Menschen protestieren mit Schildern in der Stadt Chabarowsk | Bildquelle: REUTERS

Gouverneur in U-Haft Erneute Proteste im Osten Russlands

Stand: 01.08.2020 11:24 Uhr

Im Osten Russlands haben wieder mehrere Tausend Menschen gegen die Absetzung von Gouverneur Furgal protestiert. Ihr Unmut richtet sich gegen den Kreml - dort hofft man, dass sich die Lage bald beruhigt.

Tausende Menschen sind am vierten Samstag in Folge im äußersten Osten Russlands für den inhaftierten Ex-Gouverneur von Chabarowsk, Sergej Furgal, auf die Straße gegangen. An den Protesten beteiligten sich lokalen Medien zufolge bei teils strömendem Regen aber deutlich weniger Menschen als an den Wochenenden zuvor. Die Behörden sprachen von 3500 Demonstranten.

Furgal in Untersuchungshaft

Sie hätten friedlich die Freilassung von Furgal gefordert, der in Moskau in Untersuchungshaft sitzt. In der Stadt Chabarowsk nahe der Pazifikküste trugen viele Menschen wie in den Wochen zuvor Transparente mit Porträts des inhaftierten Politikers. Sie riefen "Ich/wir sind Sergej Furgal!", "Furgal ist unsere Wahl!" und "Freiheit". Der Unmut der Demonstranten richtet sich auch gegen Präsident Wladimir Putin, der den Gouverneur offiziell entlassen hatte.

Es war Tag 22 der Proteste. Demonstrationen sind in Russland wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht erlaubt. Berichte über Festnahmen gab es zunächst nicht. Am Freitagabend seien zwei junge Demonstranten nach einer Kundgebung in Polizeigewahrsam gekommen, berichtete der Radiosender Echo Moskwy. "Wir haben keine Angst vor Festnahmen, wenn unsere Zukunft auf dem Spiel steht", sagte eine Frau der lokalen Nachrichtenseite DVHab.ru.

Furgal hat viel Rückhalt in der Bevölkerung

Die Proteste rund 6000 Kilometer östlich der Hauptstadt richten sich auch gegen eine politische Bevormundung aus Moskau. Die Menschen halten das Vorgehen der Justiz gegen Furgal für politisch motiviert. Der Politiker der Liberaldemokratischen Partei Russlands (LDPR) hatte sich bei der Wahl vor zwei Jahren gegen den Kandidaten der Kremlpartei durchgesetzt. Furgal gilt als beliebt in der Region.

Ein Foto der russischen Ermittlungsbehörden zeigt die Festnahme von Chabarowsks Gouverneur Sergej Furgal. | Bildquelle: INVESTIGATIVE COMMITTEE HANDOUT
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Ein Foto der russischen Ermittlungsbehörden zeigt die Festnahme von Chabarowsks Gouverneur Sergej Furgal.

Die Ermittler werfen Furgal vor, er habe als Geschäftsmann vor 15 Jahren zwei Morde in Auftrag gegeben. In einem weiteren Fall sei es bei versuchtem Mord geblieben. Der 50-Jährige bestritt die Vorwürfe. Der Kreml hat Michail Degtjarjow übergangsweise als Gouverneur eingesetzt und hofft, dass die Proteste damit abebben.

Degtjarjow ist ein Parteifreund Furgals. "Wenn die Region und die regionale Leitung wieder wie gewohnt arbeiten, wird sich die Situation beruhigen. Wir hoffen es", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow vor wenigen Tagen. Man beobachte die Lage weiter.

Proteste erfahren viel Zuspruch

Einer neuer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Lewada zufolge sieht knapp die Hälfte der Russen die Kundgebungen im Osten des Landes positiv. 83 Prozent der Befragten hätten davon bereits gehört, ermittelten die Demoskopen. 29 Prozent schlossen nicht aus, sich auch ähnlichen Protesten in der eigenen Region anzuschließen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. August 2020 um 11:00 Uhr.

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