Massenproteste in Puerto Rico. | Bildquelle: AP

Puerto Rico Massenproteste gegen Gouverneur

Stand: 23.07.2019 04:01 Uhr

Die Wirtschaft lahmt, der Wiederaufbau nach Hurrikan "Maria" auch - und nun kamen auch noch vulgäre Chats der Regierung ans Licht: Vielen Puertoricanern reicht es. Zehntausende fordern den Rücktritt des Gouverneurs.

Mit wehenden Flaggen, singend und auf Töpfe und Pfannen schlagend haben Zehntausende Puertoricaner den Rücktritt ihres Gouverneurs Ricardo Rosselló gefordert. Der Demonstrationszug, der eine Autobahn blockierte, schien der größte in beinahe zwei Jahrzehnten zu sein.

"Endlich hat die Regierung ihre Maske fallen lassen", sagte Jannice Rivera, eine 43-jährige Maschinenbauingenieurin, die in Houston lebt, aber in Puerto Rico geboren wurde, dort aufwuchs und für die Demo einflog. Am 13. Juli waren rund 900 Seiten umfassende Nachrichten aus der Messenger-App Telegram an die Öffentlichkeit gelangt, die der Gouverneur, elf seiner Vertrauten sowie Mitglieder seiner Regierung ausgetauscht hatten. Die Männer äußerten sich in Chats abfällig über mehrere Frauen, eine Betroffene wird eine "Hure" genannt. Rosselló mokiert sich unter anderem über einen schwer übergewichtigen Mann, mit dem er einmal für ein Foto posiert hatte.

Chats von Regierungsmitgliedern erhöhen den Druck

Zielscheibe des Spotts werden auch Opfer des Hurrikans "Maria", der 2017 auf der Insel zahlreiche Menschen in den Tod riss und schwere Verwüstungen anrichtete. Am Sonntag hatte Rosselló erklärt, er werde zwar nicht zurücktreten, sich aber auch nicht erneut zur Wahl stellen. Nach dem Bekanntwerden der Nachrichten entlädt sich bei den Demonstrierenden jedoch lange aufgestaute Wut über Korruption und Missmanagement durch die beiden größten politischen Parteien des US-Territoriums, eine schwerwiegende Schuldenkrise, eine kränkelnde Wirtschaft und eine nur langsame Erholung nach dem Wirbelsturm "Maria", der in Puerto Rico im September 2017 großen Schaden angerichtet hatte.

Luftaufnahmen zeigen das Ausmaß der Proteste. | Bildquelle: REUTERS
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Luftaufnahmen zeigen das Ausmaß der Proteste.

"Die Leute sind nach so vielen Unverschämtheiten aufgewacht", sagte die 69-jährige ehemalige Krankenschwester Benedicta Villegas. "Es gibt immer noch Leute ohne Dach und Autobahnen ohne Licht. Der Chat war die Spitze des Eisbergs". Rosselló sagte in einem Interview mit dem Sender Fox News am Montag, er werde nicht zurücktreten und konzentriere sich auf den Kampf gegen die Korruption und die Erholung von "Maria". "Ich leiste Schadenersatz", sagte er. "Ich habe mich entschuldigt für all die Kommentare, die ich in dem Chat gemacht habe."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Juli 2019 um 05:30 Uhr.

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