Diese Wand voller Post-Its haben Demonstranten während der Proteste in Hongkong beklebt. | Bildquelle: REUTERS

50 Jahre "Post-It"-Zettel Eine Idee, die kleben blieb

Stand: 07.03.2020 14:36 Uhr

Was als Misserfolg begann, ist heute weltweit in Büros zu finden und Teil der Popkultur: Dass der "Post-It" genannte Klebe-Notizzettel erfunden wurde, ist einem Kirchenchor zu verdanken.

Von Torben Ostermann, ARD-Studio Washington

Die Geschichte des "Post-It"-Zettels beginnt mit einer Niederlage: Der Chemiker Spencer Silver arbeitete Ende der 1960er-Jahre in einem Labor der Minnesota Mining and Manufacturing Company, kurz 3M. Er war beauftragt worden, eine Art Super-Klebstoff zu erfinden. Besonders klebrig und fest sollte er sein.

Silvers Kleber war all das nicht. Super schwach statt superstark. Sein damaliger Kollege Art Fry erinnert sich: Silver habe ihm von seinem Klebstoff erzählt, aber er konnte sich damals einfach nicht vorstellen, was man damit anfangen könnte.

Am 9. März 1970 reichte Silver seinen Klebstoff beim Patentamt ein. Sicher ist sicher. In wenigen Sätzen steht auf dem Antrag beschrieben, was später ein Welterfolg werden sollte. "Es war ein richtiger Kampf das Patent anzumelden. Die Behörden hatten es abgelehnt, ein internationales Patent einzureichen", erzählt er.

Post-It-Zettel hängen in einem Schreibwarenladen zum Verkauf aus. | Bildquelle: AFP
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"Post-It"-Zettel hängen in einem Schreibwarenladen zum Verkauf aus. Erst verkaufte der Hersteller 3M sie testweise in Idaho, später in den gesamten USA - heute weltweit.

Fry sang damals im Kirchenchor

Jahrelang passierte nichts. Schließlich kam Art Fry 1974 auf die einfache, aber geniale Idee mit den Haftnotizen: "Ich habe damals in einem Kirchenchor gesungen. Ich habe immer die richtigen Stellen in meinen Noten mit kleinen Zetteln markiert. Aber die sind ständig rausgefallen. Und während alle zu singen begannen, habe ich noch gesucht, auf welcher Seite wir gerade sind."

Damit war der "Post-It" erfunden. Zunächst wurden zum Test alle Büros und Schreibwarenläden in einer Stadt in Idaho beliefert. 1980 folgte die landesweite Einführung auf dem US-Markt.

Post-It-Botschaft "Marry me?" in Manhattan
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Anlass zu romantischen Interpretationen: Ein Heiratsantrag aus Klebezetteln auf einer Fensterwand in Manhattan.

"Post-It" ist heute Teil der Popkultur

Heute sind "Post-Its" weltweit in Büros zu Hause - in 400 verschiedenen Farben und Formen. Die kleinen klebrigen Zettel sind längst mehr als praktische Bürohilfen: Sie sind zu einem Gegenstand der Popkultur geworden. Es gibt sogar "Post-It"-Kunst.

Der Künstler Bang Yao Liu aus Taiwan hat am renommierten Savannah-College in Georgia studiert. Seine berühmteste Arbeit ist ein "Post-It"-Film in Stop-Motion, millionenfach auf YouTube angeklickt. Liu erzählt eine Geschichte mit Bildern, bestehend aus bunten "Post-Its".

Männer in Bagdad betrachten Notizzettel unter einer Brücke am Tahirplatz. | Bildquelle: AFP
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"Post-Its" spielen heute auch bei weltweiten Protestaktionen eine Rolle: In Bagdad betrachten Männer während Demonstrationen gegen die Regierung Zettel unter einer Brücke am Tahirplatz.

Die erfolgreichste Niederlage seines Lebens

Der Chemiker Spencer Silver arbeitete noch bis 1996 für 3M und meldete zahlreiche Patente erfolgreich an. 2010 wurde er in die Hall of Fame für Erfinder aufgenommen.

Die Geschichte mit dem "Post-It" begann mit einer Niederlage - und wurde dann die erfolgreichste seines Lebens.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. März 2020 um 05:44 Uhr.

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