Demo in Lissabon

Schuldenkrise in Portugal Großdemo in Lissabon gegen Sparkurs der Regierung

Stand: 12.02.2012 00:49 Uhr

In Portugals Hauptstadt Lissabon haben mehr als 100.000 Menschen gegen den Sparkurs der Regierung demonstriert. Die Kundgebung war die größte, seit das südeuropäische Land im vergangenen Mai Finanzhilfen von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds annehmen musste. "Wir müssen den Strick um unseren Hals loswerden", forderte Armenio Carlos, Chef der landesweit größten Gewerkschaft CGTP. Statt weiter zu sparen, müsse die Regierung die Schulden mit den Gläubigern neu verhandeln.

Demo in Lissabon

Zu der Demonstration aufgerufen hatte die Gewerkschaft CGTP. Viele Portugiesen folgten dem Aufruf.

Spekulationen über weitere Hilfszahlungen

Kommende Woche überprüfen Experten der internationalen Geldgeber erneut, ob die Regierung die Sparauflagen umsetzt, denen sie im Gegenzug für die Hilfen zugestimmt hat. Zuletzt waren Spekulationen aufgekommen, wonach Portugal weitere Hilfen oder sogar einen Schuldenschnitt nach dem Vorbild Griechenlands benötigen könnte. Die portugiesische Regierung betont stets, weder mehr Geld noch eine Fristverlängerung bei dem Rettungspaket im Volumen von 78 Milliarden Euro zu benötigen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble deutete jüngst seine Bereitschaft an, Portugal notfalls bei dem vereinbarten Rettungsprogramm entgegenzukommen.

Da Land befindet sich nach Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen in einer schweren Rezession. Die Arbeitslosenquote liegt bei 13 Prozent.

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KOMMENTARE

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No Fool 12.02.2012 • 08:50 Uhr

Nationale Währungen

Die Rückkehr zu nationalen Währungen erscheint mir inzwischen unausweichlich. Die Länder, die nun seit über 10 Jahren rauschartig die Folgen des Euro genossen haben (niedrige Zinsen, Blasenwirtschaft, "Aufschwung") müssen jetzt erkennen, dass wenig von dem, was sie da gemacht haben, von dauerhafter Wirkung war. Sie haben die Wahl: (A) Eine viel zu teure (Fremd-)Währung behalten, die es ihnen nicht erlaubt, die Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen, aber die Umsetzung von drastischen Sparmassnahmen erfordert, die das Land weiter in die Krise drückt? Oder (B) aus dem Euro austreten und nationale Währung wieder einführen, wissend, dass dies ein abruptes Ende der Wohlstandsmehrung bedeutet - ihr Land also jäh dort landet, wo es vor dem Euro-Rausch auch schon war? Es überwiegen die Vorteile der eigenen Währung: Man kann mit einem Schlag Löhne und Preise herunterregeln; die Realwirtschaft bricht nicht wie in Griechenland zusammen. Wie man sich auch entscheidet: Einfach wird beides nicht.