Großdemonstration im russischen Chabarowsk | Bildquelle: AP

Großdemo in Chabarowsk Tausende fordern Freilassung von Furgal

Stand: 18.07.2020 12:52 Uhr

Im ostrussischen Chabarowsk dauern die kreml-kritischen Proteste gegen die Festnahme eines Provinzpolitikers an. Ihm soll in Moskau der Prozess gemacht werden. Seine Anhänger halten ihn für unschuldig.

In der ostrussischen Stadt Chabarowsk haben erneut Zehntausende Menschen in einer Anti-Kreml-Kundgebung gegen die Festnahme des Provinzgouverneurs Sergej Furgal demonstriert. Die Demonstranten forderten Furgals Freilassung sowie einen "fairen Prozess" vor Ort in Chabarowsk statt in Moskau. "Er ist unser Gouverneur! Und wir werden ihn verteidigen", skandierten die Demonstranten. 

Die Nachrichtenwebseite DVHab.ru nannte die Zahl von 15.000 bis 30.000 Teilnehmern. Die Kundgebung war von den Behörden nicht genehmigt worden, die Polizei löste sie jedoch nicht auf. Bereits am vergangenen Wochenende hatten Zehntausende Menschen gegen Furgals Festnahme protestiert.

Der Provinzgouverneur war am 9. Juli in Untersuchungshaft genommen worden. Ihm wird vorgeworfen, vor 15 Jahren mehrere Morde an Geschäftsleuten in Auftrag gegeben zu haben. Der 50-jährige Provinzgouverneur, der der ultra-rechten Liberaldemokratischen Partei LDPR angehört, weist die Vorwürfe zurück. Er muss nun mindestens zwei Monate in Moskau in Untersuchungshaft bleiben.

Furgal hatte bei den Gouverneurswahlen 2018 fast 70 Prozent der Stimmen in der Region Chabarowsk geholt und den Kandidaten der Regierungspartei "Geeintes Russland" von Präsident Wladimir Putin geschlagen. Kritiker halten den Vorwurf gegen Furgal deshalb für politisch motiviert und sehen darin den Versuch des Kreml, ihn kaltzustellen.

Behörden reagieren nervös

In der Provinzhauptstadt Chabarowsk im fernen Osten Russlands, mehr als 6000 Kilometer von der Hauptstadt Moskau entfernt und nahe der chinesischen Grenze, wohnen mehr als 600.000 Menschen. Die Massenproteste gelten als ungewöhnlich für die Region. Die Behörden reagieren nervös: Der Bürgermeister appellierte an die Bürger, wegen Corona zu Hause zu bleiben. Zudem warnte der Inlandsgeheimdienst FSB vor angeblicher Terrorgefahr. Er habe bereits einen Anschlag vereitelt. Ein Mann habe demnach geplant, Sprengsätze an vielbesuchten Orten in Chabarowsk zu zünden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Juli 2020 um 12:54 Uhr.

Darstellung: