Demonstranten in Bangkok | AP

Demonstration in Thailand Tausende protestieren gegen Regierung

Stand: 14.10.2020 16:49 Uhr

Erneut sind in Bangkok zahlreiche Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Regierung zu protestieren. Das Besondere: Auch der König, der meist in Bayern lebt, war vor Ort - seine Wagenkolonne fuhr in der Nähe vorbei.

In der thailändischen Hauptstadt Bangkok haben sich erneut Tausende Menschen zusammengefunden, um gegen die Regierung von Ex-Armeechef Prayut Chan-O-Cha zu protestieren. Die Demokratiebewegung fordert den Rücktritt des Ministerpräsidenten und umfassende Reformen. Dabei geht es auch um die Rolle der Monarchie - ein Thema, das in dem südostasiatischen Land lange ein Tabu war.

Das Besondere bei der Kundgebung: König Maha Vajiralongkorn, der die meiste Zeit in Bayern lebt, ist derzeit selbst in Bangkok. Auf dem Weg zu einer Zeremonie fuhr seine Wagenkolonne in der Nähe des Demokratie-Denkmals vorbei, an dem die Aktivisten sich versammelt hatten. Auch zahlreiche Anhänger des Königshauses säumten dabei die Straßen. Sie trugen gelbe T-Shirts, traditionell die Farbe der thailändischen Monarchie.

Hohe Strafen für Kritik am Königshaus

Der prominente Aktivist Anon Numpa hatte die Demonstranten dazu aufgerufen, ruhig zu bleiben. "Wenn die königliche Wagenkolonne eintrifft, äußern Sie keine Schimpfwörter", warnte er. In Thailand wird Kritik am Königshaus mit drakonischen Strafen geahndet.

Nach Angaben der Behörden waren etwa 14.000 Polizisten im Einsatz. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, lieferten sich Regierungskritiker und -anhänger Auseinandersetzungen, bevor der Protestmarsch losging. Die Polizei versuchte, die Menge zu trennen.

Am Dienstag hatte es landesweit Gedenkfeiern für den vor vier Jahren gestorbenen König Bhumibol gegeben. Der beliebte Monarch wurde - anders als sein Sohn - noch fast gottgleich verehrt. Was ihren aktuellen Regenten betrifft, ist die Bevölkerung gespalten. Viele fordern die Änderung eines strengen Gesetzes zum Schutz der Monarchie: Wer den Regenten beleidigt, riskiert in Thailand bis zu 15 Jahre Haft. Der König hat jedoch auch viele Anhänger.

Mehrere Festnahmen am Vortag

Die Demokratiebewegung in Thailand erhält immer mehr Zulauf. Mit Blick auf die Regierung von Prayut Chan-o-cha fordert sie nicht nur den Entwurf einer neuen Verfassung und Neuwahlen, sondern auch ein Ende der Einschüchterung von Bürgern und politischen Gegnern. "Nieder mit der Diktatur. Es lebe die Demokratie!", sangen Demonstranten, während sie in Richtung Regierungssitz marschierten. Viele hatten im Vorfeld angekündigt, mehrere Tage lang im Zentrum Bangkoks kampieren zu wollen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Oktober 2020 um 13:00 Uhr.