Carles Puigdemont | Bildquelle: AFP

Ein Jahr nach Festnahme Puigdemont will ein Comeback

Stand: 25.03.2019 19:03 Uhr

Vor einem Jahr löste Puigdemonts Festnahme in Deutschland ein juristisches Hickhack mit Spanien aus. Nun versucht der katalanische Separatistenführer von Belgien aus, bei der Europawahl mitzumischen.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

Vor einem Jahr war er noch der Aufmacher in der Tagesschau. Heute richten sich nur noch selten die Fernsehkameras auf Carles Puigdemont - zuletzt am 12. Februar in Berlin.

Es ist der Tag, an dem seinen Mitstreitern in Madrid der Prozess gemacht wird. Zwölf Separatistenführer müssen sich wegen des illegalen Referendums in Katalonien verantworten. Ihnen drohen lange Haftstrafen. Puigdemont ist nicht unter ihnen.

"Ich glaube nicht an Märtyrer"

Ende 2017 hatte er sich auf der Flucht vor der spanischen Justiz nach Belgien abgesetzt. Es folgte ein langes juristisches Hickhack. Spanien forderte zeitweise von Deutschland, Puigdemont auszuliefern. Der Ermittlungsrichter in Madrid zog den Antrag dann aber später aus juristischen Gründen zurück. 

In seiner Heimat besteht dagegen weiterhin ein Haftbefehl gegen Puigdemont. Er denkt aber nicht daran, sich der spanischen Justiz zu stellen: "Wenn ich im Gefängnis wäre, könnte ich jetzt hier nicht im Studio sitzen", rechtfertigte sich Puigdemont im belgischen Fernsehen. "Ich glaube nicht an Märtyrer, sondern an Demokratie und Gewaltenteilung." Beides sei in Spanien nicht gegeben, behauptet Puigdemont.

Das Verfahren in Madrid ist für ihn ein Schauprozess. Der Politiker kann ihn aus sicherer Distanz verfolgen: In Waterloo in der der Nähe von Brüssel hat sich der 56-Jährige ein Haus gemietet.

Gekommen, um zu bleiben

Puigdemont ist gekommen, um zu bleiben. Notgedrungen. Er weiß, dass er Gefahr läuft, in der Ferne politisch vergessen zu werden. Daher rückt er sich immer wieder ins Rampenlicht und mischt auch weiter in der katalanischen Politik mit.

Quim Torra, sein Nachfolger als Regionalpräsident, versteht sich als Vertreter Puigdemonts. In Berlin sagte Torra im vergangenen Mai: "Ich bin hier, um dem legitimen Präsidenten von Katalonien, Carles Puigdemont meine Loyalität und Dankbarkeit auszudrücken. Wir werden nie von unserem Ziel ablassen, Präsident Puigdemont erneut zum Regierungschef zu ernennen und ihn zurück im Regierungspalast zu haben."

Kataloniens neuer Regionalpräsident Torra spricht bei der Vereidigungszeremonie seines Kabinetts | Bildquelle: TONI ALBIR/EPA-EFE/REX/Shutterst
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Kataloniens neuer Regionalpräsident Torra spricht bei der Vereidigungszeremonie seines Kabinetts im Sommer 2018.

Das klingt nach ungeteilter Unterstützung in Katalonien. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Besonders die gemäßigteren Separatisten stören sich daran, dass der Hardliner Puigdemont immer noch so viel Einfluss hat.

In der Stadt Girona dagegen stehen viele weiter hinter ihm. Dort war Puigdemont bis vor drei Jahren noch Bürgermeister. Kaum jemand scheint es ihm hier übel zu nehmen, dass er sich ins Ausland abgesetzt hat. "So haben wir es geschafft, dass die Welt über die Lage in Katalonien spricht", sagt etwa der Rentner Luis. "Europa hört jetzt zumindest, was hier passiert. Bisher hat uns Europa nur die kalte Schulter gezeigt."

In Brüssel stößt er meist auf taube Ohren

In seiner Wahlheimat Brüssel stößt Puigdemont allerdings meist auf taube Ohren. Vor kurzem sagte das Europaparlament eine geplante Veranstaltung mit ihm ab. Wegen Sicherheitsbedenken, hieß es. Die Empörung unter seinen Anhängern war groß.

Ins Parlament will er jetzt auf andere Weise: Puigdemont will sich bei den kommenden Europawahlen als Abgeordneter aufstellen lassen und das Thema Katalonien wieder ins Zentrum der Debatte rücken.

Ob er das schaffen wird, ist allerdings fraglich: Um formell seine Kandidatur einzureichen, müsste er persönlich in Madrid erscheinen - doch statt im Europaparlament würde er dann wohl letztlich im Gefängnis sitzen.

Was macht eigentlich? - Carles Puigdemont
Marc Dugge, ARD Madrid
24.03.2019 22:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. März 2019 um 05:41 Uhr.

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