Wladimir Putin im Kreml | Bildquelle: AP

Putin steht vor Wiederwahl Am Anfang noch freundlich

Stand: 17.03.2018 09:10 Uhr

Noch einmal sechs Jahre: Russlands Präsident Putin steht vor der Wiederwahl. Das Land hat sich unter seiner Herrschaft stark verändert - ebenso wie Putin selbst.

Von Hermann Krause, ARD-Studio Moskau

Seit 18 Jahren ist er an der Macht - der ewige Präsident. Stalin brachte es auf 27 Jahre, Nikita Chruschtschow auf elf Jahre und Leonid Breschnew war 18 Jahre lang im Amt. Wladimir Putin befindet sich also in bester Gesellschaft.

Zum Jahreswechsel 2000 von Boris Jelzin installiert, nachdem dieser in den Jahren zuvor einen Ministerpräsidenten nach dem anderen ausgewechselt hatte, erschien auch Putin zuerst wie ein Übergangskandidat. Schmächtig, fast schüchtern und als gelernter Geheimdienstmann gewohnt, eher in der zweiten Reihe zu stehen, wirkte er zu Beginn seiner ersten Amtszeit eher nicht wie der Herrscher des größten Flächenstaats der Erde.

Der scheidende Präsident Jelzin übergibt sein Amt 1999 kommissarisch an Ministerpräsident Putin. | Bildquelle: AP
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Am 31.12.1999 übergab Präsident Jelzin sein Amt an Ministerpräsident Putin - zur Überraschung fast aller.

Das Versprechen, Terroristen "kalt zu machen"

Das aber änderte sich bald. In Tschetschenien zeigte er erstmals Härte. "Wir werden die Terroristen überall verfolgen. Entschuldigen Sie, aber wenn wir sie auf der Toilette schnappen, dann machen wir sie auch da kalt", erklärte er gegenüber der Presse.

Putin setzte auf Härte. "Vor 50 Jahren hat mir die Leningrader Straße beigebracht: Wenn eine Schlägerei unvermeidbar ist, dann muss man als Erster zuschlagen." Eine Erfahrung, der Putin immer wieder folgte. Im August 2008 führte Russland Krieg gegen die Kaukasusrepublik Georgien. Russische Soldaten stehen mittlerweile in Abchasien, in Südossetien, im abtrünnigen Transnistrien in Moldawien.

Hilfe für Separatisten

Und dass die Separatisten in der Ostukraine militärisch von Russland unterstützt werden, steht außer Frage. Auf einer Pressekonferenz sagte Putin: "Wir haben nie gesagt, dass es dort keine Personen gibt, die sich mit der Lösung verschiedenster Fragen beschäftigen - auch im militärischen Bereich. Doch dies bedeutet nicht, dass dort reguläre russische Truppen präsent sind. Spüren Sie den Unterschied!"

Ein anderes Mal erklärte er, russische Soldaten könnten vielleicht ihren Urlaub im Donbass verbracht haben. Dies war mehr als nur ein Scherz.

Das Verhältnis zur Ukraine ist auf Dauer geschädigt. Aus den slawischen Brüdern wurden Gegner. Der russische Präsident wird nicht müde, den Umsturz in der Ukraine als widerrechtlichen Putsch zu bezeichnen. Der Westen habe den Majdan zu verantworten.

Vermummte Soldaten ohne Abzeichen auf der Krim im März 2014
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Erst waren es nur Vermummte unbekannter Herkunft. Jahre später räumt Putin ein, dass Russland Soldaten auf die Krim geschickt hatte.

Auf der Welle des Patriotismus

Putin findet immer Schuldige. Aus Angriff macht Putin Verteidigung. Beim Volk kommt dies an. Ein Ereignis aber ließ seine Popularität besonders in die Höhe schnellen: die Annexion der Krim 2014. "Heute ist ein sehr glücklicher, strahlender Festtag. Nach einer langen und anstrengenden Reise kehren die Krim und Sewastopol zurück in den Heimathafen - nach Russland", jubelte ein Sprecher damals.

Der Westen verhängte Sanktionen. Europa ging auf Distanz zu Putin, ebenso die USA. Der russische Präsident wurde aus dem Kreis der G-8-Staaten rausgeschmissen. Der Westen versuchte Russland zu isolieren. Als Folge wandte sich Russland China zu, neue Allianzen entstanden. Seine Politik aber änderte Putin nicht.

Verblichene Hoffnungen

Dabei hatte alles 2001 noch sehr hoffnungsvoll begonnen. Der junge russische Präsident durfte damals im Bundestag sprechen. "Im Sicherheitsbereich haben wir in den vergangenen Jahren viel gemacht", sagte er vor den Abgeordneten. "Das Sicherheitssystem, welches wir in den vergangenen Jahrzehnten geschaffen haben, wurde verbessert. Russland ist ein freundliches, europäisches Land."

In dieser, seiner ersten Amtszeit war Putin noch westlich orientiert. Als dann 2003 der Unternehmer und Oligarch Michail Chodorkowski verhaftet wurde, war der "Honeymoon" zwischen Europa und Russland schnell vorbei. In der zweiten Präsidentschaft baute Putin ab 2004 seine Macht aus. Als er dann 2008 den Platz mit Dmitri Medwedjew tauschte und zum dritten Mal 2012 zurückkam, war im Westen niemand begeistert.

Michail Chodorkowski vor Beginn der Urteilsverkündung am 27. Dezember in Moskau
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Seine Verhaftung markierte einen Wendepunkt - national und international: Michail Chodorkowski

Feinde ringsum

Das Credo seiner jetzigen Politik lautet: Russland ist von Feinden umgeben. Und wenn Putin vom starken Russland spricht, dann meint er damit militärische Stärke.

Der neue Patriotismus prägt die Innen- und auch die Außenpolitik. Betrachtet man die vergangenen 18 Jahre, muss man sagen: Russland hat sich gewaltig geändert. Aber dieser Präsident ebenfalls.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. März 2018 um 10:00 Uhr.

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