Google und Alphabet-Chef Sundar Pichai. | Bildquelle: AFP

Google und Alphabet Sundar Pichai, der nette Chef

Stand: 06.12.2019 05:25 Uhr

Diese Woche haben die beiden Google-Gründer abgedankt. Ihr Nachfolger ist der 47-jährige Sundar Pichai, der nun in Doppelfunktion als Chef von Alphabet und Google zahlreiche Wettbewerbsverfahren abwehren muss.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Wenn man sich unter den Google-Mitarbeitern umhört, bekommt man unisono zu hören, dass der neue Chef des Gesamtkonzerns ein netter Kerl sei. Er unterscheide sich sehr wohltuend von vielen, zum Teil als exzentrisch geltenden Top-Managern von Google. Dai Wakabayashi ist Tech-Reporter der "New York Times" im Silicon Valley, in den vergangenen Jahren hat er Sundar Pichai mehrfach getroffen. 

"Er ist ein sehr nachdenklicher, zurückhaltender Mensch, ganz anders als viele der exzentrischen Entscheider, die Google in der Vergangenheit hervorgebracht hat. Er weiß, wie er Dinge anpacken muss, um sie nach vorne zu treiben. Er gilt aber nicht als jemand, der seine Ellbogen einsetzt."

In den vergangenen Jahren musste Pichai immer mehr Aufgaben von Alpahbet Chef Larry Page übernehmen. Dieser schien die Lust an der Leitung des Unternehmens mit seinen mehr als 100.000 Mitarbeitenden verloren zu haben. Immer häufiger wurden Pichai als Chef des Suchmaschinengeschäfts CEO-Aufgaben übertragen. New York Times Reporter Wakabayashi:

"Er hat Dinge gemacht, die bislang von Larry Page oder Sergey Brin erledigt wurden. Er hat sich auch um die unangenehmen Aufgaben gekümmert, allen voran das Tageschäft. Er hat die Verhandlungen und Treffen mit der Politik angeführt - an diesen hatten die beiden Gründer kein Interesse gezeigt."

Aufgewachsen in Armut in Indien

Vor 15 Jahren fing der heute 47-jährige Pichai bei Google in Mountain View an. Zuvor hatte er an der Elite-Uni in Stanford Halbleiter-Physik studiert, dann war er für ein paar Jahre McKinsey-Berater. Aufgewachsen ist er in armen Verhältnissen im Süden Indiens. Seine Eltern konnten damals kaum sein Flugticket in die USA bezahlen.

"An seinem Bett steht jede Nacht eine Flasche mit frischem Wasser. Er wuchs unter sehr schwierigen Bedingungen auf. Sauberes Trinkwasser ist bis heute etwas besonderes für ihn. Hier unterscheidet er sich sehr deutlich von den meisten Unternehmenschefs im Silicon Valley, die nicht aus solch bescheidenen Verhältnissen kommen."

Der "New York Times"-Journalist ist der Meinung, dass Google unter der Führung Pichais gewöhnlicher werden dürfte. Das solle aber nicht despektierlich klingen. Google ist ein großer Konzern, der vor 21 Jahren als Start-up gestartet ist, das anders sein wollte als die großen Firmen. Alphabet und Google seien jetzt einfach ein normaler Großkonzern mit den entsprechenden Strukturen und aber auch Problemen.

Verhandlungsgeschick in Washington

Pichai sei ein guter Politiker, er höre zu. Er sei aber kein Manager, der durchstrukturiert Aufgaben abarbeite. Und: Er könne gut mit der Politik in Washington verhandeln und umgehen. Ein Feld, das für die Tech-Konzerne des Silicon Valley angesichts laufender Wettbewerbsverfahren immer wichtiger wird.

"Hinzu kommt: Die Google-Mitarbeiter engagieren sich immer stärker, weil sie kritisieren, wie das Unternehmen mit Themen wie sexueller Belästigung, einer möglichen Rückkehr nach China oder einer Zusammenarbeit mit dem US-Verteidigungsministerium umgegangen ist."

Wakabayashis Kollegin, die Tech-Kolumnistin Kara Swisher, die für ihre bissigen Kommentare bekannt ist, kommentiert den Wechsel an der Spitze des vielleicht wichtigsten Internetunternehmens der Welt so: Nicht der Schlauste oder Lauteste hat gewonnen, sondern der Netteste.

Portrait Sundar Pichai: Der neue Chef von Alphabet und Google
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
06.12.2019 06:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Dezember 2019 um 13:36 Uhr.

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