Eine Band spielt auf dem Wagen bei Protesten gegen Frankreichs Präsidenten in Paris. | Bildquelle: AFP

Demo in Paris Junger, bunter Protest gegen Macron

Stand: 05.05.2018 17:58 Uhr

Knapp ein Jahr nach der Amtseinführung von Frankreichs Präsidenten Macron sind in Paris Zehntausende auf die Straße gegangen. Ihre Kritik: Macron mache Politik für Reiche.

Von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

"Wir schmeißen eine Party für den Präsidenten", lautete das Motto der Demonstration. Organisiert vom extremlinken Abgeordneten François Ruffin, der für die Partei Unbeugsames Frankreich in der Nationalversammlung sitzt. Ruffin hatte sich als Regisseur des kapitalismuskritischen Dokumentarfilms "merci patron" einen Namen gemacht. Vor allem bei den Aktivisten von "Nuit debout" ist er sehr beliebt. Die Protestbewegung hatte 2016 gegen Reformen des damaligen Präsidenten François Hollande demonstriert.

Die Stimmung auf der heutigen Demo war friedlich, fast spielerisch. Wie auf der Loveparade gab es mehrere Wagen, von denen aus die Teilnehmer beschallt wurden. Durch die sonnigen Straßen von Paris marschierten hauptsächlich Linksalternative des Unbeugsamen Frankreichs: Sehr viele junge Menschen, sehr viele Familien mit Kindern.

Demonstranten in Paris gehen gegen Präsident Macron auf die Straße. | Bildquelle: AFP
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"Stop Macron": Die Demonstranten prangern an, dass der Präsident Politik nur für Reiche mache.

Unmut gegen Macron wächst

Viele trugen Schilder mit "Stop Macron". Denn die Party für den Präsidenten ist nicht nett gemeint. Anlässlich des ersten Jahrestags der Wahl Emmanuel Macrons sehen viele nur einen Weg, ihren Unmut über seine Politik loszuwerden: indem sie auf die Straße gehen. "Was hat er beschlossen? Dass die Entscheidung, den Anteil am Atomstrom zu halbieren, rückgängig gemacht wird", hieß es auf der Demo.

Geschützt von 2000 Sicherheitskräften marschierten 40.000 Teilnehmer, darunter Studierende, die die Studienreform ablehnen, medizinisches Personal und viele, die im öffentlichen Dienst arbeiten. Sie werfen Macron einen Sozialstaats-Streich vor. Das Hauptargument gegen den Präsidenten lautet jedoch: Er mache Politik für Reiche, ja Superreiche. Das hatte jüngst sogar Macrons Amtsvorgänger Hollande gestichelt.

Die Anhänger des Unbeugsamen Frankreich befürchten, Macron, den sie als "Président des Riches", Präsident der Reichen, schmähen, wolle Frankreich um jeden Preis privatisieren und den Sozialstaat zerschlagen, unter anderem mit seiner Eisenbahnreform. Die nächste Demo der Macron-Gegner ist auch schon geplant. Am 26. Mai wollen dann auch die Gewerkschaften mit dem Unbeugsamen Frankreich gemeinsam in einem "großen Marsch" auf die Straße gehen.

"Party für Macron" - schon wieder Demo gegen die Reformen
Barbara Kostolnik, ARD Paris
05.05.2018 16:56 Uhr

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