Feuerwehrleute löschen einen brennenden Bus | Bildquelle: AP

Proteste wegen Fahrpreiserhöhung Ausnahmezustand in Santiago de Chile

Stand: 19.10.2019 07:32 Uhr

Weil die Ticketpreise bei der U-Bahn erhöht wurden, sind in Chiles Hauptstadt Santiago schwere Unruhen ausgebrochen. Demonstranten attackierten Haltestellen und Verkaufsschalter. Präsident Piñera rief den Ausnahmezustand aus.

Nach schweren Ausschreitungen in Santiago hat Chiles Staatschef Sebastián Piñera den Ausnahmezustand über die Stadt verhängt. Darüber hinaus habe er das Militär beauftragt, für Sicherheit zu sorgen, erklärte Piñera. Im chilenischen Fernsehen sprach er von "ernsten und wiederholten Angriffen" auf die U-Bahn in der chilenischen Hauptstadt.

In verschiedenen Stadtteilen errichteten Demonstranten Barrikaden, es gab Zusammenstöße mit der Polizei. Diese setzte Wasserwerfer und Tränengas ein.

Ein U-Bahn-Ticketschalter steht in Flammen | Bildquelle: REUTERS
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In mehreren Stationen legten die Demonstranten Feuer.

Preiserhöhung um vier Cent

Die ersten Proteste waren vor knapp einer Woche mit Inkrafttreten der Fahrpreiserhöhung von 800 auf 830 Pesos ausgebrochen - umgerechnet eine Erhöhung von vier Euro-Cent. Im Januar hatte es bereits eine Preiserhöhung um 20 Pesos gegeben.

Zunächst wurden Hunderte Schüler und Studenten mit Sprüngen über die Drehkreuze zu Schwarzfahrern. Später gab es Angriffe auf U-Bahn-Stationen. Nach Angaben der Metroverwaltung wurden alle 164 Stationen in der Stadt attackiert. Die Schäden belaufen sich den Angaben zufolge auf umgerechnet 630.000 Euro.

Metronetz bleibt übers Wochenende geschlossen

Die Metro stellte daraufhin am Freitagabend den gesamten U-Bahnverkehr auf dem etwa 140 Kilometer langen Streckennetz ein. Die Betreibergesellschaft teilte auf Twitter mit, es könne "nicht ein Minimum an Sicherheit für Passagiere und Mitarbeiter gewährleistet werden". Die Sperrung soll das ganze Wochenende dauern.

Das U-Bahn-Netz in Santiago gilt als das größte und modernste in Südamerika. Piñera bezeichnete die Demonstranten als Straftäter. "Dieser Drang, alles kaputt zu machen, ist kein Protest, das ist kriminell", sagte der Präsident in einem Radio-Interview.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Oktober 2019 um 08:00 Uhr.

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