Wladimir Putin | dpa

Russland Putin ruft Bürger zur Impfung auf

Stand: 30.06.2021 18:04 Uhr

Corona-Pandemie, Schwarzes Meer, Ukraine - und auch über seine Nachfolge sprach Russlands Präsident Putin in der Sendung "Der direkte Draht". Angesichts steigender Corona-Zahlen rief er die Bevölkerung auf, sich impfen zu lassen.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Bürger angesichts der sich verschlechternden Corona-Lage im Land erneut zur Impfung aufgerufen. Es habe immer schon Menschen gegeben, die Impfungen grundsätzlich ablehnten, sagte er in der jährlichen Fernsehsendung "Der direkte Draht", in der Zuschauer dem Präsidenten Fragen stellen dürfen. Solche Impfskeptiker seien zahlreich und das "nicht nur in unserem Land, sondern auch im Ausland". Die Menschen sollten aber nicht "auf Leute hören, die davon nichts verstehen und Gerüchte verbreiten, sondern auf Experten", mahnte er.

Eine landesweite Impfpflicht in Russland lehnte Putin erneut ab. Zugleich verteidigte er die verpflichtenden Impfungen, die in einigen Regionen Russlands für Angestellte in bestimmten Branchen eingeführt wurde. Er sei zuversichtlich, dass dadurch die jüngste Corona-Welle ausgebremst und ein landesweiter Lockdown verhindert werden könne. Ein Lockdown würde bedeuten, dass ganze Unternehmen schließen und Menschen ihre Arbeit verlieren würden, so der Kreml-Chef.

Höchstwert bei Todesfällen

Seit vergangenem Donnerstag meldete Russland jeden Tag mehr als 20.000 bestätigte Corona-Neuinfektionen. Heute registrierte das Land bei den Todesfällen den zweiten Tag in Folge einen neuen Höchststand: Nach 652 Todesopfern am Dienstag wurden nun 669 Tote binnen 24 Stunden gemeldet.

Die Regierung führt den Anstieg der Zahlen auf den laxen Umgang der Russen mit den Corona-Vorschriften, die geringe Impfbereitschaft und die Verbreitung von Virusvarianten wie der zuerst in Indien festgestellten Delta-Variante zurück. 18 russische Regionen - von Moskau über St. Petersburg bis zum abgelegenen Sachalin - verhängten eine Impfpflicht für Angestellte im Einzelhandel und im Dienstleistungsgewerbe, in Gesundheitsberufen sowie für Lehrerinnen und Lehrer.

Angaben zu eigener Impfung

Mehr als drei Monate nach seiner eigenen Impfung lüftete der Kreml-Chef nun auch das Geheimnis um das ihm verabreichte Vakzin. Er sollte erklären, warum er sich nicht öffentlich habe impfen lassen und nicht gesagt habe, womit. "Ich wurde wirklich gebeten, nicht zu sagen, mit welchem Impfstoff ich geimpft bin, um keinem Impfstoff einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen", sagte Putin dazu. Er habe sich mit dem russischen Impfstoff Sputnik V impfen lassen. Zugleich behauptete der Kremlchef, dass das Vakzin besser sei als andere Impfstoffe. Die russische Regierung steht im Westen immer wieder in der Kritik, dort entwickelte Vakzine schlecht zu reden.

In Russland, das schon früh einen eigenen Impfstoff hatte, ist die Impfskepsis besonders verbreitet. Laut Putin haben bisher erst rund 23 Millionen der 146 Millionen Russen mindestens eine Dosis erhalten. Im Gegensatz zu westlichen Impfstoffen hat Sputnik V bisher keine Zulassung der Weltgesundheitsorganisation oder der EU. Das Vakzin ist inzwischen in mehr als 60 Ländern zugelassen. Russland selbst erlaubt keine westlichen Impfstoffe.

Vorwürfe an Ukraine, USA und Großbritannien

Im Laufe der mehrstündigen Sendung kamen Fragen aus allen erdenklichen Bereichen zur Sprache, auch um mehrere außenpolitische Konfliktthemen ging es. So warf Putin der Ukraine vor, aus dem westlichen Ausland gesteuert zu werden. "Die Schlüsselfragen der Lebensfähigkeit der Ukraine werden nicht in Kiew, sondern in Washington und teilweise in Berlin und Paris gelöst", sagte er. Das ukrainische Volk verhalte sich gegenüber Russland nicht unfreundlich. "Aber die heutige Führung steht uns eindeutig unfreundlich gegenüber - das ist ganz offensichtlich."

Den USA und Großbritannien warf der Kremlchef eine "Provokation" im Schwarzen Meer vor. Bei dem angeblichen Zwischenfall vergangene Woche sei neben einem britischen Kriegsschiff auch ein US-Aufklärungsflugzeug im Einsatz gewesen, sagte er. Die Amerikaner hätten es wohl darauf abgesehen, zu erfahren, wie die russische Reaktion auf solch ein Eindringen aussehe. Das habe man durchschaut und keine sensiblen Daten preisgegeben. Der Dritte Weltkrieg würde durch solche Aktionen aber nicht ausgelöst, sagte der Kremlchef. Die russische Schwarzmeerflotte hatte nach eigenen Angaben vor einer Woche ein britisches Kriegsschiff, das in die Nähe der Krim gekommen war, mit Warnschüssen und Bombenabwürfen zum Kurswechsel gezwungen.

Putin will Nachfolger empfehlen

Der Kreml-Chef äußerte sich auch zur Frage seiner eigenen Nachfolge. Demnach will er den Zeitpunkt seiner Machtübergabe selbst bestimmen und dann auch einen Nachfolger empfehlen. "Natürlich kommt die Zeit", sagte er. "Und ich hoffe, dass ich sagen kann, dass dieser oder jener Mensch meiner Meinung nach würdig ist, solch ein wunderbares Land wie unsere Heimat Russland zu führen." Er sehe als seine Verantwortung, eine Empfehlung zu geben. Das laufe so in jedem Land der Welt.

Im vergangenen Jahr hatte Putin durch eine Verfassungsänderung den Weg freigemacht, dass er bis 2036 regieren kann. Voraussetzung wäre, dass Putin zu den Wahlen 2024 und 2030 wieder antritt und gewählt wird. Ursprünglich erlaubte die Verfassung nur zwei Amtszeiten hintereinander.

Mit Informationen von Stephan Laack, ARD-Studio Moskau,  zzt. Köln

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. Juni 2021 um 11:28 Uhr.