Venezuelas Präsident Maduro in Caracas | Bildquelle: AFP

Maduro bei Putin Ein Besuch mit Signalwirkung

Stand: 25.09.2019 08:46 Uhr

Erstmals seit Dezember 2018 besucht Venezuelas Präsident Maduro seinen russischen Amtskollegen Putin. Angesichts der immer schärferen Sanktionen will Maduro die Beziehungen zu seinen Verbündeten in Moskau stärken.

Von Caroline Imlau, ARD Moskau

Es geht um den Machterhalt, aber auch um Öl und viel Geld. Ende vergangenen Jahres konnte Nicolas Maduro Verträge über sechs Milliarden US-Dollar mit nach Hause nehmen. Auch dieses Mal stehen ökonomische Interessen und Treffen mit russischen Unternehmern im Vordergrund.

Seit Monaten liefert sich Maduro einen erbitterten Machtkampf mit dem selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó. Viele Staaten haben Guaidó bereits als rechtmäßigen Staatschef anerkannt und fordern Maduro zum Rücktritt auf. Die USA und die Europäische Union verhängten eine Reihe harter Sanktionen gegen Maduro und sein Umfeld.

Maduro und Putin im Dezember 2018 in Moskau. | Bildquelle: AP
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Maduro und Putin im Dezember 2018 in Moskau.

Ökonomische Interessen

Während die Wirtschaft in Venezuela zusammenbricht, ist Russland neben China der wichtigste Kreditgeber für das südamerikanische Land. Russlands Interesse an Venezuela ist nicht zuletzt auch verbunden mit den Interessen des staatlichen Energieriesen Rosneft. Moskau hat sich ins Ölgeschäft des kriselnden Staates eingekauft und besitzt dort zwei Offshore-Gasfelder. Der staatliche Ölkonzern Rosneft hat dem venezolanischen Ölkonzern PDVSA rund sechs Milliarden Dollar geliehen und in die Ölförderung und -Produktion investiert.

Im März war das Büro der staatlichen venezolanischen Ölfirma PDVSA wegen der Sanktionen der USA und der Europäer von Lissabon nach Moskau verlegt worden.

Zwischen 2005 und 2017 kaufte Caracas russische Rüstungsgüter im Wert von elf Milliarden Dollar - das entspricht rund 9,6 Milliarden Euro. "Doch die wirtschaftlichen Probleme in Venezuela sind zu groß, als dass Russland sie lösen könnte", meint Dimitrij Rosental vom Lateinamerika Institut der Russland Akademie der Wissenschaften. "30 Milliarden jährlich braucht das Maduro-Regime nach Schätzungen, dazu reichen die russischen Ressourcen nicht. Das Wesentliche bei dem Besuch ist das politische Signal: Maduro versucht zu zeigen, dass Putin ihn unterstützt."

Militärisches Abkommen

Am Rande der UN-Generaldebatte in New York aktivierten die USA und mehrere südamerikanische Länder ein regionales Militärbündnis und erhöhten damit den Druck auf Maduro. Der Interamerikanische Vertrag über gegenseitigen Beistand (Tiar) sichert allen Mitgliedern Beistand im Verteidigungsfall zu. Die USA hatte den Vertrag Mitte September als Reaktion auf Truppenbewegungen der venezolanischen Armee entlang der Grenze zu Kolumbien geltend gemacht. Daraufhin warnte die venezolanische Regierung vor einer Einmischung und erklärte die Verteidigungsbereitschaft.

Eine militärische Krise erwartet Politikexperte Rosental dennoch nicht. "Es geht dabei eher darum, den politischen Druck auf Maduro zu erhöhen - nicht den militärischen."

Für den Kreml ist es ein reiner Arbeitsbesuch

Der Kreml betonte vorab, bei dem Treffen der beiden Präsidenten gehe es um einen reinen Arbeitsbesuch. Bilaterale Verträge seien nicht zu erwarten. Kreml-Sprecher Dmitri Preskov sagte, es werde einen "Austausch über Themen der Ibero-Amerikanischen Region einschließlich der ausländischen Einmischungen in die regionalen Angelegenheiten" geben.

Präsident Putin hatte immer wieder betont, die Sanktionen gegen Venezuela würden vor allem den einfachen Menschen im Land schaden. Die Krise in Venezuela müsse von den Venezolanern selbst gelöst werden.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 30. Januar 2019 um 19:30 Uhr in "Heute im Osten".

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