Maria Ressa | EPA
Porträt

Nobelpreis für Journalistin Ressa "Die Schlacht ist der Weg"

Stand: 08.10.2021 15:04 Uhr

Der Friedensnobelpreis bedeutet für die Journalistin Maria Ressa, "dass wir weitermachen mit dem, was wir tun". Die 58-Jährige kämpft auf den Philippinen u.a. gegen Lügen und Propaganda der Regierung Duterte.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Eine Nobelpreisträgerin mit einer Mission, Mut und einem Motto: "My name is Maria Ressa. We are 'Rappler'. And we will hold the line."

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

"Wir halten die Stellung" - Maria Ressa und das von ihr mitgegründete Nachrichtenportal "Rappler" halten auf den Philippinen die Fahne des unabhängigen investigativen Journalismus hoch. Sie gehören zu den schärfsten Kritikern von Präsident Rodrigo Duterte. Als der 2016 gewählt wurde und seinen blutigen Anti-Drogen-Krieg mit Tausenden von Toten begann, nahmen sie sich vor, furchtlos zu berichten: von Menschenrechtsverletzungen, von der Verdrehung von Fakten, von Lügen, versteckter Propaganda.

Glücklich für ihr Team

Für ihren Kampf gegen "Fake News" wurde Maria Ressa vom "Time Magazine" zu einer der Personen des Jahres 2018 gewählt. Nicht nur für sie, auch für viele andere Journalisten auf den Philippinen werden die Arbeitsbedingungen immer schwieriger. Umso glücklicher ist sie über die Auszeichnung mit dem Friednesnobelpreis:

Ich glaube, ich fühle erstmal nur Schock und bin voller Ehrfurcht. Das ist wirklich emotional. Ich bin glücklich für mein Team und dankbar, dass das Nobelkomitee anerkennt, was wir durchmachen.

Journalistinnen und Journalisten auf den Philippinen leben oft gefährlich, immer wieder gibt es Morde oder Drohungen. Der größte Radio- und Fernsehsender des Landes hat vergangenes Jahr keine neue Lizenz mehr bekommen, einzelne Journalisten werden verhaftet oder mit Klagen überzogen. Maria Ressa selbst ist mehrfach verhaftet worden. Wegen Steuerhinterziehung wurde sie verurteilt; dagegen ist sie in Berufung gegangen und auf Kaution frei.

"Ich will das Richtige tun"

Duterte tut "Rappler" als "Fake News" ab, finanziert von amerikanischen Konzernen, um den Philippinen zu schaden. Und im Netz wird Maria Ressa bedroht und beschimpft als Hure oder Hündin, Schlange oder viel Schlimmeres. Angst zeigt die 58-Jährige trotzdem nicht, sie weicht vor nichts zurück.

Es geht nicht nur ums Gefängnis. Der Weg ist die Schlacht, denn es steht so viel mehr auf dem Spiel. Wenn es nur um mich ginge, wäre ich still. Aber es ist viel mehr. Ich bin 1986 Journalistin geworden und bin es immer noch, und ich will das Richtige tun, für die Demokratie, für den Journalismus.

Zwanzig Jahre lang hat sie für den Nachrichtensender CNN an vielen Orten in Asien als Investigativjournalistin gearbeitet. Sie hat dabei Erfahrungen gesammelt, die sie in ihrem Heimatland eigentlich nicht wiederholt sehen möchte.

Entschlossen - gegen alle Widerstände

Nichts ist der 58-Jährigen wichtiger, als die Mächtigen für ihre Untaten zur Verantwortung zu ziehen, sagte sie einmal, gegen alle Widerstände: "Sie wollen dich einschüchtern, schikanieren, und das Ziel ist natürlich, dass wir leiser werden, aufhören damit, ihre Lügen aufzudecken", so Ressa. "Aber ich habe nichts zu verstecken, ich habe nichts falsch gemacht. Und ich bin entschlossen, die Regierung herauszufordern - ich entlasse sie nicht aus ihrer Verantwortung."

Heute sagt sie, dass das immer schwieriger wird - die sozialen Medien erlaubten es autoritären Politikern und Diktatoren, ihre Algorithmen zu missbrauchen. So könnten sie die Macht ergreifen und Demokratien von innen her aushöhlen. Der Friedensnobelpreis bedeutet darum für Maria Ressa, "dass wir weitermachen mit dem, was wir tun. Es gibt uns mehr Energie, mehr Aufmerksamkeit. Denn unser größtes Problem ist, dass so vieles, gegen das wir kämpfen, im Dunkeln bleibt."

Die heutige Auszeichnung spendet hoffentlich genug Licht für diesen Kampf.