Papst Franziskus mit Teilnehmern der Amazonas-Synode im Vatikan | Bildquelle: AFP

Priesterweihe für Verheiratete Roms Bischöfe beugen sich der Realität

Stand: 27.10.2019 08:29 Uhr

Bischöfe empfehlen dem Papst erstmals, Verheiratete als Priester zuzulassen - vor allem aus Not: Denn die Regel soll für eine Region gelten, in der der Priestermangel besonders groß ist.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Studio Rom

Die katholische Kirche will das Priesteramt auch für verheiratete Männer öffnen, aber ganz vorsichtig: nur in Ausnahmefällen, nur in der Amazonas-Region, nur für Familienväter, die bereits als ständige Diakone in der Kirche arbeiten. So steht es im Paragraph 111 des Abschlussdokuments der Amazonas-Synode. Damit beschreitet die Kirche Neuland.

"Die Frage, ob es in Ausnahmefällen auch einen Weg geben kann, in bestimmten Fällen mit der Feier der Eucharistie zu beauftragen - da wird ja ein Vorschlag gemacht, Kriterien zu entwickeln", sagt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, dazu. "Natürlich war das auf der Synode stärker ein Thema, als ich gedacht habe."

Synode nicht einig

Es war auch das umstrittenste Thema der Synode - 41 Bischöfe stimmten dagegen, so viele wie bei keinem anderen Punkt des Abschlussdokuments. Die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit wurde dennoch erreicht. Begründet wird der Vorschlag mit dem Priestermangel, der in Amazonien besonders groß ist. Manchmal dauere es nicht nur Monate, sondern Jahre, bis ein Priester in einer Gemeinde Messen feiern könne, heißt es in dem Text.

Deshalb empfiehlt die Synode, Kriterien festzulegen, damit auch solche Männer zu Priestern geweiht werden können, die eine Familie haben. Voraussetzungen seien eine "angemessene Ausbildung" und die "Anerkennung durch die Gemeinschaft". Nun ist es an Papst Franziskus, ob er diesen Vorschlag aufgreift und in die kirchliche Praxis umsetzt. 

Papst Franziskus trifft Vertreter indigener Völker bei der Amazonas-Synode im Vatikan | Bildquelle: AFP
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Vertreter indigener Völker schilderten dem Papst ihre Lage - nun muss sich zeigen, welche Konsequenzen der Vatikan daraus zieht.

Franziskus will Experten befragen

"Es sind Dinge aufgetaucht, die geändert werden müssen", sagte Franziskus zum Abschluss der Synode. Und er sprach ein weiteres innerkirchlich umstrittenes Thema an. Die Frage, ob auch Frauen zu Diakoninnen oder gar Priesterinnen geweiht werden können: "Ich greife die Aufforderung auf, die Kommission wiedereinzusetzen und mit weiteren Experten zu ergänzen, die erforschen soll, ob es bereits in der Urkirche Diakoninnen gab. Diese Herausforderung nehme ich an."

Die Synode geht in ihrem Abschlussdokument noch weiter: Da im Amazonas-Gebiet der Großteil der Gemeinden ohnehin von Frauen geleitet werde, fordert sie, kirchliche Leitungsämter ganz offiziell für Frauen zu öffnen.

Die deutsche Ordensfrau Birgit Weiler ist Mitarbeiterin der Peruanischen Bischofskonferenz. "Es waren eine ganze Reihe von Bischöfen, die uns darin unterstützt haben", sagt sie. "Ein Bischof hat in seiner eigenen Diözese schon eine Generalvikarin und will damit ein deutliches Zeichen setzen. Und er sagte, wenn wir schon von synodaler Kirche reden, dann heißt das auch, miteinander Entscheidungen fällen."

Die katholische Kirche stellt sich mit dieser Synode eindeutig auf die Seite der indigenen Bevölkerung in der Amazonasregion. In ihrem Anschlussdokument spricht sich die Kirchenversammlung gegen die Abholzung des Regenwaldes aus, gegen die Vertreibung und Ausbeutung der Indigenen. "In Amazonien gibt es jede Form der Ungerechtigkeit: die Zerstörung von Menschen und die Ausbeutung von Menschen auf allen Ebenen. Und die Zerstörung der kulturellen Identität", sagte Papst Franziskus.

Ein gefährliches Engagement

Wer sich für seinen Lebensraum und seine Kultur einsetzt, muss im Amazonasgebiet um sein Leben fürchten. Die Kirche will sich zum Anwalt dieser Menschen machen. Um indigene Kultur und indigenes Leben zu verteidigen, will sie ein sozio-ökologisches Observatorium einrichten, sagt Michael Heinz vom deutschen Lateinamerikahilfswerk Adveniat, "also eine Stelle, wo die Verletzungen sofort angezeigt werden, um sofort zu reagieren. Da ist noch etwas Arbeit notwendig, wie das am Besten und am Schnellsten geht. Da muss und wird die Kirche mehr tun."

Im Abschlussdokument der Synode ist auch eine unbequeme, aber sehr katholische Forderung enthalten. Nötig sei eine "individuelle und gemeinsame Bekehrung", heißt es in dem Text. Die Welt müsse ein Wirtschafts- und Lebensmodell aufgeben, das den Regenwald zerstöre, keinen Wohlstand fördere, sondern einen gewaltigen Naturschatz und seine Hüter gefährde.

Amazonassynode: Priesterweihe auch für verheiratete Männer
Tilmann Kleinjung, ARD Rom
27.10.2019 00:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Oktober 2019 um 07:08 Uhr.

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