Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen der österreichischen Regierung | dpa

Corona-Lage in Österreich Protest gegen Lockdown und Impfpflicht

Stand: 20.11.2021 19:18 Uhr

Zehntausende Menschen haben in Wien gegen die Corona-Maßnahmen der österreichischen Regierung protestiert. Am Montag geht das Land in den Lockdown. Kanzler Schallenberg bat die Geimpften für die drastische Maßnahme um Entschuldigung.

In Österreich haben Zehntausende Menschen gegen die geplanten Corona-Maßnahmen protestiert. Ein großer Protestzug legte weite Teile des Verkehrs in der Wiener Innenstadt lahm. Die Polizei bezeichnete die Stimmung als aufgeheizt. Vereinzelt wurden Rauchbomben und Feuerwerkskörper gezündet und auf die Einsatzkräfte geworfen. Auch Flaschen und Dosen flogen. Bis zum Nachmittag wurden etwa zehn Personen festgenommen. Etwa 1300 Beamte waren im Einsatz.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, unter ihnen auch Rechtsextreme, kritisierten den von Montag an geltenden Lockdown sowie die ab 2022 geltende Corona-Impflicht als Zwangsmaßnahmen. Immer wieder skandierten die Demonstranten "Freiheit", hielten Plakate mit der Aufschrift "Volksaufstand Jetzt" hoch. Der Regierung wurden Lügen vorgeworfen. Sie diene nicht mehr dem österreichischen Volk. Viele Teilnehmer trugen keine FFP2-Masken und verstießen damit gegen die Auflagen.

Veranstalter ist rechtspopulistische FPÖ

Zur größten Protestveranstaltung hatte die rechtspopulistische FPÖ aufgerufen. Deren selbst an Corona erkrankter Chef Herbert Kickl meldete sich mit einer Videobotschaft zu Wort. Darin rief er zu einem möglichst breiten Widerstand auf. Schon zuvor hatte er die Strategie der Regierung scharf kritisiert und von einer "Diktatur" in Österreich gesprochen.

Lockdown ab Montag

Angesichts des starken Anstiegs der Corona-Infektionen in Österreich hatte die Regierung am Freitag drastische Maßnahmen angekündigt: Am Montag tritt ein neuer landesweiter Lockdown in Kraft, der auch für Geimpfte gilt und bis zu 20 Tage dauern soll.

Zudem wird eine Impfpflicht eingeführt, bis zum 1. Februar muss jeder vollständig gegen das Coronavirus geimpft sein. Österreich ist das erste Land in Europa, das angesichts der jüngsten Corona-Welle derart harte Maßnahmen ergreift. Mit derzeit 65 Prozent weist Österreich eine der niedrigsten Impfquoten der westlichen EU-Länder auf. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt aktuell bei 1050.

Bundespräsident verteidigt Impfpflicht

Bundespräsident Alexander Van der Bellen warnte am Freitag vor einer Spaltung der Gesellschaft. "Die Gefahr ist groß, dass die Gräben jetzt noch tiefer werden. Aber das dürfen wir nicht zulassen", sagte er in einer Fernsehansprache. Die Reaktionen sollten nicht von Wut, Schmerz und Ärger beherrscht sein, sondern von der Einsicht, dass nur Ausgangsbeschränkungen die massive vierte Corona-Welle brechen könnten. Das Staatsoberhaupt verteidigte ausdrücklich auch die von der Regierung angekündigte Impfpflicht. Die Bürger hätten Rechte, aber auch Pflichten. Dazu gehöre die Pflicht, die Gemeinschaft zu schützen, sagte Van der Bellen.

"Zumutung" für Geimpfte

Bundeskanzler Alexander Schallenberg bat im ORF die Geimpften um Entschuldigung für den Lockdown: "Es tut mir leid, diesen einschneidenden Schritt zu setzen", sagte er und bezog sich auf jene, "die alles richtig gemacht haben, die sich geimpft haben, die Maske tragen, die auf Distanz achten und die zur Auffrischung gegangen sind". Das sei eine "Zumutung", so Schallenberg.

Mit Informationen von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. November 2021 um 16:50 Uhr.

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Moderation 20.11.2021 • 18:15 Uhr

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