Ungarische Salami wird im Januar 2017 in einer Halle auf dem Messegelände in Berlin während eines Pressetermines präsentiert | Bildquelle: dpa

Ein Produkt, zwei Qualitäten Im Osten ist weniger Fleisch drin

Stand: 27.02.2017 13:47 Uhr

Weniger Fleisch in der Wurst, weniger Kakao in der Schokolade, weniger Eiweiß in Milchprodukten: Lebensmittelkonzerne liefern ihre Markenprodukte in deutlich schlechterer Qualität nach Osteuropa als auf die heimischen Märkte. Das haben aktuelle Labortests ergeben.

Von Stefan Heinlein, ARD-Studio Prag

Ladislav ist wütend. Den Wocheneinkauf für die Familie hat er soeben hinter sich gebracht. Viele slowakische Erzeugnisse liegen in seinem Einkaufswagen, aber auch Markenprodukte internationaler Lebensmittelkonzerne. Seit er weiß, dass die Qualität dieser Waren deutlich schlechter ist als in westlichen Supermärkten, ist er bitter enttäuscht: "Die halten uns doch zum Narren und wollen nur an uns verdienen. Sind wir denn die Müllhalde Europas? Ich fühle mich wirklich wie ein EU-Bürger zweiter Klasse."

Seit wenigen Tagen haben es die slowakischen Bürger schwarz auf weiß. Das Landwirtschaftsministerium veröffentlichte die Ergebnisse einer umfangreichen Testreihe. 22 bekannte internationale Markenprodukte wurden mit den gleichnamigen Waren in der Slowakei verglichen. Weniger Fleisch in der Wurst - dafür mehr Fett und Flüssigkeit. In Milchprodukten weniger Eiweiß, in der Schokolade weniger Kakao stattdessen überall mehr Farb- , Süß- und Konservierungsstoffe.

Ministerpräsident wütend

Ein Skandal, so Ministerpräsident Robert Fico: "Es ist nicht zu tolerieren, dass internationale Konzerne in die osteuropäischen Länder Waren liefern, die qualitativ deutlich schlechter sind als die gleichnamigen Produkte, die in den westeuropäischen Regalen liegen", sagte er.

Robert Fico, Ministerpräsident der Slowakei bei der Ankunft zum letzten EU-Gipfel 2015 in Brüssel.
galerie

Robert Fico, Ministerpräsident der Slowakei, kritisiert die schlechte Qualität der importierten Waren.

Eine Haltung, die auch vom slowakischen Verbraucherschutzverband unterstützt wird. Längst sei die Lebensmittelqualität auch für die meisten Kunden in Ost- und Mitteleuropa wichtiger als der Preis. Die Konzerne treiben bewusst ein falsches Spiel, sagte Verbandschef Milos Lauko. "Die meisten Lebensmittel und Markenprodukte sind in den westlichen Ländern wegen der stärkeren Konkurrenz sogar billiger als bei uns. Das Argument, die Qualität werde wegen der niedrigeren Preise reduziert, ist also falsch."

Forderung nach EU-Sondergipfel

Der Markenskandal sorgt in der Slowakei für fette Schlagzeilen. Regierungschef Fico will deshalb jetzt gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus Tschechien, Ungarn und Polen auf einem Sondergipfel den Druck auf Brüssel erhöhen. "Wir werden von der EU-Kommission verlangen, umgehend diese Praktiken zu verbieten. Unsere Bürger dürfen nicht länger erniedrigt werden", forderte Fico. Es sei seine Pflicht, die Interessen seiner Bürger kompromisslos zu verteidigen. "Es darf keine EU-Bürger erster und zweiter Klasse geben."

Der Verbraucherschutzverband gibt dem geplanten Vorstoß allerdings bereits vorab kaum Chancen auf Erfolg. In der Vergangenheit seien ähnliche Initiativen in Brüssel meist rasch versandet. Der einzig wirksame Weg für Veränderungen sei ein wachsender Druck der Kunden auf die Hersteller. Auf Dauer werde sich das Verbraucherbewusstsein in den jungen Marktwirtschaften in Ost- und Mitteleuropa ähnlich stark entwickeln wie heute bereits im Westen.

Müllhalde der Markenprodukte
Stefan Heinlein, ARD Prag
27.02.2017 16:54 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Februar 2017 um 05:18 Uhr

Darstellung: