Palästinensische Demonstranten fliehen am Gaza-Grenzzaun vor Tränengas | Bildquelle: AFP

"Eine-Million-Marsch" Zehntausende protestieren gegen Israel

Stand: 30.03.2019 16:36 Uhr

Bei Ausschreitungen am Grenzzaun zwischen Gazastreifen und Israel ist mindestens ein Palästinenser getötet worden. Zehntausende Menschen beteiligen sich am "Eine-Million-Marsch" zum Jahrestag der Grenzproteste.

Rund 30.000 Palästinenser haben sich nach Angaben des israelischen Militärs zu einer geplanten Großdemonstration an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel versammelt. Am Rande kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums des Gazastreifens töteten israelische Soldaten dabei am Morgen einen 17-jährigen Palästinenser östlich von Gaza-Stadt in der Nähe des Grenzzauns. Er sei von Geschosssplittern am Kopf getroffen worden. Darüber hinaus seien viele Menschen verletzt worden. Die Angaben schwanken zwischen 46 und 207 Verletzten.

Eskalation erwartet

Dem israelischen Militär zufolge hatten Palästinenser in der Nacht Steine und Sprengsätze auf den Zaun geworfen und Reifen in Brand gesetzt. Im Tagesverlauf sei mit weiteren Ausschreitungen zu rechnen. Die Armee sei auf eine Eskalation vorbereitet.

Dutzende Freiwillige in Neonwesten wollen die Demonstranten auf Abstand zum Grenzzaun halten. Rettungswagen wurden vor Kliniken gefahren, die Polizei überwachte Lager, die weit vom Zaun entfernt errichtet wurden.

Palästinensische Demonstranten vor dem Grenzzaun | Bildquelle: REUTERS
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Die israelische Armee setzte Tränengas gegen Demonstranten ein.

Wöchentliche Proteste gegen Blockade des Gaza-Streifens

Dieses Wochenende jährt sich der wöchentliche Protest nahe dem Grenzzaun zum ersten Mal. Zu diesem Anlass hatte das Nationalkomitee des "Marsches der Rückkehr" zu einem "Eine-Million-Marsch" aufgerufen. Wegen eines Generalstreiks blieben außerdem Geschäfte im Gazastreifen geschlossen.

Die Proteste sollen die Blockade des Gazastreifens durch Israel und Ägypten beenden. Die Hamas übernahm nach kurzer Zeit die Führung der Demonstrationen. Die Märsche an der Grenze endeten regelmäßig in Auseinandersetzungen. Einige palästinensische Demonstranten verbrannten Reifen und warfen Brandbomben. Israelische Soldaten schossen scharf und setzten Tränengas ein.

Viele Opfer bei Demonstrationen am Grenzzaun

Nach Angaben einer Aktivistengruppe im Gazastreifen und einer Zählung der Nachrichtenagentur AP wurden im vergangenen Jahr 196 Palästinenser bei den Demonstrationen getötet, darunter 41 Minderjährige. Tausende wurden durch Schüsse verletzt. Ein Mitglied des israelischen Militärs wurde ebenfalls im Zusammenhang mit den Protesten getötet.

Palästinenser gedenken am 30. März, dem "Tag des Bodens", Landenteignungen und sechs israelischer Araber, die am 30. März 1976 in dem Ort Sachnin von der israelischen Polizei getötet worden waren. Sie hatten gegen die Beschlagnahmung arabischen Bodens protestiert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. März 2019 um 12:55 Uhr.

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