Ein Fotoreporter trägt auf einer Demonstration einen Aufnäher mit dem Text "PRESS". (Archivbild: 01.05.2017) | picture alliance/dpa

Reporter ohne Grenzen Mehr Journalisten in Haft denn je

Stand: 16.12.2021 09:53 Uhr

2021 war kein gutes Jahr für die Pressefreiheit: 488 Medienschaffende wurden inhaftiert. Damit ist die Zahl laut der Organisation Reporter ohne Grenzen dramatisch gestiegen - vor allem in Belarus und Myanmar.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat in diesem Jahr weltweit so viele inhaftierte Medienschaffende gezählt wie noch nie zuvor. In ihrer Jahresbilanz der Pressefreiheit spricht sie von einem "außergewöhnlichen Anstieg" um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 428 Männer und 60 Frauen säßen mit Stand zum 1. Dezember im Gefängnis, nur weil sie ihre Arbeit getan hätten. Dazu zählt die Studie Journalisten, Blogger und andere Medienmitarbeiter.

Hauptverantwortlich seien Belarus, Myanmar und China. Die extrem hohe Zahl willkürlich inhaftierter Journalistinnen und Journalisten sei "vor allem das Werk dieser diktatorischen Regime", betonte Katja Gloger, Vorstandssprecherin von Reporter ohne Grenzen. Die Regierungen dieser Länder stünden "dem Wunsch ihrer Bürger nach Demokratie gleichgültig gegenüber", heißt es in der Studie.

China hat die meisten Gefangenen

In Myanmar, wo das Militär am 1. Februar mit einem Putsch die Macht übernommen hatte, sitzen demnach aktuell 53 Journalisten im Gefängnis - vor einem Jahr waren es noch zwei gewesen.

In Belarus, wo Präsident Alexander Lukaschenko im August 2020 seine umstrittene Wiederwahl erreichte, sitzen 32 Journalisten hinter Gittern. Sieben waren es im Vorjahr. Auch Vietnam und Saudi-Arabien zählen zu den Ländern mit den meisten Inhaftierungen.

An der Spitze des Rankings steht China: Hier zählt Reporter ohne Grenzen 127 Inhaftierungen von Pressevertretern. Zur Verschärfung der Lage habe demnach auch die zunehmende Kontrolle Chinas über Hongkong geführt: Dort sei das nationale Sicherheitsgesetz als Vorwand für die Inhaftierung von derzeit mindestens zehn Journalisten genutzt worden. Zuvor sei Hongkong durch seinen Sonderstatus noch ein regionales Vorbild für die Pressefreiheit gewesen.

Hoher Frauenanteil

Der Frauenanteil unter den inhaftierten Medienschaffenden hat sich laut Reporter ohne Grenzen seit 2017 fast verdoppelt. Waren es damals noch rund 6,6 Prozent, sind es inzwischen 12,3 Prozent. Insgesamt seien seit Beginn der Zählung noch nie so viele Frauen wegen journalistischer Arbeit eingesperrt gewesen. Belarus hat demnach sogar mehr weibliche als männliche Medienvertreter in seinen Gefängnissen: 15 Männer und 17 Frauen.

Als einen besonders besorgniserregenden Fall nannte Reporter ohne Grenzen den von Wikileaks-Gründer Julian Assange. Ihm drohen bei einer Auslieferung in die USA bei einer Verurteilung bis zu 175 Jahre Haft.

Fast ein Todesfall pro Woche

Der Bericht führt auch auf, wie viele Journalistinnen und Journalisten derzeit als entführt gelten: Aktuell sind das 65. Die Zahl der bei der Arbeit getöteten Medienschaffenden liege derweil mit 46 so niedrig wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Dennoch komme noch immer durchschnittlich fast ein Journalist oder eine Journalistin pro Woche bei der Arbeit ums Leben. 65 Prozent der getöteten Pressevertreter wurden demnach gezielt ermordet.

Als die gefährlichsten Länder gelten dabei erneut Mexiko und Afghanistan - mit je sieben und sechs getöteten Journalistinnen und Journalisten. Reporter ohne Grenzen veröffentlicht die Jahresbilanz seit 1995.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Dezember 2021 um 09:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
Moderation 16.12.2021 • 14:56 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Liebe User, die Kommentarfunktion für dieses Thema wird nun geschlossen. Danke für Ihre rege Diskussion. Mit freundlichen Grüßen Die Moderation