kontakten zu nationalistischen und EU-kritischen Parteien die EU destabilisieren wolle, wies der Präsident zurück. "Wir verfolgen nicht das Ziel, etwas oder jemanden in der EU zu spalten", sagte Putin. "Wir müssen im Gegenteil die Kooperation mit der EU ausbauen."

Russland sei an einer geeinten und florierenden EU interessiert, weil sie der wichtigste Handels- und Wirtschaftspartner sei. "Je mehr Probleme es innerhalb der EU gibt, desto größer sind die Risiken und Unsicherheiten für uns", sagte Putin.

Er verteidigte die Zusammenarbeit der Partei "Einiges Russland" mit rechten Parteien wie dem französischen Front National, der deutschen AfD oder der österreichischen FPÖ. Man entscheide über eine politische Zusammenarbeit pragmatisch. Er sei überzeugt, dass "Einiges Russland" - deren Gründer und Vorsitzender Putin lange war - auch mit anderen politischen Kräften gerne Kontakte aufbaut. "Wir versuchen, mit jenen zu kooperieren, die selbst öffentlich den Wunsch äußern, mit uns zusammenzuarbeiten." Nur darin lägen die Gründe für politische Kontakte - "und nicht im Wunsch, etwas in der EU zu destabilisieren oder zu behindern".

Putin besucht am Dienstag Österreich. Vorgesehen ist unter anderem ein Treffen mit Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 05. Juni 2018 um 05:05 Uhr und 06:11 Uhr.

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