Ein Bischof hält während einer katholischen Messe in der Münchner Sankt Paul Kirche ein Kreuz in den Händen | Bildquelle: dpa

Empfehlung der Bischofssynode Priesterweihe Verheirateter - in Ausnahmefällen

Stand: 26.10.2019 22:30 Uhr

Es klingt revolutionär: Bischöfe empfehlen dem Papst, Verheiratete zur Priesterweihe zuzulassen. Doch es geht um einen speziellen Fall - die Amazonasregion, wo der Priestermangel besonders groß ist.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Studio Rom

In der katholischen Kirche sollen auch verheiratete Männer Priester werden können. Das empfiehlt die Bischofssynode in Rom in ihrem Abschlussdokument. Der entsprechende Paragraph wurde am Nachmittag mit der notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit angenommen. Allerdings soll diese Ausnahme nur für die Amazonasregion gelten,wo der Priestermangel besonders groß ist.

Manchmal dauere es nicht nur Monate, sondern Jahre, bis ein Priester in einer Gemeinde Messe feiern könne, heißt es in dem Text. Deshalb empfiehlt die Synode, Kriterien festzulegen, damit auch solche Männer zu Priestern geweiht werden können, die eine Familie haben. Voraussetzungen seien eine "angemessene Ausbildung", die "Anerkennung durch die Gemeinschaft" und dass die Männer bereits zu ständigen Diakonen geweiht wurden, die heute schon verheiratet sein können.

Papst ist am Zug

Nun liegt es an Papst Franziskus, ob er diesen Vorschlag aufgreift und in die kirchliche Praxis umsetzt. In seiner Abschlussansprache kündigte er an, bis zum Jahresende ein nachsynodales Schreiben zu veröffentlichen. "Es sind Dinge aufgetaucht, die geändert werden müssen", sagte der Papst.

Konkreter wurde Franziskus bei der Frage, ob auch Frauen zu Diakoninnen oder gar Priesterinnen geweiht werden können. Er kündigte an, die Kommission wieder einzusetzen, die erforschen soll, ob es bereits in der Urkirche Diakoninnen gab. Die Kommission soll zudem mit weiteren Experten ergänzt werden. "Diese Herausforderung nehme ich an", sagte der Papst unter kräftigem Applaus der Versammlung.

Papst Franziskus trifft im Vatikan auf Mitglieder eines indigenen Volkes. | Bildquelle: dpa
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Papst Franziskus trifft im Vatikan auf Mitglieder eines indigenen Volkes.

Schutz der Amazonasregion im Vordergrund

Die katholische Kirche stellt sich mit dieser Synode eindeutig auf die Seite der indigenen Bevölkerung in der Amazonasregion. In ihrem Anschlussdokument spricht sich die Kirchenversammlung gegen die Abholzung des Regenwaldes aus, gegen die Vertreibung und Ausbeutung der indigenen Völker.

Um deren Rechte zu verteidigen, will die Kirche ein sozio-ökologisches Observatorium einrichten. Außerdem fordert sie internationale Anstrengungen zum Schutz Amazoniens. "Wir fordern eine individuelle und gemeinsame Bekehrung", heißt es in dem Text. Die Welt müsse ein Wirtschafts- und Lebensmodell aufgeben, das den Regenwald zerstöre und keinen Wohlstand fördere, sondern einen gewaltigen Naturschatz und seine Hüter gefährde.

Synode empfiehlt Priesterweihe für verheiratete Männer
Tilmann Kleinjung, ARD Rom
26.10.2019 21:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Oktober 2019 um 02:00 Uhr.

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