Ein Demonstrant steht an einer Barrikade aus Bambusstangen während eines Protestes in Hongkong. | Bildquelle: dpa

Regierungskritische Proteste "Hongkong stirbt, aber wir machen weiter"

Stand: 24.08.2019 10:42 Uhr

Die regierungskritischen Proteste in Hongkong reißen nicht ab. Erneut haben die Demonstranten den Flughafen im Visier, ins Gebäude selbst dürfen sie nach einem Gerichtsbeschluss allerdings nicht.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai, zzt. Hongkong

Der Flughafen von Hongkong ist der entscheidende Verkehrsknotenpunkt der autonom regierten Stadt. Ihn teilweise lahmzulegen oder zumindest die Abläufe zu stören - das ist auch heute eines der Ziele der Anti-Regierungs-Gegner. Sie wollen unter anderem Zufahrtswege blockieren. Die Flughafen-Gebäude besetzen, so wie vor knapp 14 Tagen, dürfen die Demonstranten allerdings nicht. Ein Hongkonger Gericht hatte das ausdrücklich untersagt.

Bislang läuft der Flughafenbetrieb normal, bei den Protesten kam es aber erneut zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die Teilnehmer vor, mehrere Demonstranten wurden festgenommen.

Menschenkette quer durch die Stadt

Am Abend hatten die Protestierenden eine rund 40 Kilometer lange Menschenkette quer durch Hongkong gebildet: Vom mit Hochhäusern gesäumten Zentrum Hongkongs über Einkaufsstraßen und Wohngebiete bis auf den knapp 500 Meter hohen Berg "Lion Rock" zog sich die Menschenkette.

"Statt mit der Polizei aneinanderzugeraten, halten wir uns einfach an den Händen," sagt sein Teilnehmer. "Das ist unser etwas anderes Zeichen des Protests gegenüber der Regierung und dem Rest der Welt."

Nach Angaben der Organisatoren machten 135.000 Hongkonger mit. Vorbild für die Aktion war eine als "Baltischer Weg" bekannt gewordene Menschenkette, mit der die Bürger Litauens, Lettlands und Estlands vor 30 Jahren gegen die kommunistische Führung der Sowjetunion protestierten.

Frustration über Regierung und Polizei

Die Massendemonstrationen in Hongkong dauern nun seit rund zweieinhalb Monaten. Die Proteste haben inzwischen weite Teile der Bevölkerung erfasst. Die Demonstranten sind frustriert über den stetig wachsenden Einfluss von Chinas Staats- und Parteiführung auf die autonom regierte Stadt.

"Ich bin überzeugt, dass in den nächsten Jahren viele Hongkonger auswandern werden", sagt ein Teilnehmer der Menschenkette. "Hongkong ist nicht mehr das, was es mal war. Die Stadt ist gestorben." Trotzdem will er nicht aufgeben: "Wir zeigen, dass wir Kraft haben und zusammenstehen. Wir sind Hongkonger. Wir machen weiter."

Regierung lehnt Zugeständnisse ab

Die Demonstranten fordern demokratische Reformen in Hongkong, die verbindliche und formelle Rücknahme des umstrittenen China-Auslieferungsgesetzes und eine Kommission, die das viel kritisierte Vorgehen der Hongkonger Polizei der vergangenen Wochen aufklärt.

Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam lehnt Zugeständnisse weiter ab. Chinas Staats- und Parteiführung in Peking bezeichnet die Hongkonger Proteste pauschal als Unruhen. Die Demonstranten stellt sie als Gewalttäter, Randalierer und Terroristen dar, die die Einheit des chinesischen Staates zerstören wollten. Peking startete inzwischen eine weltweite Medien- und Propaganda-Kampagne gegen die Hongkonger Massenproteste.

Proteste gehen weiter: 40 Kilometer lange Menschenkette durch Hongkong
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
24.08.2019 10:12 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 24. August 2019 um 11:33 Uhr.

Darstellung: