Demonstranten vor dem Militärhauptquartier in Khartum, Sudan. | Bildquelle: AFP

Proteste im Sudan Volksfest hinter Barrikaden

Stand: 11.05.2019 13:29 Uhr

Die Proteste im Sudan gehen auch einen Monat nach dem Sturz von Langzeitdiktator al-Bashir weiter. Die Demonstranten wenden sich gegen den militärischen Übergangsrat. Sie fordern eine Zivilregierung.

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Auch einen Monat nach dem Sturz von Langzeitdiktator Omar al-Bashir sind die Menschen im Sudan nicht zufrieden. Eine spontane Straßenumfrage in der Hauptstadt Khartum ergibt darüber ein klares Bild: "Es gibt noch keine weitreichende Lösung", sagt einer der Passanten. "Wir wollen eine Zivilregierung. Nichts anderes. Aber wir sind optimistisch." Ein weiterer sagt, dreißig Jahre habe die Militärdiktatur gedauert. "Dahin wollen wir nicht zurückkehren." Und ein dritter äußert seine Hoffnung: "So Gott will erreichen wir eine Zivilregierung. Demokratie. Und dann werden wir zufrieden sein."

Bis zur Ernennung einer Zivilregierung sollen die Proteste weitergehen. Die Demonstranten zeigen ihre Unzufriedenheit zum Beispiel mit einem Massen-Sit-in. Es findet sieben Tage die Woche statt, 24 Stunden lang - mit mal mehr mal weniger Zulauf. Während des derzeitigen Ramadans, wenn alle religiösen Muslime tagsüber fasten, kommen die Menschen vor allem nach Einbruch der Dunkelheit zusammen und unterstützen die Dauer-Demonstranten.

Demonstranten vor dem Militärhauptquartier in Khartum, Sudan. | Bildquelle: AFP
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Demonstranten vor dem Militärhauptquartier in Khartum, Sudan. Hinter den Absperrungen entfaltet sich eine volksfestartige Stimmung.

Allabendlich mehrere Konzerte

Das Zentrum des Protests befindet sich in Khartum in der Nähe des Hauptquartiers der sudanesischen Streitkräfte. Demonstranten haben das Areal mit Barrikaden gegen mögliche Angreifer gesichert. Hinter den Absperrungen entfaltet sich eine volksfestartige Stimmung. Allabendlich finden mehrere Konzerte statt.

Immer wieder starten Menschengruppen kleinere Protestmärsche. Die Demonstranten wenden sich lauthals gegen den militärischen Übergangsrat unter General Abdel Fattah al-Burhan, der den Sudan seit dem Sturz al-Bashirs regiert.

Konflikt zwischen Militärrat und Opposition

Burhan beteuert immer wieder, dass nach einer Übergangsphase von vier Jahren freie Wahlen abgehalten werden sollen. Danach werde die Macht an eine Zivilregierung übergehen. Bis dahin aber solle nach Willen der Militärs einer aus ihren Reihen das Staatsoberhaupt stellen.

Die Opposition will das auf gar keinen Fall. Amjad Fared, ein Sprecher des Gewerkschaftsbündnisses SPA, der stärksten der verschiedenen Oppositionsgruppen, sagt: "Die Armee ist dazu da, das Land zu schützen und zu verteidigen. Nicht um es zu beherrschen oder zu regieren."

Verhandlungen stocken

Die Verhandlungen zwischen dem militärischen Übergangsrat und der Opposition stocken. Vor ein paar Tagen hieß es, die Opposition wolle mit einem Generalstreik zum Befreiungsschlag ausholen. Fared bestätigt das im Gespräch mit der ARD. "Alle Waffen der Massenbewegung sind auf dem Tisch. Wir haben die Möglichkeit, das zu machen", sagt der SPA-Sprecher. "Noch verhandeln wir. Doch die Verzögerungstaktik des Militärrates bringt die Situation in eine kritische Phase."

Der Vorwurf lautet, dass der militärische Übergangsrat die Verhandlungen verschleppe. Er klammere sich an die Macht. Die Demonstranten wollen dagegen weiter protestieren - mit ihrem Sit-in und vielen Konzerten.

Einen Monat nach dem Sturz von Diktator al-Bashir gehen die Proteste weiter
Björn Blaschke, ARD Kairo
11.05.2019 12:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Mai 2019 um 12:20 Uhr.

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