Jimmie Akesson, Chef der rechtsextremen Schwedendemokraten | Bildquelle: AFP

Chef der Schwedendemokraten Gegen Akesson kann niemand mehr regieren

Stand: 09.09.2018 12:03 Uhr

Rund 20 Prozent könnten die Schwedendemokraten bei der heutigen Reichstagswahl holen. Parteichef Akesson hat die rechte Bewegung systematisch umgekrempelt. Nach der Wahl könnte er zum "Königsmacher" werden.

Von Tim Krohn, NDR

Für Jimmie Akesson lief zuletzt alles nach Plan: Aus der großen Fernsehdebatte der Parteichefs im schwedischen Fernsehen ging er als Umfragensieger hervor. Kein Wunder - so ziemlich alles in dieser Debatte drehte sich mal wieder um seine Lieblingsthemen: Zuwanderung und innere Sicherheit. Sozialdemokraten und Konservative in Schweden vertreten mittlerweile ähnlich strikte und harte Positionen wie er. Warum also nicht gleich das Original wählen?

Zumal sich Akesson auch sonst durch und durch bürgerlich gibt: Er ist immer adrett und freundlich, einer, der penibel auf seine Wortwahl achtet. "Wir stehen nicht am rechten Rand der klassischen politischen Skala", beteuert er.

"Betrachtet man unsere Politik, so liegen wir recht deutlich in der Mitte. Was unsere Werte angeht, stehen wir etwas mehr rechts, und was Fragen der Umverteilung und Wohlfahrt angeht, so stehen wir eher links der Mitte."

Die Spitzenkandidaten der schwedischen Parteien bei der TV-Debatte | Bildquelle: AP
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Aus der Debatte der Parteichefs im schwedischen Fernsehen ging Akesson als Sieger hervor.

Smarter Anwalt und pausbäckiger Schwiegersohn in einem

Akesson ist erst 39 Jahre jung, sieht immer ein wenig aus wie Karl Theodor zu Guttenberg - nur eben noch jünger, noch adretter. Er ist der Typ smarter Anwalt und pausbäckiger Schwiegersohn in einem: Designerbrille, akkurater Scheitel und seit neuestem sogar offenes Hemd und gepflegter Dreitagebart - was wohl aussagen soll "seht her, ich kann auch lässig".

Rein optisch und rhetorisch  unterscheidet ihn viel von den anderen Hauptakteuren der europäischen Rechten. Die Hemdsärmeligkeit des italienischen Innenministers Salvini oder die zur Schau gestellte Griesgrämigkeit des deutschen AfD-Chefs Gauland - all das ist nicht Akessons Stil.

"Leider ging die Entwicklung in Schweden in die falsche Richtung", sagt Akesson inzwischen. "Die Gesellschaft ist heute zersplittert und polarisiert wie lange nicht mehr. Vor allem wir Politiker müssen daran arbeiten, langfristig neuen Zusammenhalt in der Gesellschaft zu schaffen."

Zusammenhalt? Ausgerechnet Akesson und die Schwedendemokraten sagen das? Zuspitzen und Polarisieren waren bislang das Erfolgsrezept seiner Partei. Inhaltlich unterscheidet sich Akessons Politik nur wenig von den Positionen der italienischen Lega oder der deutschen AfD. Auch er spricht von "Lügenpresse" und "verwöhnten Eliten". Er sagt, man müsse die Etablierten aus ihren Ämtern vertreiben, die Einwanderung stoppen, Asylsuchende zurückschicken und den Einfluss der EU in Schweden zumindest bremsen. Im Wahlprogramm fordern die Schwedendemokraten nach wie vor eine Volksabstimmung über einen Austritt aus der EU.

"Rassistische Bewegung, die versucht, sich anzupassen"

Akesson selbst mag feine Lederschuhe tragen, seine Partei stand in den 90er-Jahren eher für Springerstiefel. "Sie haben eine völlig andere Geschichte als zum Beispiel die Dänische Volkspartei", erklärt Fredrik Furtenbach vom schwedischen Rundfunk. Die Dansk Folkepartiet sei so etwas wie das große Vorbild der Schwedendemokraten. "Aber der Unterschied ist doch gewaltig: Die Schwedendemokraten haben ihre Wurzeln im rassistischen Milieu der Skinheads. Das war nie eine Volkspartei, sondern eine rassistische Bewegung, die jetzt versucht, sich anzupassen und normaler zu werden." 

Jimmie Akesson will sich heute nicht mehr an Neonazis und Skinheads erinnern. Obwohl auch er selbst schon seit 1995 dabei ist. Darauf angesprochen, windet sich Akesson unüberhörbar. "Das habe ich überhaupt nicht gesehen", sagt er dann. "Da, wo ich aufgewachsen bin, gab es ja damals gar keine Schwedendemokraten, nicht im wirklichen Leben. Nein, ich wusste wirklich wenig über die Partei" - deren Chef er heute ist.

Jimmie Akesson, Chef der rechtsextremen Schwedendemokraten | Bildquelle: AFP
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Mit den Themen Zuwanderung und innere Sicherheit treibt Akesson die anderen Parteien vor sich her.

Ziel: Für alle Schweden wählbar sein

Akesson hat die frühere Nazipartei vor 13 Jahren übernommen und dann Stück für Stück zumindest nach außen hin systematisch umgekrempelt. Wer da nicht mitziehen wollte, der flog. Aus der Fackel im Parteilogo wurde kurzerhand eine Blume.

Für alle Schweden wählbar sein und immer "den Kümmerer" geben - dieses Rezept hat Akesson in all den Jahren perfektioniert. Vor drei Jahren ließ er in der Stockholmer U-Bahn ein paar Plakate kleben, auf englisch: "Sorry about the mess here in Sweden" stand darauf - eine ziemlich doppeldeutige Entschuldigung, dass es "so schmutzig" sei. Schuld seien die Bettler und internationalen Banden. Die Regierung tue da einfach nicht, was notwendig sei. Was das denn wäre, lässt Akesson offen.

Jimmi Akesson - Platzhirsch der Populisten
Tim Krohn, NDR
09.09.2018 11:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. September 2018 um 13:30 Uhr.

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